Die Reform der Förderung öffentlich finanzierter Weiterbildung nimmt nach langem Warten offenbar Konturen an: Bildungsministerin Annette Schavan hat auf der Grundlage zweier neuer Gutachten eine „Initiative zur Mobilisierung und Finanzierung von Weiterbildung“ ins Leben gerufen. Demnach soll berufliche Weiterbildung künftig mit mehreren Finanzierungsmodellen gefördert werden.

In den beiden Gutachten, die im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstellt worden sind, werden drei konkrete Modelle vorgeschlagen, um unter dem Strich mehr Menschen zur Teilnahme an beruflicher Weiterbildung zu bewegen:

  • Bildungssparen soll attraktiver werden: Dazu wird eine Erweiterung des Vermögensbildungsgesetzes vorgeschlagen, um zukünftig vor Ablauf einer siebenjährigen Ansparfrist Geld für Weiterbildung vom Ersparten abzweigen zu können.
  • Prämien von bis zu 154 Euro sollen Teilnehmern die Finanzierung außerbetrieblicher Weiterbildungen erleichtern
  • Bildungsdarlehen sollen dafür sorgen, dass den Weiterbildungswilligen auch Mittel für teurere Weiterbildungen zur Verfügung stehen

Beteiligung an Weiterbildung soll deutlich steigen

Anlass der Initiative ist, dass Deutschland vergleichsweise wenig Geld in die berufliche Weiterbildung investiert: „Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland schlecht ab, die bundesweite Beteiligung an Weiterbildung ist seit dem Jahr 2000 rückläufig“, sagte Bert Rürup, Wirtschaftsweiser und Verfasser eines der beiden Gutachten. Gerade die Älteren und Geringqualifizierten nutzten, so Rürup, berufliche Weiterbildung zu wenig.

Neu sind diese Einsichten allerdings nicht: Bereits im Jahre 2001 berief die damalige Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) die Expertenkommission „Finanzierung lebenslangen Lernens“. Deren Vorsitzender Dieter Timmermann präsentierte drei Jahre später, im Sommer 2004, das Ergebnis. Nicht das eine allumfassende, sondern viele kleine, für bestimmte Zielgruppen entwickelte Finanzierungsmodelle wiesen den Weg Deutschlands in die Wissensgesellschaft, votierten die seinerzeit beauftragten Bildungsexperten für flexible Lösungen – auch in diesem Konzept fiel bereits das Stichwort Bildungssparen.

Mit ihrer Initiative knüpft Schavan also an die (letztlich im Sande verlaufenen) Bemühungen der rot-grünen Bundesregierung an und will nun „den nötigen Anreiz zur Mobilisierung der Bürgerinnen und Bürger“ und nicht weniger als einen „Mentalitätswechsel“ in der Bevölkerung schaffen. „Ziel ist es, die Beteiligung an beruflicher Weiterbildung deutlich zu erhöhen“, sagte Schavan. Die Bildungsministerin kündigte in einer Pressemitteilung des BMBF an, unverzüglich mit allen Beteiligten über eine Umsetzung der Vorschläge zu beraten.

Stärkere Förderung von Arbeitslosen gefordert

Ob die Vorschläge der Experten eins-zu-eins umgesetzt werden, bleibt indes abzuwarten: So wünscht sich zum Beispiel Dieter Dohmen, Verfasser des zweiten Gutachtens, bessere Förderbedingungen für Arbeitslose und Personen ohne Schulabschluss. Da der Koalitionsvertrag von CDU und SPD aber eine Beteiligung der Teilnehmer an den Kosten für Weiterbildungen vorsehe, sei eine solche Förderung derzeit nicht umsetzbar, so der Leiter des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (Fibs).

Diese Aussage passt zu einer anderen, ebenfalls neu veröffentlichen Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), die die Auswirkungen der Hartz-Reformen unter die Lupe nimmt: Demnach haben sich die Reformen insgesamt zwar positiv auf die Förderung beruflicher Weiterbildung ausgewirkt, kommen aber eher den Bewerbern zugute, die ohnehin vergleichsweise gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben. Der Anteil der Älteren und Langzeitarbeitslosen an den Weiterbildungsteilnehmern insgesamt und auch Förderungen in strukturschwachen Regionen, insbesondere in den Neuen Bundesländern, seien dagegen zurück gegangen, heißt es in der Studie, die vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA), dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und dem Institut für angewandte Sozialwissenschaften (infas) erstellt wurde.

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