Flug­änderung Special

Wird ein Flug verlegt, ist der Reise­ver­anstalter verpflichtet, seine Kunden darüber zu informieren.

„Hilfe, unser Flug nach Ägypten wurde verschoben. Statt um 9 Uhr 40 fliegen wir erst um 19 Uhr 50. Außerdem wurde unser Flughafen geändert. Statt von Berlin fliegen wir nun von Dresden ab. Was nun?“ Hilferufe dieser Art gibt es in Reiseforen vor Beginn der Urlaubs­zeit zuhauf. Es ist zur Unsitte geworden, dass Veranstalter Flug­zeiten oder Flughäfen nach­träglich ändern. Finanztest sagt, welche Rechte Reisende haben – und welche besonderen Regeln für Pauschal­reisen gelten.

Welche Reise­änderungen sind hinzunehmen?

Seit Juli 2018 gilt ein neues Reiserecht. Veranstalter können nun den Reise­ablauf noch nach der Reise­buchung einseitig verändern, wenn sich im Klein­gedruckten des Reise­vertrages ein sogenannter Änderungs­vorbehalt befindet und die Veränderung „unerheblich“ ist. Was erheblich wäre, sagt das Gesetz jedoch nicht. In jedem Klagefall werden das die Gerichte künftig einzeln fest­legen müssen. Eine Reise­rechts­expertin des ADAC sagt: „Womöglich orientieren sich die Gerichte an der alten Rechts­lage.“ Bisher galt für Flug­zeit­verschiebungen zum Beispiel die grobe Faust­regel: Eine Verlegung um bis zu vier Stunden müssen Kunden als Unannehmlich­keit ersatz­los hinnehmen (etwa Land­gericht Frank­furt, Az. 1-24 S 181/06).

Erhebliche Flug­zeit­änderungen

Ab der fünften Stunde stellt die Flug­zeit­änderung nach der alten Rechts­lage einen Reise­mangel dar. Er berechtigt die Kunden, den Reise­preis zu mindern. Da Urlauber zum Zeit­punkt der Flug­verschiebung oftmals schon den gesamten Reise­preis an den Veranstalter über­wiesen haben, haben sie also Anspruch auf eine Erstattung. Ab der fünften Stunde gibt es je ange­fangene Stunde einen Nach­lass von 5 Prozent auf den Tages­reise­preis.

Beispiel: Kostet eine 14-tägige Reise 1 400 Euro und verschiebt sich der Abflug um 10 Stunden, beträgt der Nach­lass 30 Euro.

Einige Gerichte waren in der Vergangenheit allerdings strenger und haben sogar Verschiebungen um mehr als vier Stunden inner­halb des Anreis­etages als zumut­bar betrachtet.

Wichtig für Kunden: In jedem Fall muss der Reise­ver­anstalter sie darüber informieren – zum Beispiel per E-Mail oder Brief –, dass der Flug verlegt wird.

Unser Rat

Geld vom Veranstalter. Bei Flug­verlegungen gilt die grobe Faust­regel: Bis zu vier Stunden müssen Sie hinnehmen. Bei größeren Verschiebungen oder einem Wechsel des Flughafens kann der Veranstalter Sie mit einer Frist vor die Wahl setzen: kostenfrei zurück­treten oder Änderung akzeptieren. Ihr Schweigen gilt als Zustimmung zur Änderung. Wenn Sie die Verschiebung hinnehmen, können Sie aber vom Veranstalter eine Minderung des Reise­preises verlangen. Ab der fünften Stunde Verschiebung gibt es je ange­fangener Stunde 5 Prozent Nach­lass auf den Tages­reise­preis.

Geld von der Air­line. Ist Ihr Flug drei oder mehr Stunden zu spät am Ziel oder wurde er annulliert? Als Pauschal­urlauber oder Nur-Flug-Kunde haben Sie Anspruch auf 250 bis 600 Euro, je nach Flug­entfernung. Nutzen Sie das ADAC-Formular.

Gut vorbereitet in den Urlaub. Wie Sie selbst dafür sorgen können, dass Ihr Urlaub möglichst geschmeidig verläuft, verrät unser kleines Reise-ABC Von der Buchung bis zur Rückreise – Tipps für stressfreie Ferien.

Reisemängel­tabelle. Eine umfang­reiche Über­sicht darüber, welche Reise­preis­minderung Gerichte bei Reisemängeln zuerkennen, finden Sie in der Reisemängeltabelle des Reise­rechts­experten Ernst Führich.

Recht auf kostenlosen Storno

Solange es noch keine Urteile zur neuen Rechts­lage gibt, müssen Urlauber mit der Vier-Stunden-Faust­regel rechnen. Ab einer Verschiebung um fünf Stunden ist von einer erheblichen Vertrags­änderung auszugehen. Das neue Reiserecht sieht bei erheblichen Reise­änderungen vor: Der Veranstalter kann Kunden vor die Wahl stellen, die Änderung anzu­nehmen oder kostenfrei von der Reise zurück­zutreten – inner­halb einer Frist. Was das bedeutet:

Rück­tritt. Urlauber erhalten den gezahlten Reise­preis voll­ständig zurück. Außerdem ist eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubs­zeit möglich – die Reise gibt es ja nicht mehr –, oder Ersatz für vergebliche Ausgaben wie Visa- oder Impf­kosten. Kunden, die zurück­treten wollen, müssen inner­halb der Frist unbe­dingt reagieren. Schweigen sie, gilt das als Annahme der Flug­änderung.

Annahme. Wer mitfliegen will, muss die Flug­verspätung hinnehmen. Eine kleine Entschädigung erhält er aber durch die oben beschriebene Minderung des Reise­preises. Dafür muss er dem Veranstalter inner­halb der Frist zurück­schreiben. Er sollte mitteilen, dass er an den ursprüng­lichen Reise­zeiten fest­halten möchte und sich für den Fall einer Verlegung eine Minderung des Reise­preises vorbehält.

Nach dieser „Mängel­anzeige“ hat der Reisende nach neuem Recht zwei Jahre lang Zeit, die Minderung geltend zu machen. Die alte Regelung, wonach Pauschal­reisende ihre Ansprüche spätestens inner­halb eines Monats nach Urlaubsende beim Veranstalter anmelden mussten, ist weggefallen.

Verschiebung des Rück­flugs

Manchmal kommt der Schock erst im Urlaub: Wenn der Veranstalter etwa am Tag vor der Abreise mitteilt, dass der Rück­flug um elf Stunden nach vorne verlegt wurde und man sich schon nachts zur Abfahrt fertig machen soll (Pauschalreise: Plötzliche Abreise in der Nacht).

Reise­preis mindern. Auch das ist nach neuer Rechts­lage sicherlich eine erhebliche Reise­änderung. Urlauber sollten dem örtlichen Reiseleiter diesen Mangel umge­hend mitteilen, dass sie damit nicht einverstanden sind und eine Lösung des Problems verlangen. Schafft der Veranstalter keine Abhilfe, können sie für einen verlegten Rück­flug die Minderung des Reise­preises geltend machen.

Alternativ­flug buchen. Oder sie buchen noch im Urlaub auf eigene Faust einen Alternativ­flug zur ursprüng­lichen Abflug­zeit und stellen dem Veranstalter die Mehr­kosten in Rechnung. Diese Alternative ist bei vielen Urlaubern aber nicht beliebt, weil der Reisende den Alternativ­flug in der Regel vorfinanzieren muss und anschließend sein Geld beim Veranstalter einfordern muss – notfalls per Klage.

Flughafen­wechsel

„Auch die Änderung des Abflug- oder Rück­flughafens kann nach neuer Rechts­lage als erhebliche Änderung des Vertrags einzustufen sein“, so die ADAC-Expertin. Hat zum Beispiel eine Berlinerin eine Reise mit Flug gebucht, die von einem Berliner Flughafen losgehen sollte und verlegt der Veranstalter den Abflughafen nach der Buchung dann zum Beispiel nach Dresden, kann das einen Reise­mangel darstellen, der die Kundin zur Minderung des Reise­preises berechtigt. Ist der Flughafen­wechsel für die Urlauberin so gravierend, dass er als Reise­mangel einzustufen ist, gelten die gleichen Rechte wie bei einer Flug­zeit­verschiebung. Das heißt: Die Kundin kann den Reise­preis mindern. So urteilen die Gerichte bisher:

  • Hinflug ab Leipzig statt ab Berlin. Minderung in Höhe von 15 Prozent bezogen auf den Tages­reise­preis (Amts­gericht München, Az. 154 C 19092/17).
  • Rück­flug nach Paderborn statt nach Leipzig. Minderung in Höhe von 70 Prozent bezogen auf den Tages­reise­preis (Amts­gericht Leipzig, Az. 142 C 217/10).
  • Rück­flug nach Amsterdam statt nach Düssel­dorf. Minderung in Höhe von 40 Prozent bezogen auf den Tages­reise­preis (Amts­gericht Düssel­dorf, Az. 26 C 5498/06).
  • Rück­flug nach Düssel­dorf statt nach Hannover. Minderung in Höhe von 5 Prozent bezogen auf den Gesamt­preis der Reise (Amts­gericht Gifhorn, Az. 2 C 655/04).

Natürlich müssen die Reise­ver­anstalter bei einem Flughafen­wechsel nicht nur einen Teil des Reise­preises erstatten, sondern auch den nötigen Bus- oder Bahn-Transfer zu dem ursprüng­lich vertraglich vereinbarten Flughafen bezahlen.

Avion Express statt Condor - Wechsel der Fluggesell­schaft

Viele Urlauber beklagen sich, wenn nach der Reise­buchung die Air­line ausgetauscht wird und sie beispiels­weise mit der litauischen Fluggesell­schaft Avion Express oder der lettischen Air­line Smartlynx Air­lines statt mit Condor fliegen sollen. Die Reisenden befürchten etwa, dass das Flug­personal kein Deutsch spricht oder das Ersatz­flugzeug keine Bord­unterhaltung hat. Die Rechts­sprechung stuft den Wechsel der Fluggesell­schaft in der Regel jedoch als hinzunehmende Unannehmlich­keit ein. Das Amts­gericht Bad Homburg urteilte etwa im Jahr 1999, dass der Wechsel auf eine Air­line mit belgischer Besat­zung, die nicht deutsch­sprachig ist, kein Reise­mangel sei (Az. 2 C 397/99). Natürlich stellt es objektiv eine Verschlechterung dar, wenn statt einer Maschine mit Entertainment-System ein Flieger ohne diesen Service zum Urlaubs­ziel fliegt. Aber Reise­rechts­experten wie der Wiesbadener Rechts­anwalt Holger Hopperdietzel halten das zumindest bei Kurz- und Mittel­stre­ckenflügen für zumut­bar (Interview mit Rechtsanwalt Hopperdietzel). Etwas anderes gilt nur in seltenen Fällen, etwa wenn der Reise­ver­anstalter ausdrück­lich den Flug mit einer bestimmten Air­line versprochen hat.

Geld von Air­line für Ankunfts­verspätung

Das Recht auf Reise­preis­minderung haben freilich nur diejenigen, die ein Reisepaket, also zum Beispiel Flug und Unterkunft bei einem Reise­ver­anstalter gebucht haben (Pauschal­reise). Wer Hotel und Flug ohne Veranstalter selbst und getrennt organisiert, hat bei einem annullierten Flug oder einer Ankunfts­verspätung von drei Stunden aber Anspruch auf Entschädigung gegen­über der Air­line nach der EU-Flug­gast­rechte­ver­ordnung. Je nach Flug­strecke sind das zwischen 250 und 600 Euro. Mehr zu Ihren Rechten – und wie Sie diese durch­setzen – erfahren Sie in unserem Special Fluggastrechte: Der Weg zur Entschädigung.

Air­line muss auch Pauschal­reisende entschädigen

Was viele Pauschal­reisende nicht wissen: Auch sie haben diesen Anspruch gegen­über der Fluggesell­schaft bei Annullierungen und Ankunfts­verspätungen von drei oder mehr Stunden. Zu Verwirrung führt bei vielen Reisenden, dass sie erst ab einer mindestens fünf­stündigen Flug­zeit­verschiebung Geld vom Reise­ver­anstalter bekommen können, aber schon bei einer drei­stündigen Ankunfts­verspätung Ansprüche gegen­über der Air­line haben. Juristisch sind diese beiden Ansprüche jedoch strikt zu trennen. Vielleicht passt der Gesetz­geber oder die Recht­sprechung die beiden Zeit­grenzen eines Tages an – noch ist das aber nicht der Fall.

Ansprüche werden verrechnet

Erhält ein Urlauber für den gleichen Ärger (etwa eine Flugannullierung), sowohl vom Veranstalter als auch von der Air­line Geld, findet eine Anrechnung statt. Hat der Urlauber schon eine Reise­preis­erstattung vom Veranstalter erhalten, ist das bei der Forderung gegen­über der Air­line anzu­rechnen (und umge­kehrt).

Beispiel: Ein Reisender hat für die Annullierung vom Veranstalter 80 Euro bekommen und macht anschließend seinen Anspruch auf eine Entschädigung in Höhe von 250 Euro bei der Air­line geltend. Diese muss ihm nur 170 Euro auszahlen.

Verspätungs­entschädigung von Air­line lukrativer

Für Pauschal­reisende ist die Verspätungs­entschädigung von der Air­line nach der europäischen Fluggastrechteverordnung in der Regel lukrativer als die Reise­preis­minderung vom Veranstalter. Die Verspätungs­entschädigung beträgt nämlich meist mindestens 250 Euro, bei Lang­stre­ckenflügen sogar 600 Euro pro Person. Eine Flug­zeit­verschiebung bringt meist weniger, nämlich nur eine teil­weise Erstattung eines Tages­reise­preises. Wenn bei ihrem Urlaub ganz viel schief läuft, erhalten Urlauber allerdings von zwei Stellen Geld: Erstens einen Preis­nach­lass vom Veranstalter für die Flug­verschiebung. Und, wenn der verschobene Flug dann mehr als drei Stunden verspätet ankommt, zweitens eine Entschädigung von der Air­line. Keine Entschädigung gibt es allerdings, wenn die Reisenden mindestens zwei Wochen vor Abflug über die Annullierung informiert wurden.

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