Flugverspätungen wegen Lufthansa-Streik Meldung

Die Lufthansa-Piloten streiken, und die meisten Jets bleiben am Boden. Die Fluggesellschaft versucht, Ihren Fluggästen mit Umbuchungen und Bahntickets weiterzuhelfen. Entschädigungen will sie nicht zahlen. Manche Juristen meinen: Das muss sie aber.

Anspruch auf bis zu 600 Euro

So regelt es die Fluggastrechte-Verordnung der EU: Passagiere sind nicht nur zu verpflegen und bei Verzögerung über Nacht im Hotel unterzubringen, wenn der Flieger nicht wie geplant startet. Sie haben auch Anspruch auf Entschädigung. Bei Flügen bis 1 500 Kilometer gibts 250 Euro, bis 3 500 Kilometer 400 Euro und für längere Strecken 600 Euro. Die Entschädigung ist auf jeden Fall fällig, wenn der Flug komplett ausfällt. Nach einem aktuellen EuGH-Urteil steht fest: Auch bei großer Verspätung müssen die Airlines zahlen. Ausnahme: Die Fluggesellschaft kann außergewöhnliche Umstände nachweisen, auf die sie beim besten Willen nicht in der Lage war sich einzustellen.

Streitfall Streik

Als Beispiel für solche außergewöhnliche Umstände nennt die EU-Verordnung unter anderem: Streik. Klarer Fall: Wenn die Fluglotsen am Start- oder Ziel-Flughafen streiken, sind Fluggesellschaften aus dem Schneider. Beim Streik der eigenen Piloten einer Fluggesellschaft allerdings sind die Juristen unterschiedlicher Auffassung. Die Lufthansa selbst meint: Der Streik der Pilotenvereinigung Cockpit war nicht zu verhindern. Sie will deshalb keine Entschädigung zahlen. EUclaim Deutschland, die für Passagiere das Inkasso berechtigter Entschädigungsforderungen übernimmt, sieht es genau so. „Wir meinen: Die Lufthansa hat genug getan, um den Streik zu verhindern“, sagte Unternehmenssprecherin Susanne Smits gegenüber test.de. Die Lufthansa habe ja sogar noch das Bundesverkehrsministerium eingeschaltet.

Schlechte Chancen vor Gericht

test.de-Rechtsexperte Christoph Herrmann ist anderer Meinung: Ausreichend Flugpersonal zu stellen, sei Sache der Fluggesellschaften. Die Lufthansa habe es in der Hand, den Tarifkonflikt mit der Pilotenvereinigung Cockpit beizulegen oder Vorkehrungen zu treffen, um die Kunden trotz des Streiks ans Ziel zu bringen. Allenfalls bei einem rechtswidrigen wilden Streik dürfe die Entschädigung für Fluggäste entfallen. Auch Kerstin Hoppe, für Fluggastrechte zuständige Referentin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), sieht eigentlich die Fluggesellschaften in der Pflicht. Allerdings: Die meisten Reiserechtler werten auch den Streik eigenen Personals als Umstand, der zur Verweigerung der Entschädigung berechtigt. Die Chance, vor Gericht Entschädigungen durchzusetzen, stehen daher aus Sicht der Verbraucherschützerin schlecht.

Pauschalreisende im Vorteil

Erstaunlich: Bei Pauschalreisen siehts auf jeden Fall anders aus. Dann gilt nicht die Fluggastrechte-Verordnung, sondern das Reiserecht und haben Reisende auch beim Streik von Personal der Fluggesellschaft Anspruch auf Entschädigung. Allerdings ist die Höhe der Entschädigung vom Reisepreis abhängig und fällt meist geringer aus als die nach Fluggastrechteverordnung fälligen Sätze.

Infos zum Streik

Die Lufthansa informiert hier:
Aktuelle Informationen zum Pilotenstreik und den Folgen
und liefert
Antworten zu Fragen von Betroffenen.
Die Hotlines der Fluggesellschaft sind zahlreichen Berichten in Blogs und Foren zu Folge derzeit überlastet und kaum zu erreichen.

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