Flug­buchung stornieren So gibts den Flugpreis zurück

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Flug­buchung stornieren - So gibts den Flugpreis zurück
Flug­gast­dienste wie Fairplane und Flight­right helfen bei Storno­ärger – gegen Erfolgs­honorar. © imago

Kunden, die ihren Flug stornieren, dürfen meist mit mehr rechnen, als nur der Erstattung von Steuern und Flughafen­gebühren. Das zeigt der Fall eines Reisenden, der seinen Flug mit der Linie El Al storniert hatte. Ihm sprach ein Gericht den fast voll­ständigen Reise­preis zu.

Flug­linie El Al zur Rück­zahlung verurteilt

Erneut hat ein Gericht für einen Flug­gast entschieden, der seine Buchung storniert hat – in diesem Fall zwei Wochen vor Abflug. Der Mann bekommt fast den gesamten Ticket­preis zurück. Er hatte für das Ticket von Frank­furt am Main nach Tel Aviv rund 440 Euro an die Air­line El Al gezahlt, 93 Euro davon entfielen auf Steuern und Flughafen­gebühren. Die 93 Euro erstattete El Al nach der Stornierung freiwil­lig. Wegen der restlichen 347 Euro klagte der Kunde. Das Amts­gericht Frank­furt am Main sprach ihm 330 Euro zu. 17 Euro behält El Al (Az. 32 C 4707/14 [84]).

Diesen Fehler machen die Flug­linien

Muss ein Flug­gast vor Abflug stornieren oder schafft er es am Flugtag nicht, recht­zeitig zu erscheinen, zahlen die Fluggesell­schaften freiwil­lig meist nur die Steuern und Gebühren zurück. Oft muss die Air­line aber auch Teile des restlichen Flugpreises erstatten. Sie muss genau abrechnen, etwa darüber, welche Kosten für Kerosin und Verpflegung sie dadurch spart, dass ein Kunde nicht mitfliegt. „Ich habe es aber noch nie erlebt, dass eine Fluggesell­schaft eine solche Abrechnung vorgelegt hat“, sagt der Reise­rechts­experte Holger Hopperdietzel aus Wiesbaden. Die Folge für die Flug­linie: Sie muss dem Kunden mindestens 95 Prozent des Reise­preises zurück­zahlen.

Firmen wie Fairplane und Flight­right helfen

Flug­gäste, die sich nicht selbst mit der Air­line um die Höhe der Erstattung streiten wollen, können neuerdings Flug­gast­dienste wie Fairplane und Flight­right die Arbeit machen lassen zum Special Fluggasthelfer. Im Gegen­zug bekommen die Dienste einen Teil des erstrittenen Geldes. Sie fordern für den Flug­gast die Erstattung des Reise­preises – notfalls sogar vor Gericht. Sind sie erfolg­reich, zahlt der Kunde eine Erfolgs­provision. Bei Flight­right sind es 29,75 Prozent des erstatteten Reise­preises, bei Fairplane bis zu 36 Prozent. Haben die Dienste keinen Erfolg, zahlt der Kunde nichts.

Tipp: Mit einer Rechts­schutz­versicherung können Sie sich wehren, ohne im Erfolgs­fall etwas zu zahlen zum Test von Rechtsschutzversicherungen.

Schlichtung selten möglich

Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr kann Flug­gästen nur in Einzel­fällen helfen. Gesell­schaften wie Air Berlin verweigern sich einer Schlichtung in Stornofragen ganz. Luft­hansa und Germanwings wollen von Fall zu Fall entscheiden, ob sie bei der Schlichtung mitmachen.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 25.04.2016 um 12:32 Uhr
Opodo

@Peff: Diese Gebühren (und ihre Höhe) sind rechtlich umstritten. Über die Stornoportale von Fairplane und Flightright etwa können Sie versuchen, Ihren Ticketpreis UND die Gebühren zurückzuerhalten. Link:
https://www.ticketrefund.de/ (Fairplane)
https://www.flightright.de/flugticket-erstattung/ (Flightright)
Sollten Sie eins der Portale in Anspruch nehmen, würden wir uns über eine Rückmeldung über Ihre Erfahrungen freuen (finanztest@stiftung-warentest.de). (TK)

Peff am 18.04.2016 um 19:33 Uhr
Opodo

Was macht man denn, wenn man über ein Portal (Opodo) gebucht hat und die Gebühren verlangen, die die angebliche Erstattung übersteigen?

RustyQ am 11.05.2015 um 22:10 Uhr
Fairplane Antwort

Hallo Fairplane Team, ich stehe in Kontakt mit Euch. Ihr könnt ja nichts dafür. Ich wollte drauf hinweisen dass man alleine gegen Windmühlen kämpft. Mit Eurer Hilfe wird einem wenigstens das finanzielle Risiko genommen. Kritik übe ich daran dass Fluggesellschaften sich so einfach über die Rechtsprechung hinwegsetzen können. Armes Europa. Mit TTIP wird es wohl noch schlimmer werden für uns einfache Verbraucher. Aber erst mal danke Fairplane für eure Hilfe. Mir bleibt nur abwarten was passiert.

reiserechtsexperte am 11.05.2015 um 20:18 Uhr
Aller Anfang ist schwer!

Das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt ist genauso wie die vorausgegangenen Urteile (insbesondere die Entscheidung des LG Frankfurt vom 6. Juni 2014) bestenfalls als Anfang einer sich hoffentlich etablierenden Rechtsprechung zu den Stornokosten zu betrachten.
Die Fluggesellschaften wehren sich mehr und mehr gegen die Verpflichtung zur Rückerstattung von Ticketentgelten und somit kann derzeit nicht mehr davon gesprochen werden, dass der Stornierung automatisch die Verpflichtung zur Rückerstattung des Ticketpreises folgt. Vielmehr muss ein Fluggast bzw. sein anwaltlicher Vertreter sehr genau vortragen, woraus er die Verpflichtung zur Rückforderung ableitet. Zudem spielen die jeweiligen Konstellationen im Zusammenhang mit der Buchung (Buchung unmittelbar auf der Internetpräsenz der Fluggesellschaft, Buchung über Vermittler, wirksame Einbeziehung der Tarifbestimmungen) eine ganz entscheidende Rolle. Nur wer sich hier hervorragend auskennt, kann gegen die Airline-Juristen bestehen.

Fairplane am 17.04.2015 um 12:40 Uhr
Antwort zu Langer Atem erforderlich

Lieber RustyQ, leider kommt es vor, das die Fluglinie trotz positiven Gerichtsurteil keine Zahlung tätigt. Selbstverständlich werden wir am Ball bleiben bis Du Deine Zahlung erhalten hast. Natürlich sind wir von Fairplane sehr bemüht für jeden Kunden das beste Service zu bieten. Gerne werden wir in Deinem Fall den Verlauf prüfen und weitere Schritte setzen. Wir ersuchen Dich, direkt an office@fairplane.net ein kurzes E-Mail mit Deiner Fairplane ID Nummer zu senden. Wir melden uns dann sofort zurück. Dein Fairplane Team