Flugstorno 1 000 Euro aus Kulanz

17.11.2015
Flugstorno - 1 000 Euro aus Kulanz
Mit viel Hartnä­ckig­keit haben Jutta und Ernst Viehweger aus Berlin 1 000 Euro zurück­geholt. © Stiftung Warentest / R. H. Lox

Zweimal im Jahr flogen Jutta und Ernst Viehweger nach Texas: Ferien machen auf einer kleinen Farm. Doch diesmal erlitt der Rentner zwei Tage vor Abflug einen Schlag­anfall. Seine Frau musste ihn versorgen.

Sofort stornierte sein Sohn die Air-Berlin-Tickets bei der Internetplatt­form Eboo­kers, wo das Ehepaar sie gebucht hatte. Auf die Frage, ob von den 1 351 Euro etwas erstattet werde, hieß es: „Rund 100 Euro.“ Der Finanztest-Leser stöberte im Internet unter test.de und fand unsere Meldung über das Grund­satz­urteil des Land­gerichts Frank­furt am Main: Bleibt der Sitz leer, müssen Flug­linien einge­sparte Kosten wie Steuern und Gebühren erstatten. Legen sie darüber keine Abrechnung vor, kann der Kunde sogar den vollen Preis zurück­verlangen (Az. 2–24 S 152/13).

Doch Air Berlin lehnte ab: Bei dem gebuchten Tarif gebe es nach Storno keine Erstattung. Man biete auch Tarife mit Erstattung an. Viehweger beauftragte einen Rechts­anwalt. 14 Tage vor dem Gerichts­termin schlug die Flug­linie einen Vergleich vor – der reichte dem Ehepaar nicht. Dann erhöhte Air Berlin auf 1 000 Euro plus Anwalts­kosten. Das nahmen Viehwegers an.

Einen Prozess wollten sie nicht riskieren. Das Frank­furter Urteil ist zwar eindeutig. Aber eine höchst­richterliche Entscheidung fehlt noch. Die Fluggesell­schaft sieht den Fall anders: „Air Berlin hat sich ausnahms­weise entschieden  aufgrund der nicht vorhersehbaren gesundheitlichen Probleme den Rechts­streit zu beenden“, teilte sie uns mit: „aus Kulanz“.

17.11.2015
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