Floater Meldung

Floater folgen in regelmäßigen Abständen den Zinsänderungen des Geldmarkts.

Anleihenbesitzer müssen bei steigenden Zinsen Kursverluste verschmerzen, wenn sie ihre Wertpapiere vor dem Ende der Laufzeit verkaufen. Mit sicheren Floatern passiert ihnen dies nicht. Sie passen ihre Zinsen regelmäßig an den Kapitalmarktzins an.

Viele Anleger erwarten in diesem Jahr Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Auch einige Analysten rechnen mit steigenden Zinsen: Die Prognosen für einen Zinsanstieg reichen bis zu 0,75 Prozentpunkten (Commerzbank, Deka Bank) bis zum Jahresende. „Wir rechnen eher in der zweiten Jahreshälfte mit einem Zinsschritt nach oben“, sagt Timo Schild von der Deka.

Zinserhöhungen sind jedoch nur für wenige Anleger ein Grund zur Freude. Gerade Anleihenbesitzer müssen nun Kursverluste verschmerzen, wenn sie die Papiere vor dem Laufzeitende verkaufen wollen. Und Anleger, die erst kürzlich Sparbriefe oder Festgeldanlagen für lange Laufzeiten abgeschlossen haben, ärgern sich, weil sie nicht von den besseren Marktzinsen profitieren können.

Besitzer von Floatern können sich dagegen beruhigt zurücklehnen. Sie profitieren von Zinserhöhungen. Denn ihre Papiere haben im Gegensatz zu herkömmlichen Anleihen keinen festen, sondern einen variablen Zinssatz. Er hängt vom Zinsniveau am Kapitalmarkt ab. Der Basiszinssatz für die meisten Floater ist der Euribor. Er beschreibt die Zinskonditionen, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen.

Erhöht die Europäische Zentralbank die Zinsen, steigt auch der Euribor und die Floater ziehen nach. Sinken die Zinsen, kann es allerdings genauso schnell wieder bergab gehen.

Floater mit Auf- oder Abschlag

Die meisten Floater richten ihren Zins nicht ausschließlich nach dem Euribor, sondern haben noch einen festen Auf- oder Abschlag. Um ihn liegt ihr Zinssatz über oder unter dem Euribor.

Die Höhe eines Aufschlags hängt von der Bonität ab, also von der Fähigkeit des Schuldners, seine Zinsen und den Nennbetrag der Anleihe am Ende der Laufzeit auch zurückzuzahlen. Grundsätzlich gilt: Je schlechter Ratingagenturen wie Moody's oder Standard & Poors die Zahlungsfähigkeit eines Anleihenherausgebers beurteilen, desto höher ist der Zinsaufschlag.

Floater, die von Unternehmen herausgegeben werden, haben oft hohe Aufschläge – gerade wenn die Firmen nur durchschnittliche Noten wie A oder BBB aufweisen. Ein Floater von Ford beispielsweise mit einer Laufzeit bis Januar 2006 bietet ­einen Aufschlag von 175 Basispunk­ten, also 1,75 Prozentpunkten auf den ­Drei-Monats-Euribor (XS 017  375  393 9). Sein Nominalzinssatz liegt zurzeit bei knapp 3,9 Prozent.

Es gibt auch Anleihehenrausgeber, deren Bonität so gut ist, dass sie sich einen Zinsabschlag leisten können. Hierzu gehört der einzige Floater, den die Bundesrepublik Deutschland derzeit am Markt hat (DE 000 113 494 8). Sein Abschlag vom Euribor beträgt 25,00 Basispunkte. Sein Nominalzins liegt bei nur rund 1,9 Prozent pro Jahr, der Drei-Monats-Euribor bei 2,12 Prozent.

Für Privatanleger ist dieser Floater nicht zu empfehlen. Sie erhalten bei guten Tagesgeld- oder Festgeldangeboten bessere Renditen: In der Top-Twenty-Liste von Finanztest (in „Marktplatz“ der Print-Ausgabe) für Drei-Monats- und Sechs-Monats-Festgeld sind allein 14 Angebote höher verzinst als der Euribor. Alle Angebote werfen mehr ab als der Bundesfloater.

Viele Floater, die von Bundesländern, Landesbanken oder Geschäftsbanken herausgegeben werden, haben außerdem eine geringe Liquidität. Das heißt, nur wenige Anleger wollen diese Papieren über die Börse verkaufen. Stattdessen schlummern sie in den Depots von institutionellen Anlegern wie Fondsgesellschaften oder Versicherungen. Für Anleger ist es in dieser Situation schwierig, überhaupt Floater zu fairen Preisen zu kaufen und zu verkaufen.

Vor dem Kauf eines Floaters sollte der Anleger deswegen immer die Liquidität des Papiers überprüfen. Wer Internet­zugang hat, kann die Anleihensuchmaschinen von Direktbanken wie comdirect oder Consors nutzen. Die Liquidität erkennt er daran, ob der Floater an den einzelnen deutschen Börsenplätzen gehandelt wurde und wenn ja, in welcher Stückzahl. Filialbankkunden müssen ihren Berater fragen.

Unternehmensfloater sind liquider

Unternehmensfloater haben eine höhere Liquidität, aber auch ein höheres Kursrisiko. Denn bei ihnen ist die Gefahr größer, dass Ratingagenturen wie Moody's und Co ihre Zahlungsfähigkeit schlechter einstufen. Mit schlechteren Noten jedoch wird das Wertpapier für Anleger uninteressanter und der Kurs fällt. Kursverluste machen aber nur diejenigen, die in dieser Situation das Papier auch verkaufen. Wer den Floater dagegen bis zum Ende der Laufzeit hält, ist vor Kursverlusten geschützt.

„Viele Anleger versuchen, mit Unternehmensfloatern das Risiko von Zinserhöhungen auszuschließen, neigen aber dazu, die Bonitätsrisiken zu unterschätzen“, warnt Thomas Bauer, Rentenexperte der DAB Bank.

Er empfiehlt deswegen, keine lang laufenden Unternehmensfloater zu kaufen. Floater, die dagegen in zwei bis drei Jahre auslaufen, kann der Anleger bei einer möglichen Abwertung des Unternehmens bis zum Ende der Laufzeit halten und ist so auf jeden Fall vor Kursverlusten der Anleihe geschützt. Von möglichen Zinserhöhungen profitiert er natürlich trotzdem.

Die DAB Bank hat deswegen nur Floater im Angebot, die maximal bis 2006 laufen. Sie verkauft Anleihen zu Festpreisen, darunter seit kurzem auch Unternehmensfloater. Bei diesem Preismodell sind die Depot-, Kauf- und Verkaufskosten bereits im Kaufkurs enthalten. Um den Festpreis mit dem Tageskurs zu vergleichen, können sich Anleger im Internet etwa bei der Börse ­Stuttgart informieren (siehe Tipps). ­Unternehmensfloater lassen sich aber auch über jede Direkt- und Filialbank kaufen.

Höher verzinst, aber riskanter

Anleger sollten nur Unternehmensfloater von Firmen kaufen, die sie kennen und deren Unternehmensentwicklung sie positiv einschätzen. Denn ob die Höhe des Zinsaufschlags das Risiko eines Floaters widerspiegelt, ist schwer zu beurteilen. So bieten Ford und General Motors bei einigen Floatern einen Zinsaufschlag von 1,75 Prozentpunkten auf den Drei-Monats-Euribor, Daimler- Chrysler von 0,85 Prozentpunkten. Alle drei haben bei Moody's mit A3 die gleiche Ratingstufe.

Der Ford-Floater (XS 017 375 393 9)  und der Floater von General Motors (XS 017 192 256 9) haben beide einen Nominalzins von 3,9 Prozent bei einer Restlaufzeit von eineinhalb beziehungsweise zwei Jahren. Das ist zwar mehr als die meisten Festgeldangebote ohne vorzeitige Kündigungsmöglichkeit bei gleicher Laufzeit bieten. Bei den Festgeldkonten fallen aber auch keine Kauf- und Lagerkosten an.

Anleger sollten wegen des höheren Risikos nicht ihr gesamtes Vermögen in Unternehmensfloatern anlegen, sondern sie nur als Beimischung von höchstens 10 Prozent nutzen.

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