Fördermittel

Steuerbonus statt Kredite und Zuschüsse

73
Inhalt

Haus­eigentümer, die ein bestehendes Haus energetisch sanieren, können alternativ zu den Förderkrediten oder Zuschüssen von KfW und Bafa nach Abschluss der Arbeiten beim Finanz­amt einen Steuerbonus beantragen. Das Finanz­amt zieht dann bis zu 20 Prozent der Ausgaben für eine energetische Sanierung von seiner Steuerschuld ab, pro Wohn­einheit aber insgesamt höchs­tens 40 000 Euro.

Steuerermäßigung auf drei Jahre verteilt

Die Steuer­mäßigung gibt es über drei Jahre verteilt: In dem Jahr, in dem die Sanierung abge­schlossen wurde, und im darauf­folgenden Kalender­jahr können Haussanierer jeweils bis zu 7 Prozent der Kosten geltend machen, höchs­tens jeweils 14 000 Euro. Im dritten Jahr erkennt das Finanz­amt noch bis zu 6 Prozent, höchs­tens aber 12 000 Euro an.

Steuer­abzug für Haus­besitzer – das sind die Voraus­setzungen

Den Steuerbonus gibt es nur, wenn das Haus älter als zehn Jahre ist und der Eigentümer selbst darin wohnt. Außerdem darf er für die Maßnahmen nicht bereits anderweitig Steuer­vorteile genutzt oder öffent­liche Förderung kassiert haben.

Steuer­pflichtige können beim Finanz­amt Ausgaben geltend machen für fast alle Maßnahmen, die den Energieverbrauch des Hauses deutlich reduzieren. Abrechnen können sie etwa ihre Ausgaben, wenn sie Dach und Wände dämmen, Fenster und Türen erneuern, eine Lüftungs­anlage einbauen oder die Heizung austauschen oder optimieren.

Keine Förderung für Einbau einer reinen Gasheizung

Für die Arbeiten gelten die gleichen technischen Mindestanforderungen wie für die Fördermittel. So gibt es den Steuer­abzug nicht für den Austausch einer alten Ölhei­zung durch eine moderne Gasbrenn­wert­anlage, sondern nur für folgende Heizungs­anlagen:

  • Solarkollektor­anlagen
  • Biomasseanlagen (Verbrennung von Pellets, Hack­schnitzeln und Scheit­holz)
  • Wärmepumpen (Sole/Wasser, Wasser/Wasser oder Luft/Wasser)
  • Gas-Brenn­wert­heizungen, die auf eine Einbindung erneuer­barer Energien vorbereitet sind („Renewable Ready“)
  • Hybrid­anlagen (Gas-Brenn­wert­heizungen, die zur Heizungs­unterstüt­zung mit einem Wärmeerzeuger mit erneuer­baren Energien kombiniert sind)
  • Brenn­stoff­zellen
  • Mini-Kraft-Wärmekopp­lung
  • Anschluss an ein Wärmenetz

Steuerbonus mit geringem bürokratischem Aufwand

Die steuerliche Förderung gibt es mit geringem bürokratischem Aufwand. Damit das Finanz­amt die Kosten anerkennt, muss lediglich ein Fach­unternehmen die Sanierungs­arbeiten ausführen und bescheinigen, dass es die Arbeiten gemäß den tech­nischen Anforderungen umge­setzt hat.

Eine begleitende Energieberatung, wie sie in vielen anderen Förderprogrammen verlangt wird, ist für die Steuer­förderung keine Voraus­setzung. Ausgaben für einen Energieberater zählen aber zu den förderfähigen Kosten – und zwar nicht (wie andere Ausgaben) zu 20 Prozent, sondern sogar zu 50 Prozent.

Tipp: Bei größeren Sanierungen sind die staatlichen Fördertöpfe attraktiver als der Steuer­abzug. Für Haus­besitzer, die nur einzelne Maßnahmen durch­führen, etwa die Fenster austauschen oder Dach beziehungs­weise Wand dämmen, kann die Steuer­förderung eine unkompliziertere Alternative sein.

73

Mehr zum Thema

  • Wärmepumpe, Pellets, Gas Welche Heizung sich für wen rechnet

    - Viele Heizungen belasten Umwelt und Klima. Der Staat fördert den Raus­schmiss alter Ölhei­zungen. Wir haben drei Heizungs­systeme verglichen und bieten Orientierung.

  • Modernisierungs­kredite im Vergleich Umbau günstig finanzieren

    - Zinsen vergleichen lohnt auch bei kleineren Darlehen wie Modernisierungs­krediten. Unser Vergleich zeigt: Top-Kredite sind rund 5 700 Euro güns­tiger als teure Angebote.

  • Gas sparen So machen Sie sich unabhängiger

    - Wer ein Haus mit Gasheizung hat, muss sich dem Gaspreis nicht ausliefern. Solar­thermie und Dämmung können die Abhängig­keit verringern. Wie stark, haben wir berechnet.

73 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.01.2022 um 10:03 Uhr
Förderstopp

@alle: Unseren Hinweis auf den Förderstopp finden Sie ganz oben im grauen Kasten auf dieser Seite. Sobald Näheres bekannt ist, werden wir an dieser Stelle darüber berichten.

specht77 am 24.01.2022 um 17:20 Uhr
Nicht mehr aktuell!

Achtung, Förderstopp für Gebäude von der KfW ab 24.1. auch für Effizienzhäuser 40. Wird alles überarbeitet, insofern macht es Sinn, auch diese Seite zu überarbeiten.
Viele Grüße

Profilbild Stiftung_Warentest am 12.01.2022 um 16:04 Uhr
Vorhabensbeginn

@behrens_th: Danke für Ihren Hinweis. Wir haben den Satz gestrichen. Sie haben Recht, der Antrag muss gestellt sein, bevor die Bauwilligen einen Liefer- und Leistungsvertrag oder Kauf­vertrag unter­schrieben haben.

behrens_th am 09.01.2022 um 12:51 Uhr
Vorhabensbeginn

Unter "Wichtig" schreiben Sie, dass der Förderantrag vor Beginn der Bauarbeiten gestellt werden muss. Das ist nicht richtig. Der Förderantrag muss bereits vor dem Abschluss von Liefer- und Leistungsverägen abgeschlossen werden. Eine Ausnahme bildet nur eine "einseitig aufhebende Bedingung" im jeweiligen Vertrag oder das Formular zu "dokumentierten Finanzierungsgespräch", wobei letzteres nur bei der Darlehensvariante der BEG Anwendung findet.

Profilbild Stiftung_Warentest am 26.04.2021 um 15:09 Uhr
Feuerstättenschau

@RupertKosto: Bitte entschuldigen Sie die späte Antwort. Sie haben Recht. Die Feuerstättenschau soll tatsächlich idealerweise zweimal innerhalb von sieben Jahren stattfinden. So steht es auch im Schornsteinfeger-Handwerksgesetz §§ 10 und 14. (PH)