Muss ein Reisender zu lange am Check-in warten, sollte er dem Personal Bescheid geben.

Wer in einer Schlange beim Check-in fest­steckt, sollte sich recht­zeitig bemerk­bar machen. Sonst verliert er Rechte. test.de über ein bemerkens­wertes Urteil des Amts­gerichts Düssel­dorf.

1 000 Euro für einen Ersatz­flug

Brav in der Schlange anstellen, ist nicht immer eine gute Lösung. In einem vor Kurzem bekannt gewordenen Urteil des Amts­gerichts Düssel­dorf hatte ein Flug­gast nach eigenen Angaben nahezu zwei Stunden in einer Schlange auf den Check-in für seinen Flug gewartet. Um 14 Uhr 20 sollte sein Flug von Düssel­dorf nach Antalya abheben. Um 14 Uhr 15 erreichte er den Schalter. Die Fluggesell­schaft weigerte sich, den Passagier noch mitzunehmen.

Passagier muss aktiv werden

Die Sache landete vor Gericht. Dort forderte der Reisende rund 1 000 Euro, die ihn der Ersatz­flug nach Antalya gekostet hatte. Weil er aber nicht beweisen konnte, sich recht­zeitig in der Abfertigungs­halle angestellt zu haben, verlor er den Prozess (Az. 42 C 9584/14). Grund­sätzlich sagt das Gericht zu Warte­schlangen beim Check-in: Flug­gäste müssen aktiv werden, wenn sie absehen können, dass sie bei weiterem Anstehen den Flug verpassen. „Aktiv werden“ heißt: Sie müssen beim Personal nach­fragen, ob sie bevor­zugt abge­fertigt werden können.

Air­line muss Reisende aufrufen

Etwas anders sah es das Amts­gericht Berlin-Charlottenburg im Jahr 2009. Fluggesell­schaften sind nach dessen Ansicht verpflichtet, noch nicht abge­fertigte Kunden vor dem Annahme­schluss namentlich auszurufen. Da die Air­line dies nicht getan hatte, musste sie in dem damaligen Berliner Fall einem Passagier, der wegen einer Warte­schlange zu spät am Schalter war, einen Teil der Kosten des Ersatz­fluges erstatten. Weil er aber brav gewartet hatte, ohne auf seine Zeitnot hinzuweisen, kürzte das Gericht seinen Anspruch um ein Drittel wegen Mitverschuldens (Az. 226 C 331/08).

Tipp: Bei der Flug­buchung bekommen Sie eine Zeit genannt, zu der Sie am Flughafen sein sollen. Sind Sie zwar recht­zeitig da, aber könnte es wegen langer Warte­schlangen mit dem Einchecken knapp werden, sollten Sie die Namen von Zeugen notieren, die bestätigen können, dass Sie sich recht­zeitig angestellt haben. Machen Sie Personal auf Ihre Zeitnot aufmerk­sam, wenn Sie fürchten, nicht recht­zeitig am Check-in-Schalter anzu­kommen.

Wichtig: Früh­zeitig zum Einstieg („Boarding“)

Boarding. Auch Flug­gäste, die erst kurz vor der Abflug­zeit am Flugsteig („Gate“) erscheinen, verlieren möglicher­weise Rechte. Diese Erfahrung machte jüngst ein Paar, das von Frank­furt am Main nach Hanoi fliegen wollte und erst 15 Minuten vor Abflug am Gate erschienen war. Die Air­line erklärte, dass der Einstieg („Boarding“) bereits abge­schlossen sei und nahm das Paar nicht mit. Das Paar musste für Ersatz­flüge insgesamt rund 2 000 Euro bezahlen. Vor dem Amts­gericht Frank­furt verlangten sie vom Reise­ver­anstalter Erstattung. Ihr Argument: Auf ihrem Ticket stand der Boarding-Schluss nicht. Beim Check-In habe man ihnen auch nicht mündlich gesagt, wann der Einstieg beendet sei. Außerdem sei ihr Name vor Boarding-Schluss auch nicht ausgerufen worden. Das Gericht wies ihre Klage dennoch ab: Da sie flug­erfahren seien, habe ihnen klar sein müssen, dass sie nicht erst kurz vor Abflug am Gate sein dürfen, so das Gericht. Im Zweifel hätten sie sich selbst erkundigen müssen (Az. 32 C 1560/18 (88)).

Tipp. Manche Air­lines beenden bereits 30 Minuten vor Abflug den Einstieg. Sie sind meist auf der sicheren Seite, wenn sie 45 Minuten vor Abflug am Gate sind. Lässt die Air­line Sie wegen Über­buchung stehen, obwohl Sie recht­zeitig zum Boarding am Abfluggate waren, haben Sie Anspruch auf bis zu 600 Euro Ausgleichs­zahlung von der Air­line (Fluggastrechte - Der Weg zur Entschädigung).

Diese Meldung ist erst­mals am 6. Juni 2016 auf test.de erschienen. Sie wurde am 8. Juli 2019 aktualisiert.

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