Förderung für energetische Sanierung

Steuerbonus statt Kredite und Zuschüsse

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Wer ein bestehendes Haus energetisch saniert, kann alternativ zu den Förderkrediten oder Zuschüssen nach Abschluss der Arbeiten einen Steuerbonus beantragen.

Steuerrabatt als Alternative

Ein großer Haken der Bafa-Zuschüsse sind die langen Bearbeitungs­zeiten. Sanierungs­willige müssen die Mittel beantragen, bevor sie einer Firma einen Auftrag erteilen. Beginnen sie mit den Arbeiten, bevor der Zuwendungs­bescheid da ist, geschieht das auf eigenes ­Risiko.

Steuerbonus im Nach­hinein beantragen

Wer es sich leisten kann, die Kosten für die Bauarbeiten komplett aus der eigenen Tasche vorzufinanzieren, kann sich dank eines Steuerrabatts das Warten auf die Genehmigung von Anträgen sparen. Statt einen Förder­kredit bei der KfW oder einen Zuschuss beim Bafa zu beantragen, können Haussanierer ­ihre Ausgaben im Nach­hinein mit dem Finanz­amt abrechnen.

Bis 40 000 Euro Steuer­nach­lass

Pro Haus oder Wohnung können Besitzer 20 Prozent der Sanierungs­kosten geltend machen. Maximal 40 000 Euro sind drin. Der Steuer­nach­lass verteilt sich über drei Jahre:

  • Im ersten Jahr, in dem die Baumaß­nahme abge­schlossen wird, und im darauf­folgenden Jahr beträgt die Ermäßigung 7 Prozent der Kosten, maximal 14 000 Euro pro Jahr.
  • Im dritten Jahr gibt es eine weitere Steuer­ermäßigung in Höhe von 6 Prozent, maximal 12 000 Euro.

Steuerbonus bringt oft mehr

In einigen Fällen bringt der Steuer­nach­lass einen größeren finanziellen Vorteil als die Förderung von KfW und Bafa, wie unsere Beispielrechnungen zeigen. Bei Dämm­maßnahmen oder dem Einbau neuer Fenster beispiels­weise ist der Steuer­abzug in Höhe von 20 Prozent der Kosten attraktiver als die 15 Prozent Bafa-Zuschuss. Auch der Zuschuss für Pellethei­zungen wurde so gekürzt, dass eine Steuerermäßigung oft vorteilhafter ist.

Doch Vorsicht! Von dem vollen Steuerbonus profitiert nur, wer ausreichend Steuern zahlt. Fällt die Einkommensteuer geringer aus als der Steuerbonus, sinkt die Steuer höchs­tens auf 0 Euro. Eine Verschiebung des Rest­betrags auf andere Steuer­jahre ist nicht möglich.

Schon­frist für Gasheizungen

Um den Steuerrabatt zu bekommen, muss das Haus oder die Wohnung älter als zehn Jahre sein und vom Steuerzahlenden selbst genutzt sein. Begüns­tigt sind im Prinzip die gleichen Sanierungs­maßnahmen wie beim Bafa – also zum Beispiel die Wärmedäm­mung, der Einbau neuer Fenster oder der Austausch der Heizung.

Allerdings wurden die Förderricht­linien für den Bafa-Zuschuss bereits mehr­fach geändert. Insbesondere sind beim Bafa seit Sommer 2022 Gasheizungen nicht mehr förderfähig. Die für den Steuerbonus maßgebliche „Energetische Sanierungs­maßnahmen Verordnung“ soll aber erst für das Steuer­jahr 2023 angepasst werden.

Gas-Hybridhei­zung mit dem Finanz­amt abrechnen

Wenn Sie 2022 eine Gasheizung einge­baut haben und dafür beim Bafa wegen der geänderten Richt­linien keinen Zuschuss beantragen konnten, können Sie Ihre Ausgaben beim Finanz­amt geltend machen. Voraus­setzung ist, dass die Heizung die tech­nischen Mindest­voraus­setzungen erfüllt. Es muss sich also um eine Gas-Hybridhei­zung handeln oder die Heizung muss für den Einsatz erneuer­barer Energien vorbereitet sein („renewable ready“).

Bescheinigung der Fachfirma

Die Bauarbeiten müssen von einem Fach­betrieb ausgeführt werden. Die Firma muss nach Abschluss der Baumaß­nahmen in ­einem amtlichen Musterformular beschei­nigen, dass die energetischen Anforderungen an die Baumaß­nahmen erfüllt wurden. Ein Energieberater oder eine Energieberaterin ist nicht vorgeschrieben. Wie bei der öffent­lichen Förderung ist das Honorar für die Beratung aber förderfähig. In dem Jahr, in dem der Umbau abge­schlossen wurde, mindern 50 Prozent der Beratungs­kosten die Einkommensteuer direkt. Eine Staffelung über mehrere Jahre gibt es nicht.

Beantragt wird die Ermäßigung in der Erklärung des Jahres, in dem die Arbeiten abge­schlossen worden sind und das Bauunter­nehmen seine Schluss­rechnung gestellt hat. Die Rechnung muss alle ausgeführten Arbeiten einzeln ausweisen und per Bank­über­weisung bezahlt werden.

Steuerbonus hat einige Vorteile

Die steuerliche Förderung der Sanierungs­kosten kann nicht nur finanziell attraktiver sein als die Förderung durch KfW oder Bafa, sie hat auch weitere Vorteile: Sie ist unbürokratischer, sie muss nicht vor Beginn der Arbeiten beantragt werden und auf den Steuer­bonus gibt es einen Rechts­anspruch.

Seitdem im Sommer 2021 die Bundes­förderung für effiziente Gebäude einge­führt wurde, ist sie bereits mehr­fach geändert, ­gekürzt oder gar von heute auf morgen komplett gestoppt worden. Auch die nächste Reform ist bereits angekündigt und soll zu Jahres­beginn in Kraft treten.

Unter anderem sollen der Bonus für „Worst Performing Buildings“ erhöht und Material­kosten bei Eigen­leistungen aner­kannt werden. Für Pellethei­zungen werden strenge Grenz­werte an die Fein­staub­emission einge­führt.

Für Sanierungs­willige sind die häufigen Änderungen eine enorme Heraus­forderung, denn die Planung gerade für größere Baumaß­nahmen stehen in der Regel Monate im Voraus fest. Im Ernst­fall wackelt mit einer Änderung der Förderbedingungen die Finan­zierung des gesamten Projekts.

Steuerschuld muss hoch sein

Wer von vorn­herein auf den Steuerbonus vom Finanz­amt setzt, hat eine größere Planungs­sicherheit. Voraus­setzung ist, dass die Steuerschuld höher ist als der Steuerrabatt. In unserem Beispiel für eine Komplettsanierung muss der Steuerzahlende in drei Jahren mehr als 34 800 Euro* Steuern zahlen, damit die Rechnung aufgeht.

*Korrigiert am 12.12.2022

Zuschuss oder Steuerbonus?

1. Beispiel: Wärmedämmung

In einem Einfamilien­haus werden die Außenwände gedämmt und neue Fenster einge­baut. Der Steuerbonus ist die bessere Wahl.

Kosten

25 000 Euro

Zuschuss Bafa (15 Prozent)

3 750 Euro

Steuerbonus 1. Jahr (7 Prozent)

1 750 Euro

Steuerbonus 2. Jahr (7 Prozent)

1 750 Euro

Steuerbonus 3. Jahr (6 Prozent)

1 500 Euro

Steuerbonus gesamt

5 000 Euro

2. Beispiel: Erd-Wärmepumpe

Eine alte Gasheizung wird durch eine Erd-Wärmepumpe ersetzt. Vom Bafa gibt es doppelt so viel Zuschuss.

Kosten

32 000 Euro

Zuschuss Bafa (15 Prozent)

12 800 Euro

Steuerbonus 1. Jahr (7 Prozent)

2 240 Euro

Steuerbonus 2. Jahr (7 Prozent)

2 240 Euro

Steuerbonus 3. Jahr (6 Prozent)

1 920 Euro

Steuerbonus gesamt

6 400 Euro

3. Beispiel: Komplett­sanierung

Ein Haus wird zum KfW-40-Haus saniert. Wer dafür keinen KfW-Kredit benötigt, fährt mit dem Steuerrabatt besser – voraus­gesetzt, er zahlt so viel Steuern.

Kosten Bau

160 000 Euro

Kosten Baubegleitung

10 000 Euro

KfW-Kredit mit Tilgungs­zuschuss

KfW-Darlehen Bau (maximale Kreditsumme)

120 000 Euro

KfW-Darlehen Baubegleitung

10 000 Euro

Summe Zinsen nach 10 Jahren1

1 896 Jahr

Tilgungs­zuschuss Darlehen Bau (20 Prozent)

24 000 Euro

Tilgungs­zuschuss Darlehen Baubegleitung (50 Prozent)

5 000 Euro

Tilgungs­zuschuss gesamt

29 000 Euro

Steuerrabatt

Steuerbonus Bau 1. Jahr (7 Prozent)

11 200 Euro

Steuerbonus Bau 2. Jahr (7 Prozent)

11 200 Euro

Steuerbonus Bau 3. Jahr (6 Prozent)

9 600 Euro

Steuerbonus Baubegleitung 1. Jahr (50 Prozent)

5 000 Euro

Höchst­möglicher Steuer­abzug 1. Jahr

14 000 Euro*

Steuerbonus gesamt

34 800 Euro*

Stand: 15.11.2022

*Korrigiert am 12.12.2022

1
Soll­zins 0,35 Prozent bei 10 Jahren Lauf­zeit und ­Zins­bindung (Monats­rate 857 Euro).
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84 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 16.12.2022 um 10:33 Uhr
Neuer Rechner kfw

@tillad8: Vielen Dank für Ihren Hinweis auf den neuen Rechner der kfw:
https://public.kfw.de/tilgungsrechner-rest
Die unterschiedliche Höhe bei der Monatsrate liegt in erster Linie an der unterschiedlichen Laufzeit. In unserer Berechnung führt der Tilgungszuschuss zu einer Ratensenkung, im Rechner der KfW zur Verkürzung der Laufzeit.

tillad8 am 15.12.2022 um 09:19 Uhr
EStbonus f. Sanierung; Heft 1/2023; web 06.12.22

Guten Morgen, Noch zu 5. vom 12.12.22:
Ja, mit dem test.de-Tilgungsrechner ergibt sich die Monatsrate von 857, allerdings folgt dieser Rechner nicht der speziellen - und hier relevanten - KfW-Tilgungsroutine (u.a. für KfW-Programm 261). Dort resultiert die Monatsrate mit 1.223. Wir empfehlen, bei künftigen Finanztest-Beispielen die Verwendung des "BEG-Online-Rechners", über dessen Spezifika wir uns austauschen könnten. Lt. KfW funktioniert er zwar mit Google Chrome, nicht jedoch mit Mozilla Firefox.

tillad8 am 13.12.2022 um 16:09 Uhr
EStbonus f. Sanierung;Heft 1/2023; web 06.12.22

Vorschlag vor Korrektur des Beispiels Komplettsanierung:
Die max. 14.000 im ersten Jahr als ESt.-Ermäßigung ("Steuerbonus") benennen, (nicht als Steuerschuld).

Profilbild Stiftung_Warentest am 12.12.2022 um 17:20 Uhr
EStbonus f. Sanierung;Heft 1/2023; web 06.12.22

@tillad8: Vielen Dank für Ihre Anregungen.
Zu Punkt 1 bis 3: Die von Ihnen vorgeschlagenen vertiefenden Berechnungen nehmen wir gern als Anregung an.
Zu Punkt 4.: Sie haben recht: In dem Beispiel Komplettsanierung ist der Steuerbonus zu hoch angesetzt. Im ersten Jahr beträgt die Steuerschuld maximal 14 000 Euro. Wir werden die Rechnung entsprechend korrigieren.
Zu 5: Die Monatsrate von 857 Euro bezieht sich auf ein Darlehen über 130 000 Euro mit
29 000 Euro Tilgungszuschuss mit einer Laufzeit und Zinsbindung von 10 Jahren. Sie können den Tilgungsplan mit unserem Rechner nachvollziehen:
https://www.test.de/Baudarlehen-Kredit-und-Tilgungsrechner-1159351-0/

tillad8 am 12.12.2022 um 10:47 Uhr
EStbonus f. Sanierung;Heft 1/2023; web 06.12.22

Sehr begrüßenswert ist, dass Sie inzwischen diesem Steuerbonus zu seinen berechtigten Ehren verhelfen - vgl. Hinweise von rosy-int2 (08/22) und von hier (9/22).
Mit hiesigem internen Rechner haben wir die Beispiele nachvollzogen und folgende Vorschläge: 1. Vor-/Nachteile darstellen auf Gesamtbasis inkl. Zinsen (anstelle nur Zuschuss vs. Steuerbonus). 2. Eigenkapital benennen; falls ohne: Restfin. mit höherem S-Zins darstellen. 3. Klärung, dass voller Steuerbonus erst ab einem bestimmten zu verst. Einkommen erzielbar ist (u.E. jeweils pro Person bei Splitting- ca. 57.000 bzw. bei Grundtarif ca. 43.000). 4. Beispiel Kpl.-Sanierung u.E. korrekturbedürftig: Steuerbonus gesamt: 34.800 statt 37.000, da im ersten Jahr lt. § 35c nur 14.000 möglich - statt 16.200. 5. Bitte auch prüfen: der für KfW genannten Monatsrate von 857 liegt u.E. eher eine Laufzeit von ca. 15 anstelle von 10 Jahren zugrunde. 6. Web-artikel schwer auffindbar; im Heft O.K. Wir wünschen allen Frohe Weihnachtstage.