Flex­strom Meldung

Der Berliner Stromanbieter Flex­strom hat Insolvenz angemeldet, ebenso die Tochtergesell­schaften OptimalGrün und Löwenzahn Energie. Für Strom­kunden, die Vorkasse geleistet haben, bedeutet das möglicher­weise einen finanziellen Verlust. Einen Abbruch der Strom­versorgung müssen sie aber nicht befürchten. test.de erklärt, was Betroffene jetzt tun sollten.

Flex­strom gibt den Kunden die Schuld

Das Berliner Unternehmen Flex­strom ist pleite. Der Stromanbieter hat am Freitag, 12. April, Insolvenz angemeldet, wie die Bundes­netz­agentur bestätigt hat. Dasselbe gilt nach Informationen von Flex­strom für die Tochtergesell­schaften OptimalGrün und Löwenzahn Energie. FlexGas werde dagegen von einem Investor weiter geführt. Die Schuld für die Pleite gibt Flex­strom den eigenen Kunden und der „schädigenden Bericht­erstattung einzelner Medien“ . Viele Kunden würden nicht mehr pünkt­lich zahlen, heißt es in einer Presse­mitteilung. Flex­strom arbeite seit 2009 profitabel, sei nun nicht mehr liquide.

Pleite berechtigt nicht zur Kündigung

Bei den Kunden von Flex­strom geht nun nicht gleich das Licht aus. Falls ein Insolvenz­verwalter die eventuell noch vorhandenen Werte des Unter­nehmens für ausreichend hält, um es weiter zu führen und auch die Vertrags­partner von Flex­strom bei der Stange bleiben, bekommen die Kunden weiter Strom von Flex­strom. Sie sind dann auch an den Vertrag gebunden und können erst mit der vertraglich vereinbarten Frist kündigen. Allein die Tatsache, dass Flex­strom Insolvenz angemeldet hat, gibt Verbrauchern kein Recht zur frist­losen Kündigung.

Ersatz­versorgung springt ein

Anders sieht das aus, wenn Flex­strom die Lieferung einstellt. Dann greift die so genannte Ersatz­versorgung. Betroffene Kunden erhalten dann eine Mitteilung des Grund­versorgers, dass er nun den Strom liefern werde. In der Regel über­nimmt dies das Unternehmen mit den meisten Anschlüssen in der Region des jeweiligen Kunden. Die Lieferung erfolgt zu den eigenen Preisen des Unter­nehmens, die im Regelfall deutlich höher sind. Die Betroffenen haben in so einem Fall aber die Möglich­keit, sich einen anderen, billigeren Anbieter zu wählen oder beim Grund­versorger in einen preisgüns­tigeren Tarif zu wechseln. Wer das versäumt, rutscht spätestens nach drei Monaten auto­matisch von der Ersatz­versorgung in die Grund­versorgung desselben Unter­nehmens, ebenfalls meist zu den deutlich höheren Preisen. Dann können die Betroffenen jeder­zeit mit zwei Wochen Frist kündigen.

Wenn Flex­strom nicht mehr liefert

Betroffene müssen aber auch ihr Vertrags­verhältnis mit Flex­strom kündigen. Wenn Flex­strom nicht mehr liefert, haben sie ein Sonderkündigungs­recht aus wichtigem Grund nach Paragraf 314 Bürgerliches Gesetz­buch, erklärt die Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen. Die Kunden brauchen dabei keine Kündigungs­frist einzuhalten. Ähnlich lief es bei der bisher größten Pleite am Strommarkt, als Teldafax im Jahr 2011 Insolvenz anmeldete. Zwar könne es passieren, dass der Insolvenz­verwalter eine Sonderkündigung der Kunden ablehnt, erklärt Dr. Thorsten Kasper, Energierechts­experte beim Verbraucherzentrale Bundes­verband. „Aber mir ist kein Fall bekannt, in dem damals der Teldafax-Insolvenz­verwalter einem Kunden hinterherlief, der das Sonderkündigungs­recht genutzt hatte“.

Keine großen Beträge mehr über­weisen

So lange Flex­strom noch liefert, sind Betroffene verpflichtet, die monatlichen Abschläge weiter zu zahlen. Größere Voraus­zahlungen – zum Beispiel einen Jahres­abschlag im Voraus – sollten Kunden aber vorsichts­halber nicht mehr über­weisen. Wer bereits eine entsprechende Einzugs­ermächtigung erteilt hat, sollte sie widerrufen. Auch bereits abge­buchte Summen lassen sich widerrufen, das geht mindestens sechs Wochen lang. Nach Ansicht von Jürgen Schröder, Verbraucherjurist der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen, haben Kunden im Insolvenzfall das Recht, Voraus­zahlungen zurück­zuhalten. Schließ­lich müssen sie damit rechnen, dass ihnen irgend­wann kein Strom mehr geliefert wird. In jedem Fall ist es sinn­voll, wenn Flex­strom-Kunden ihre Zählerstände ablesen, sobald ein Liefer­stopp erfolgt. Diese Daten sollten sie dann dem Netz­betreiber, dem örtlichen Grund­versorger und Flex­strom mitteilen. Das erleichtert eine korrekte Abrechnung.

Billig-Strom und Pleite-Risiko

Flex­strom bietet Tarife an, bei denen Kunden ein Jahr im Voraus zahlen. Grund­sätzlich gilt: Wer Strom billig gegen Vorkasse bezieht, muss bei einer Firmenpleite damit rechnen, dass das Geld weg ist und keine Gegen­leistung erfolgt. Ähnlich war es bei Teldafax. Hundert­tausende Kunden bekamen nach der Insolvenz des Anbieters für ihre bereits geleisteten Voraus­zahlungen keine Gegenleistung. Zwar bleibt Flex­strom-Kunden die Möglich­keit, gericht­lich gegen das Unternehmen vorzugehen. Doch die Erfolgs­aussichten sind gering. Die Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen bietet ausführliche Informationen zur Flexstrom-Pleite und Tipps, wie sich Betroffene jetzt am besten verhalten.

Vorsicht bei Tarifen mit Vorkasse

Die Stiftung Warentest warnt schon lange vor Tarifen mit Vorkasse. Hier tragen die Kunden das Risiko, bei einer Insolvenz des Anbieters finanziell im Regen zu stehen. Auch die Bundes­netz­agentur empfiehlt laut Presse­sprecher Rudolf Boll, „wegen des Insolvenzrisikos den Abschluss eines Tarifs mit Vorkasse genau zu über­legen“.

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