Gepäck­verspätung: Was Flugreisenden zusteht

Kommt das Gepäck zu spät an, dürfen Reisende auf fremde Kosten Notwendiges neu kaufen. Wie viel dürfen sie ausgeben?

Kosten müssen im Rahmen bleiben

Drei Tage zu spät traf das Gepäck einer Urlauberin im Hotel ein, die eine Woche Spanien gebucht hatte. Um nicht tage­lang mit denselben Sachen herum­zulaufen, kleidete sie sich neu ein. Sie kaufte Blusen, Hosen, Schuhe und Kosmetik. Das kostete 465 Euro – zu viel, fand das Amts­gericht Köln. Zwar dürfen Urlauber auf Kosten des Reise­ver­anstalters neue Sachen kaufen, aber sie müssen den Schaden in Grenzen halten. Das heißt: Er muss nur ersetzen, was plausibel und angemessen ist. Ein einfacher Bade­anzug ist okay, nicht aber teure Marken­artikel. Einige Air­lines bieten ein Notpaket mit Wäsche an.

Reise­preis mindern

Im Kölner Fall hielt das Gericht 150 Euro Entschädigung für ausreichend (Az. 142 C 392/ 14). Das entspricht etwa dem, was auch andere Gerichte meinen. Der Urlauber kann zusätzlich mit einer Minderung des Reise­preises rechnen – oft 15 bis 30 Prozent des Tages­preises. Im Kölner Fall kostete die einwöchige Reise 893 Euro – also 127,57 Euro pro Tag. Das Gericht entschied auf 15 Prozent Minderung, also 19,14 Euro pro Tag. Für drei Tage ohne Koffer bekam die Frau also 57,42 Euro, zusätzlich zu den 150 Euro für Ersatz­käufe.

Mit Bring­service

Meist tauchen Koffer, die nach Umstei­geflügen fehlgeleitet wurden, nach wenigen Tagen wieder auf. Der Reise­ver­anstalter oder die Flug­linie müssen sie kostenlos ins Hotel bringen. Bleibt das Gepäck verschwunden, haften sie im Regelfall mit maximal gut 1 400 Euro pro Passagier. Urlauber müssen belegen, welchen Wert der Koffer­inhalt hatte. Bargeld, Schmuck und Dokumente sollten Reisende vorsichts­halber im Hand­gepäck mitnehmen.

Tipp: Kommt der Koffer nicht an, sollten Sie es sofort im Flughafen am Lost-and-Found-Schalter melden. Informieren Sie auch unver­züglich den Reise­ver­anstalter – am besten vor Zeugen. Der Reiseleiter sollte das schriftlich bestätigen. Ist er nicht erreich­bar, informiert man den Veranstalter in Deutsch­land per Mail oder Telefon, ebenfalls unter Zeugen. Das Hotel ist nicht zuständig.

Dieser Artikel ist hilfreich. 304 Nutzer finden das hilfreich.