Flug­gast­rechte Meldung

Reisende können bei der Annullierung ihres Auslands­fluges zusätzlich Geld für „immaterielle Schäden“ von der Air­line einfordern. Das hat der Europäische Gerichts­hof entschieden. Die Passagiere bekommen außerdem Kosten für Trans­port, Unterkunft und Kommunikation ersetzt.

Bis zu 4 750 Euro pro Person

Bei kurz­fristigen Annullierungen interna­tionaler Flüge müssen Air­lines Reisenden nicht nur die Flugti­ckets erstatten und alternative Trans­porte bezahlen. Laut Urteil des Europäische Gerichts­hof (EuGH) steht Passagieren auch ein weitergehender Schaden­ersatz als „indivi­dualisierte Wieder­gutmachung“ von bis zu rund 4 750 Euro* zu.

Kehrt der Flieger um, ist der Flug annulliert

Der EuGH legte den Begriff „Annullierung“ über­dies weit aus. Danach liegt diese auch vor, wenn ein Flugzeug gestartet ist aber anschließend „aus welchen Gründen auch immer zum Ausgangs­flughafen zurück­kehren musste“ und die Air­line Passagiere auf andere Flüge umge­bucht hat. Dass ein Reisender am Folgetag sein Ziel erreicht, ändere nichts daran, dass sein ursprüng­lich geplanter Flug als „annulliert“ einzustufen sei.

Spanische Passagiere bekommen Schaden­ersatz

Im aktuellen Fall war ein Air-France-Flieger von Paris nach Spanien unterwegs und kurz nach dem Start wegen tech­nischer Probleme auf den Pariser Flughafen Charles de Gaulle zurück­gekehrt. Air France hatte die Reisenden am nächsten Tag auf andere Flüge umge­bucht. Zwei spanische Familien und ein Einzel­reisender haben nun vor dem EuGH Recht bekommen. Sie mussten mit dem Taxi weiterreisen. Neben allen Auslagen erhalten die Familien pro Kopf 650 Euro als Ersatz des „immateriellen Schadens“. Einer Familie muss die französische Fluggesell­schaft zusätzlich die Kosten für das am Flughafen einge­nommene Essen und für einen zusätzlichen Tag Hundepension für den Hund zahlen. Die Gesell­schaft muss dem Einzel­reisenden 300 Euro ersetzen.
Tipp: Wie Flug­gäste an ihr Geld kommen, wenn die Gesell­schaft nicht zahlen will, erfahren Sie in Flugstorno.

Europäischer Gerichts­hof, Urteil vom 13. Oktober 2011
Aktenzeichen: C-83/10

* Das am 28. Mai 1999 geschlossene Über­einkommen von Mont­real zum interna­tionalen Luft­verkehr legt als Entschädigungs-Währung das vom Interna­tionalen Währungs­fonds (IWF) einge­führte Sonderziehungs­recht fest. Diese Beträge sind in Landes­währung umzu­rechnen. Am 13. Oktober 2011 entsprachen 4 150 Sonderziehungs­rechte einem Betrag von etwa 4 755 Euro.

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