Hausbank, Direktbank, Fondsvermittler oder Fondsgesellschaft? Finanztest hat die günstigsten Verkäufer ermittelt.

In der Investmentbranche tobt eine Rabattschlacht. Immer mehr Fondsverkäufer verlangen nur noch einen ­reduzierten Ausgabeaufschlag. Dieser Aufschlag fällt normalerweise bei jedem Fondskauf an und liegt meist bei 5 Prozent der Anlagesumme.

Anleger sollten diese Kosten nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn jeder Euro, der nicht in das Fondsvermögen fließt, schmälert ihre Rendite.

Wie stark, zeigt dieses Beispiel: Ein Anleger legt auf einen Schlag eine größere Summe in einen Fonds an und hält die Anteile fünf Jahre lang. Der Fonds schafft in dieser Zeit eine Wertentwicklung von durchschnittlich 7 Prozent pro Jahr. Weil der Anleger jedoch zu Beginn einen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent der Anlagesumme zahlen musste, sinkt seine durchschnittliche Rendite auf rund 6 Prozent pro Jahr. Das Suchen nach Rabatten auf den Ausgabeaufschlag lohnt sich also.

Auch für die Verwaltung des Fondsdepots achten Fondskäufer besser auf eine günstige Verwahrstelle.

Rund 100 Kaufquellen im Test

Finanztest stellt 15 Fondsvermittler, 65 Fondsgesellschaften sowie 14 Direktbanken und Discountbroker mit ihren Rabatten vor. Außerdem haben wir die jeweiligen Depotkosten unter die Lupe genommen.

Die Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind enorm. Bei einigen freien Vermittlern gibt es viele Spitzenfonds ganz ohne Ausgabeaufschlag – und das auch noch zu moderaten Depotpreisen. Beides bieten vor allem die Fondsvermittler AAV Fondsvermittlung, FD Fonds-Sparkauf, AVL Finanzdienstleistung und Fonds4you.de.

Geübte Schnäppchenjäger achten bei ihrem Einkaufsbummel nicht nur auf den Preis, sondern vor allem auf die Qualität der Produkte. Das ist beim Kauf von Investmentfonds nicht anders. Das erste Auswahlkriterium ist daher immer die Qualität des Fonds. Dann erst kommen Rabatte auf den Ausgabeaufschlag oder günstige Depotkosten.

Anleger, die sich eine eigenständige Fondsauswahl oder Depotzusammensetzung nicht zutrauen, kaufen meist bei ihrer Hausbank. Mit dieser Entscheidung stehen sie nicht alleine da. Die meisten Fonds werden über Filialbanken an den Anleger gebracht.

Fondskauf bei der Hausbank

Die Betreuung des Anlegers lässt sich die Hausbank gut bezahlen. Meist wird hier beim Fondskauf der volle Ausgabeaufschlag fällig. Rabatte gibt es allenfalls, wenn der Anleger Verhandlungsgeschick zeigt und gezielt nachfragt.

Die meisten Banken verkaufen mittlerweile auch konzernfremde Fonds, ohne zusätzliche Spesen zu berechnen. Leider empfehlen sie immer noch hauptsächlich Fonds der konzerneigenen Investmentgesellschaften.

Anleger, die genaue Vorstellungen davon haben, welche Fonds sie kaufen möchten, können jedoch von den ausgetretenen Shopping-Wegen abweichen. Für sie haben wir drei interessante Alternativen zur Hausbank geprüft: den Einkauf bei Direktbanken und Discountbrokern, den Direktkauf bei der Fondsgesellschaft und den Einkauf über freie Fondsvermittler.

Doch nicht jede dieser Einkaufsadressen ist für jeden Anlegertyp die richtige (siehe Tabelle „Vier Wege zum Fonds“). Bevor sich ein Anleger für eine der Einkaufsadressen entscheidet, sollte er sich deswegen überlegen, was ihm beim Fondskauf besonders wichtig ist und was er von seinem Anbieter erwartet.

Der Kauf bei freien Vermittlern

Freie Fondsvermittler sind für Schnäppchenjäger meistens die beste Einkaufsadresse. Denn bei ihnen herrscht immer Schlussverkaufsstimmung.

Im Vergleich zu Direktbanken und Discountbrokern ist ihr Rabatt auf den Ausgabeaufschlag für die meisten Fonds deutlich höher. Etwa zwei Drittel der „stark überdurchschnittlichen“ Fonds aus der Finanztest Fondsanalyse gibt es hier ganz ohne Ausgabeaufschlag zu kaufen (siehe Tabelle „Die höchsten Rabatte für die besten Fonds“).

Doch wie können freie Fondsvermittler Fonds verschiedener Gesellschaften so günstig anbieten? Im großen Stil haben dies erst die Fondsbanken und Fondsplattformen möglich gemacht (siehe Finanztest 12/03). Sie sind eine Schnittstelle zwischen den Fondsvermittlern und den Investmentgesellschaften.

Will der Kunde über den Vermittler Fonds mehrerer Gesellschaften kaufen, muss er nicht mehr – wie früher – bei jeder Gesellschaft ein eigenes Depot eröffnen. Stattdessen gibt der Vermittler die Order an die Fondsbank weiter, die Verträge mit den Fondsgesellschaften abgeschlossen hat.

Wie bei der Hausbank oder der Direktbank auch hat der Anleger bei der Fondsbank ein Depot, in dem er Fondsanteile verschiedener Gesellschaften verwahren kann. Das ist für ihn sehr übersichtlich. Außerdem muss er nur einen Freistellungsauftrag erteilen.

Die meisten in unseren Tabellen aufgeführten Fondsvermittler arbeiten mit der Frankfurter Fondsbank oder mit ebase zusammen. Beide gehören zu großen deutschen Fondsgesellschaften oder Banken.

Wie Direktbanken auch verlangen Fondsbanken eine einheitliche Mindestanlagesumme. Bei ebase beträgt sie zum Beispiel 500 Euro (Sparpläne 50 Euro) – unabhängig davon, welche Mindestanlage die einzelne Fondsgesellschaft vorschreibt.

Depotgebühr lässt sich umgehen

Einziger Nachteil beim Fondskauf über einige freie Vermittler sind die Mindestdepotgebühren. Sie liegen häufig zwischen 12 und 36 Euro im Jahr.

Umgehen lassen sie sich beispielsweise bei AAV, AVL oder fit4fonds. Wenn der Anleger mehr als 25 000 Euro im Depot hat, erstattet ihm der Vermittler nachträglich die Gebühren.

Aber auch Anleger, die Depotgebühren zahlen müssen, holen sie wieder rein, wenn der Vermittler einen deutlich höheren Rabatt auf den Ausgabeaufschlag bietet als die Direktbanken.Wer beispielsweise den DWS Vermögensbildungsfonds I kauft, erhält bei den meisten Direktbanken 20 bis 40 Prozent Nachlass auf den Ausgabeaufschlag.

Das heißt, er zahlt statt 5 Prozent nur 3 bis 4 Prozent Ausgabeaufschlag. Kauft er seinen Wunschfonds bei AAV oder fonds4you.de ganz ohne Aufschlag, hat er bei einer Anlagesumme von 2 500 Euro die Depotkosten für die Fondsbank längst wieder raus. Denn der Ausgabeaufschlag kostet ihn selbst bei der Direktbank bis zu 100 Euro.

Alle von Finanztest untersuchten freien Fondsvermittler bieten beim Fondskauf Rabatte an. Für viele ist der Fondsverkauf jedoch nur ein Standbein von vielen. Portfolio Concept bietet zum Beispiel auch eine Vermögensverwaltung an.

Andere Vermittler wie finanzoptimierung.de, Fonds4you.de, Fondsvermittlung24.de oder Fondseasy.de verdienen auch Geld mit dem Verkauf von Versicherungen und geschlossenen Fonds. Es kann daher passieren, dass Vermittler die Kundendaten aus dem Fondskauf auch dazu nutzen, dem Sparer andere Produkte aus ihrer Palette anzubieten.

Wer bei freien Vermittlern kauft, sollte sich deswegen in Vermögensfragen auskennen und die Angebote bewerten können. Keiner der untersuchten Vermittler macht allerdings den Verkauf von rabattierten Fonds davon abhängig, dass der Anleger auch andere Produkte oder Dienstleistungen bei ihm kauft.

Einige Vermittler versenden Newsletters oder Infopost mit Fondsempfehlungen oder anderen Geldanlagetipps. Auch hier heißt es: Augen auf. Der Fondsvermittler Infos zum Beispiel verschickte im vergangenen Herbst Post an Anleger, die in einen offenen Immobilienfonds investiert hatten. Er empfahl ihnen, ihr Geld in einen noch sehr jungen Dachfonds umzuschichten. Kein Wunder, denn dessen Management wird von Infos beraten.

Für informierte Anleger sind freie Fondsvermittler aber dennoch eine gute Einkaufsadresse. Ihre Konditionen sind derzeit kaum zu toppen.

Direktbanken: Nicht nur für Fonds

Direktbanken und Discountbroker sind für Anleger interessant, die Fonds verschiedener Gesellschaften kaufen und auch börsennotierte Wertpapiere wie Anleihen oder Aktien im gleichen Depot aufbewahren möchten.

Wie bei Fondsgesellschaften oder -vermittlern ist der Kauf und Verkauf von Fondsanteilen bei Direktbanken und Brokern bequem. Online, per Fax oder Telefon können Anleger hier an Fondsanteile kommen.

Jede Direktbank bietet Fonds mit ­Rabatt auf den Ausgabeaufschlag – oft sind dies 25 oder 50 Prozent. Die Rabatte sind meist nicht so hoch wie bei den Fondsvermittlern. Bei den meisten Direktbanken gelten diese Rabatte allerdings nur für die Einmalanlagen.

Bei Sparplänen ist die Auswahl geringer. Eine große Auswahl an Sparplänen mit Rabatt haben nur die American Express Bank und die Netbank.

Manche Anbieter veranstalten regelmäßig Sonderaktionen, wie etwa comdirect mit „dem Fonds des Monats“ oder Cortal Consors mit dem „Fondsangebot des Monats“. Hier erhält der Sparer auf ausgewählte Fonds für einen kurzen Zeitraum bis zu 100 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag. Anleger sollten sich aber nicht von den Rabatten blenden lassen, sondern erst einmal prüfen, ob der Fonds wirklich zur eigenen Anlagestrategie passt.

Bei der Auswahl einer Direktbank sollten sich Anleger gut mit dem jeweiligen Rabattsystem vertraut machen. Viele Discountbroker wie comdirect, Entrium oder Cortal Consors richten ihre Rabatte nach der Fondsgesellschaft. Für Fonds von der DWS gibt es bei allen dreien 25 Prozent Rabatt. Auf Fonds unseres Testsiegers Threadneedle aus der Titelgeschichte Fondsgesellschaften im Test bieten comdirect und Cortal Consors 50 Prozent Rabatt. Andere machen den Preisnachlass vom Ordervolumen abhängig. Hierzu gehört die Deutsche Bank maxblue.

Anleger mit niedrigen Anlagesummen sollten die Deutsche Bank maxblue meiden. Hier gibt es für die ersten 2500 Euro keinen Rabatt auf den Ausgabeaufschlag (bei Sparplänen 1500 Euro). Erst danach kommt der Anleger in den Genuss von meist 50 Prozent Nachlass.

Pro Fondsgesellschaft ein Depot

Direkt bei der Fondsgesellschaft kaufen Sparer, die von einer Gesellschaft besonders überzeugt sind und großen Wert auf günstige Konditionen beim Fondswechsel legen. Anleger, die später in ­andere Fonds derselben Gesellschaft umschichten wollen, zahlen dann oft keinen neuen Ausgabeaufschlag.

Kostenlos ist der Fondswechsel meist, wenn der neue Fonds den gleichen oder einen geringeren Ausgabeaufschlag hat.

Trotz guter Switchkonditionen sollten Anleger aber genau abwägen, ob der Kauf bei der Fondsgesellschaft für sie sinnvoll ist. Denn hier gibt es fast nie Rabatt auf den Ausgabeaufschlag, weil die Fondsgesellschaften ihren Vertriebspartnern keine Konkurrenz machen wollen.

Auch die Depotverwaltung bieten nicht mehr so viele Fondsgesellschaften kostenlos an wie noch vor drei Jahren. Die Kosten für die Lagerung der Fonds sind zwar bei vielen Gesellschaften noch immer günstiger als bei Direktbanken und Discountbrokern. Einige langen jedoch ganz ordentlich zu.

Besonders teuer wird es, wenn die Fondsgesellschaft ihre Depotgebühren pro Fonds berechnet. Diese Preisstrategie fahren Warburg Invest, DWS, Metzler und Frankfurt-Trust. Bei Warburg kostet die Verwahrung je Fonds 17 Euro im Jahr, bei Frankfurt-Trust 8,90 Euro. Verglichen mit den Konditionen der Direktbanken ist dies ein stolzer Preis.

Die Schattenseite der Rabatte

Die neue Rabattflut wird langfristig auch Schattenseiten haben. Durch die großzügigen Rabatte sinken zwar zunächst die Ausgabeaufschläge, mit denen der Vertrieb finanziert wird. Dafür steigen aber langfristig die Bestandsprovisionen, die die Investmentgesellschaften an Fondsverkäufer zahlen.

Diese Provisionen werden üblicherweise aus den jährlich anfallenden internen Kosten des Fonds bestritten. Sie kann der Anleger nicht umgehen, weil sie direkt vom Fondsvermögen abgezogen werden. In den vergangenen Monaten haben einige Investmentgesellschaften diese internen Kosten bereits erhöht.

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