Folsäure Test

Täglicher Folsäurebedarf: Jugendliche und Erwachsene: 400 Mikrogramm Nahrungsfolsäure. Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere, Stillende: 600 Mikrogramm. Sie sollten den erhöhten Bedarf über ein Folsäurepräparat decken.

Sie schützt Ungeborene vor bestimmten Missbildungen und Alte möglicherweise vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch kaum einer kennt das Vitamin.

Folsäure gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Sie spielt eine bedeutende Rolle bei allen Wachstums- und Entwicklungsprozessen, vor allem bei der Bildung von Blut, Zellen und Erbsubstanz. Besonders wichtig ist sie deshalb in der Schwangerschaft. Ein Mangel an Folsäure kann die Entwicklung des Embryos behindern und das zentrale Nervensystem schädigen. Mediziner sprechen von einem Neuralrohrdefekt – das Neuralrohr ist der Nervenkanal in der späteren Wirbelsäule. Folge dieses Defekts sind mitunter schwere Fehlbildungen von Wirbelsäule, Rückenmark und Gehirn. Zu den häufigsten Missbildungen gehören der „offene Rücken“ (Spina bifida) und eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 500 bis 800 Säuglinge mit solchen Schäden geboren. Hinzu kommen 400 bis 500 Abtreibungen nach entsprechender Diagnose.

Rätselhafter Stoff

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Doch das lebenswichtige Vitamin ist eher unbekannt. Als beispielsweise über 4 000 Jugendliche in Sachsen-Anhalt zu Ernährung und Schwangerschaft befragt wurden, konnten 80 von 100 Schülern der 10. bis 13. Klassen auf die Frage „Was ist Folsäure?“ keine Antwort geben. Und nur jeder fünfte kannte die Empfehlung, Folsäure vor und während der Schwangerschaft einzunehmen. Immerhin kannten zwei von drei Müttern neugeborener Kinder, die einen Fragebogen des Mainzer Geburtenregisters ausfüllten, den Nutzen von Folsäure während der Schwangerschaft, doch nur jede elfte Schwangere hatte sich auch aktiv um eine ausreichende Versorgung bemüht.

Vierte Schwangerschaftswoche

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Deutschlandweit ist höchstens jede zehnte Schwangere ausreichend mit diesem Vitamin versorgt. Dabei gibt es seit 1995 die Empfehlungen mehrerer Fachgesellschaften, dass Schwangere Folsäurepräparate einnehmen sollten. Doch die Rate der Fehlbildungen ist seither nicht zurückgegangen. Das kann unter anderem damit zusammenhängen, dass Gynäkologen Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere unzureichend oder zu spät darüber informieren, wie wichtig das Vitamin für Mutter und Kind ist. Problematisch ist auch, dass die Fehlbildungen bereits zu einem frühen Zeitpunkt entstehen – in der vierten Schwangerschaftswoche. Viele Frauen wissen dann noch gar nicht, dass sie schwanger sind.

Die meisten sind unterversorgt

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Jugendliche und Erwachsene sollten täglich 400 Mikrogramm Folsäure aus der Nahrung aufnehmen. Doch die meisten Menschen schaffen kaum mehr als die Hälfte. Rund 80 Prozent der Deutschen sind nach Erkenntnissen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung unterversorgt. Schwangere und Stillende brauchen noch mehr von dem lebenswichtigen Vitamin. Für sie lautet die Empfehlung, täglich 600 Mikrogramm aufzunehmen.

Wenige ernähren sich entsprechend

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Es ist sehr schwierig, den normalen Folsäurebedarf über die Ernährung aufzu­nehmen. Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte enthalten reichlich Folate (siehe „Ernährung“) – so werden die in Lebensmitteln vorkommenden natürlichen Folsäureverbindungen genannt. Doch nur ein kleiner Teil der Bevölkerung ernährt sich entsprechend. Außerdem leiden die Nahrungsfolate unter der Lagerung und Zubereitung, denn sie sind besonders licht-, luft- und hitzeempfindlich. Das hat zur Folge, dass viele Menschen zu wenig Folsäure aufnehmen.

Synthetische Folsäure von Vorteil

Wer nicht genügend natürliche Folsäure verzehrt, kann seinen Bedarf mit einem Nahrungsergänzungsmittel aufstocken. Schwangere sollten auf jeden Fall zusätzlich zu einer folatreichen Nahrung ein Folsäurepräparat mit einer Tagesdosis von 400 Mikrogramm einnehmen. Denn mit der Ernährung allein ist die empfohlene Menge kaum zu schaffen, aber gerade in der Schwangerschaft extrem wichtig. Und das synthetische Vitamin hat einen unbestrittenen Vorteil: Folsäure aus Tabletten wird vom Organismus schneller aufgenommen und besser verwertet als die natürlichen Folate aus der Nahrung.

Kapseln, Tabletten, Tropfen

Es gibt ein breites Angebot an Folsäurepräparaten in Apotheken, Drogeriemärkten, Reformhäusern und im Internet. Sie werden als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel angeboten, in Form von Kapseln, Dragees, Tabletten, Brausetabletten, Lutschtabletten und Tropfen. Zur Auswahl stehen Monopräparate – sie enthalten nur Folsäure – und Kombinationen mit den Vitaminen B6 und B12, manchmal auch noch mit weiteren Vitaminen und Mineralstoffen.

Ein Mittel ist geeignet

Wir haben 14 Folsäurepräparate, die oft verkauft werden, aus der Gruppe der Nahrungsergänzungsmittel untersucht. Uneingeschränkt empfehlen können wir nur Ratiopharm mit 400 Mikrogramm pro Tablette. Die anderen Mittel überschreiten mit ihrer Dosierung oder Einnahmeempfehlung die Zufuhrempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Wir können sie deshalb wenig oder nur mit Einschränkung empfehlen.

Nicht zu viel aufnehmen

Zwar gibt es keine gesetzlich geregelte Höchstmenge für die Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen. Experten raten jedoch, über Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 1 000 Mikrogramm Folsäure täglich aufzunehmen. Solange die Verzehrsempfehlungen befolgt werden, sind insofern von keinem der geprüften Präparate gesundheitliche Risiken zu erwarten. Allerdings sollte bedacht werden, dass es inzwischen eine Vielzahl von Lebensmitteln gibt, die mit Folsäure angereichert sind. Dazu zählen vor allem Mehrfrucht- und Multivitaminsäfte, Buttermilch und Trinkjogurt, Cornflakes und Müsli. Bei einem häufigen Genuss solcher Produkte kann es dann leicht zu einer übermäßigem Aufnahme von Folsäure kommen, wenn zusätzlich auch noch hochdosierte Vitaminpräparate eingenommen werden.

Verzögerte Freisetzung nicht nötig

Vier der untersuchten Folsäurepräparate sind Depotpräparate – sie geben also die Nährstoffe nach und nach über einen längeren Zeitraum ab. Sie sind den übrigen Tabletten jedoch nicht überlegen. Da für Vitamine natürliche Speichersysteme im Körper existieren, ist eine verzögerte Freisetzung nicht erforderlich.

Auch Präparate, die außer Folsäure weitere Vitamine oder Mineralstoffe enthalten, haben bei einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung keinen zusätzlichen Nutzen. Wer viel Obst und Gemüse isst, ist ausreichend mit diesen Nährstoffen versorgt. Das gilt auch für Schwangere. Allerdings könnte ihre Versorgung mit Vitamin D, Kalzium, Eisen und Jod zu knapp sein. Bei Bedarf sollten sie entsprechende Präparate gezielt einnehmen. Bei nachgewiesenem Jodmangel übernehmen sogar die Krankenkassen die Kosten für Jodtabletten.

Außer Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere haben die Hersteller von Folsäurepräparaten vor allem Ältere im Blick, die mit der täglichen Tablette ihre Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz zu verringern hoffen. In Kombination mit den Vitaminen B6 und B12 ist Folsäure nämlich in der Lage, Homocystein, ein giftiges Zwischenprodukt des Eiweißstoffwechsels, unschädlich zu machen. Homocystein gilt als Risikofaktor für Gefäßschäden und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch die Hirnleistung soll es beeinträchtigen.

Geschäft mit der Hoffnung

Doch vorerst bleibt das ein Geschäft mit der Hoffnung. Studien haben zwar gezeigt, dass Folsäurepräparate den Homocysteinspiegel reduzieren können. Unklar ist jedoch, ob in der Folge tatsächlich weniger Herzinfarkte oder Schlaganfälle auftreten. Der Beweis ist noch nicht erbracht. Ebenso ist ungeklärt, ob sich der geistige Abbau im Alter durch die Einnahme von Folsäurepräparaten verlangsamen lässt.

Unsicher ist auch, ob Folsäurepräparate den erhofften Schutz vor Krebserkrankungen bieten. Neuere Studien weisen sogar darauf hin, dass eine sehr hohe Folsäurezufuhr eventuell das Wachstum von Krebsvorstufen fördern könnte, zum Beispiel im Dickdarm.

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