Flug über­bucht Meldung

Warte­schlange. Wer nicht mitfliegen darf, wird entschädigt.

Angestellte der amerikanischen Fluggesell­schaft United lassen einen Passagier gewalt­sam aus einem über­buchten Flieger zerren – trotz gültigen Tickets. Der Vorfall bescherte der Fluggesell­schaft kürzlich einen enormen Image­schaden. Doch über­buchte Flüge gibt es auch in Deutsch­land. Haben Passagiere Anspruch auf eine Ausgleichs­zahlung? test.de sagt, welche Regeln gelten.

Kalkulierte Über­buchung

Auch in Deutsch­land verkaufen Air­lines regel­mäßig mehr Tickets, als Plätze im Flugzeug vorhanden sind. Der Grund: Einige Reisende erscheinen nicht am Gate, weil sie spontan umbuchen, stornieren oder schlicht zu spät kommen. Ungenutzte Kapazitäten im Flieger sind weder ökonomisch noch ökologisch sinn­voll. Um sie zu vermeiden, berechnen Air­lines anhand von Erfahrungs­werten und Buchungs­daten für jeden Flug, wie viele Passagiere voraus­sicht­lich nicht kommen. Mithilfe der Quoten kalkulieren sie Über­buchungen.

Abge­wiesene Flug­gäste

Erscheinen mehr Passagiere als erwartet, können einige nicht mitfliegen. Denjenigen, die freiwil­lig auf ihren Platz verzichten, bieten Air­lines Umbuchungen und Entschädigungen an. Verzichtet niemand freiwil­lig, entscheidet die Flug­linie, wer nicht mitdarf. Grund­sätzlich gilt: Wer zuerst ans Gate kommt, fliegt zuerst.

Recht auf Entschädigung

Betroffenen steht eine Ausgleichs­zahlung nach der EU-Flug­gast­rechte­ver­ordnung zu, wenn sie wegen Über­buchung nicht mitgenommen werden, aber recht­zeitig am Gate waren. Voraus­gesetzt, der Flug startet inner­halb der EU oder die Air­line hat einen Sitz in einem EU-Land. Die Höhe hängt von der Flug­strecke ab: Bei maximal 1 500 Kilo­metern stehen ihnen 250 Euro zu. Auf Mittel­stre­cken von 1 500 bis 3 500 Kilo­metern bekommen sie 400 Euro, für Lang­stre­ckenflüge ab 3 500 Kilo­metern 600 Euro. Für weniger sollten Passagiere nicht freiwil­lig auf ihren Platz verzichten. Sie haben außerdem Recht auf Betreuungs­leistungen wie Mahl­zeiten, Getränke oder eine Hotel­über­nachtung – ab zwei Stunden Verspätung auf Kurz­stre­cken, ab drei auf Mittel- und ab vier Stunden bei Lang­stre­ckenflügen.

Tipp: Den Weg zur Entschädigung bei Air­line-Ärger erklären wir ausführ­lich in unserem Special Fluggastrechte.

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