Flug­zeugfonds Meldung

Das größte Passagier­flugzeug der Welt, der Airbus A 380, ist Bestand­teil vieler deutscher Flug­zeugfonds. Anlegern, die solche Fonds gezeichnet haben, droht jetzt aber finanzieller Ärger: Sie könnten darunter leiden, dass Flug­unternehmen ihre Leasing­verträge für den A 380 nicht verlängern.

Fonds­anleger als Flug­zeug­besitzer

Die Luft­fahrt­gesell­schaft Singapore Air­lines hat seit dem vergangenen Jahr fünf auslaufende Leasing­vertrage für den Airbus A 380 nicht verlängert. Eigentümer der Maschinen sind Anleger, die bei der Dr. Peters Group und Doric Asset Finance bestimmte geschlossene Flug­zeugfonds gezeichnet haben. Betroffen sind die Dr. Peters Fonds Nr. 129,130 und 131 sowie der Doric Flug­zeugfonds 3.

Superjet für viele Stre­cken zu groß

Laut der Dr. Peters Group investierten die Flug­zeugfonds „in erst­klassige, moderne und markt­gängige Flugzeuge“, die nach Ablauf der Leasing­verträge „eine hohe Wahr­scheinlich­keit für rentable Anschluss­leasing­verträge oder vergleichs­weise hohe Verkaufs­erträge in Aussicht stellen“. Ob das aktuell auch für Flugzeuge des Typs Airbus A 380 gilt, ist allerdings zweifelhaft. Die Euphorie bei Einführung des Superjets ist längst verflogen. Der Airbus-Konzern hat die Produktion des A 380 in den vergangenen Jahren immer weiter gedrosselt, die Maschinen gelten für viele Stre­cken als zu groß.

Vermieten, verkaufen oder zerlegen

Was mit den Maschinen ohne Leasingnehmer passieren wird, ist ungewiss. Die Dr. Peters Group sieht drei Möglich­keiten für die Weiterverwendung der Flugzeuge. Priorität hat der Abschluss neuer Leasing­verträge. Falls das nicht klappen sollte, käme auch ein Verkauf infrage. Eine weitere Option ist die Zerlegung der Maschinen mit anschließendem Verkauf besonders begehrter Einzel­teile. Da sich die Fonds­gesell­schaft aktuell in Verhand­lungen befindet, will sie sich zu Details nicht äußern. Die Anleger wurden nach Aussage der Dr. Peters Group früh­zeitig über wahr­scheinlich auslaufende Leasing­verträge informiert.

Rendite­prognose mit Fragezeichen

Bleibt die Frage, ob die Fonds am Ende die in Aussicht gestellten Renditen schaffen können. Wie schwer das wird, zeigt die Situation des Dr. Peters Fonds 129. Die Planer des Fonds hatten ursprüng­lich zehn Jahre Grund­miet­zeit und zwei Miet­verlängerungen unterstellt. Über 18 Jahre Lauf­zeit sollten so aus 105 Prozent Einzahlung (inklusive 5 Prozent Agio) insgesamt 222 Prozent werden. Bisher sind allerdings erst 60,25 Prozent Ausschüttung bezahlt worden. Das entspricht dem Plan, da anfäng­lich erhebliche Teile der Leasingraten in die Tilgung der Bank­kredite flossen. Mit der Anschluss­vermietung sollten die Ausschüttungen aber auf acht Prozent und später sogar auf 15 Prozent steigen. Zusammen mit dem geplanten Verkaufs­erlös von knapp 60 Prozent der Zeichnungs­summe hätte sich eine Rendite von rund 6,5 Prozent vor Steuern ergeben. Im aktuellen Umfeld erscheint das eher unrealistisch, zumal per 30. Juni 2017 vom Fonds noch 41,5 Millionen US-Dollar Bank­kredit bevor­rechtigt zu bedienen sind. Im Falle eines Verkaufs oder einer Zerlegung des Riesen­jets sind deshalb sogar Kapital­verluste für die Anleger möglich. Aktuell befinden sich die Markt­werte für gebrauchte Airbus-A-380-Flugzeuge laut dem Gutachter­unternehmen Ascend im Sink­flug: Im Januar 2017 lag das Minus gegen­über dem Vorjahres­quartal bei 7 bis 14 Prozent.

Anleger haben rund 1,4 Milliarden Euro investiert

Sollten auch andere Fluggesell­schaften ihre Leasing­verträge für den Airbus A 380 nicht verlängern, wären viele Anleger von möglichen finanziellen Problemen betroffen: Insgesamt wurden von rund 50 000 Anlegern um die 1,4 Milliarden Euro in Flug­zeugfonds gesteckt, die den Supervogel enthalten. Insgesamt 21 Maschinen dieses Typs wurden nach Recherchen der Stiftung Warentest durch in Deutsch­land aufgelegte Fonds finanziert. Unsere Tabelle Flugzeugfonds mit Airbus A 380 zeigt Ihnen die wesentlichen Kenn­zahlen der betroffenen Fonds. Nutzer der Flugzeuge sind Singapore Air­lines (neun Flugzeuge), Emirates (sieben Flugzeuge) und Air France (fünf Flugzeuge), die jeweils für meist zehn Jahre feste Leasing­verträge (Grund­lauf­zeit) unterzeichneten. Konzipiert wurden die Fonds von den Emissions­häusern Dr. Peters, Doric, Hansa Treu­hand, Hannover Leasing, Wealth­Cap und Lloyd Fonds.

Verjährungs­frist bald erreicht

Betroffene Anleger können derzeit nur hoffen, dass ihnen eine Bruch­landung erspart bleibt. Unternehmerische Beteiligungen sind generell riskant. Sollten sie allerdings als sichere Kapital­anlage ohne Hinweis auf die Risiken verkauft worden sein, könnte eine Falsch­beratung vorliegen. Auch muss ein Bank­berater offenlegen, welche Provision die Bank für den Vertrags­abschluss kassiert. Die Frist, um Ansprüche geltend zu machen, beträgt zehn Jahre nach dem Beitritt zum Fonds. Für die ersten Anleger ist sie schon bald erreicht. Die Verjährungs­frist gilt auch, falls Anleger zum Beispiel Hinweise darauf haben, dass Fonds­ver­antwort­liche ihnen Schaden zugefügt haben und sie gegen diese vorgehen wollen.

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