Flug­ausfälle Delta Air Lines Nicht mit Gutscheinen abspeisen lassen

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Flug­ausfälle Delta Air Lines - Nicht mit Gutscheinen abspeisen lassen

Anfang der vergangenen Woche ging es im welt­weiten Flug­verkehr drunter und drüber. Wegen eines Strom­ausfalls stürzten die Computer­systeme der amerikanischen Fluggesell­schaft Delta Air Lines ab. Die Panne sorgte für hunderte Flug­ausfälle, Verspätungen und lange Schlangen an den Check-in-Schaltern. Davon betroffene Passagiere sollen nun Flug­gutscheine von Delta erhalten. test.de empfiehlt, diese abzu­lehnen.

System­ausfall legt zweitgrößte Air­line lahm

Das US-Flug­unternehmen Delta Air Lines ist die zweitgrößte Fluggesell­schaft der Welt. Sie bietet täglich etwa 5 000 Flüge an. Vom Dreh­kreuz Atlanta und Flughäfen in New York und Detroit bedient Delta Air Lines auch viele europäische Ziele. Ihre Flugzeuge fliegen in Deutsch­land unter anderem Frank­furt am Main, München und Düssel­dorf an.* Die Computerpanne in der vergangenen Woche führte zu vielen Ausfällen und Verspätungen von Flügen der Delta Air Lines. Auch Verbindungen von Deutsch­land in die USA waren betroffen.

Delta Air Lines verspricht Wieder­gutmachung

Nachdem sich der Flug­verkehr normalisiert hatte, stellte Delta Air Lines Flug­gutscheine in Höhe von 200 US-Dollar (umge­rechnet circa 180 Euro) für betroffene Passagiere in Aussicht. Alle Kunden, deren Flüge zwischen dem 8. und 10. August 2016 um mehr als drei Stunden verspätet waren oder gestrichen wurden, sollen die Gutscheine per E-Mail erhalten. Passagiere, die ihre E-Mail­adresse bei Delta Air Lines nicht angegeben haben, sollen sich an den Kunden­service wenden.

Kunden können finanziellen Ausgleich fordern

Betroffene Passagiere sollten sich aber nicht ohne weiteres mit den Gutscheinen der Fluggesell­schaft abspeisen lassen. Im Zweifel sollten sie ihn sogar besser ablehnen. Die EU-Flug­gast­rechte­ver­ordnung gibt ihnen mehr Rechte. Passagiere können in bestimmten Fällen finanziellen Ausgleich für Verspätung oder Annullierung von der Fluggesell­schaft verlangen. Für Verbindungen ab einem europäischen Flughafen gilt:

  • Entschädigung. Verspätet sich ein Flug um drei Stunden und mehr am Endziel oder wird er sogar gestrichen, haben Passagiere nach der EU-Flug­gast­rechte­ver­ordnung Anspruch auf finanzielle Entschädigung für die verlorene Zeit.
  • Flug­distanz. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach der Flug­distanz. Je nach Stre­ckenlänge beträgt sie 250 bis 600 Euro pro Person. Bei einer Flug­strecke von über 3 500 Kilo­meter kann die Entschädigung bis zu 600 Euro betragen. Beispiel: Die von Delta Air Lines bediente Strecke zwischen Frank­furt und New York beträgt fast 6 200 Kilo­meter.
  • Gutschein. Nach der EU-Flug­gast­rechte­ver­ordnung kann eine Fluggesell­schaft zwar die den betroffenen Passagieren zustehenden Ansprüche auch mit Reise­gutscheinen begleichen, doch braucht sie dafür die schriftliche Einverständnis­erklärung des Flug­gastes. Gibt es diese Erklärung nicht, muss die Flug­linie in Geld entschädigen.

Tipp: Wie Sie Ihren Anspruch auf Entschädigung geltend machen, lesen Sie in unserem Special zu Fluggastrechten.

* Satz korrigiert am 17.08.2016

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Michael am 16.08.2016 um 17:12 Uhr
Keine Gefangenen machen

Mein Ratschlag aus eigener Erfahrung: Sich nicht beirren lassen und selber den Takt vorgeben.
Nicht mit Callcentern oder E-mails an den Kundenservice aufhalten, die sind auf abwimmeln und zermürben trainiert, sondern direkt Zahlungsaufforderung mit Forderungshöhe und Fristsetzung (wichtig!) per Einschreiben und Rückschein.
Nach Ablauf der Frist eine Mahnung mit erneuter Frist und Hinweis auf Einschaltung eines Anwaltes. Normalerweise bekommt man keine Antwort oder nur generische Ausreden, dann ohne selber zu Antworten selber zum Anwalt gehen.
Man kann zum Beispiel nach Anwälten suchen, die Fluglinien auf der Gegnerliste haben, die kennen das Thema gut.
In meinen Fällen wurde seitens der Fluglinie der Klage noch widersprochen, und jeweils am Tag vor der Verhandlung der Einspruch zurückgezogen und gezahlt.