Flex­strom Special

Der Billiganbieter Flex­strom liefert keinen Strom mehr. Rund 500 000 Kunden werden jetzt vom Grund­versorger beliefert. Finanztest zeichnet den Weg des umstrittenen Unter­nehmens in die Pleite nach, erklärt die Folgen für die Kunden – und forscht nach Ursachen.

Voraus­kassetarif als Insolvenzfalle

Verboten günstig – so lautet der Werbe­slogan von Flex­strom. Spätestens seit dem 12. April 2013 hat er eine neue Bedeutung. An diesem Tag stellte Flex­strom einen Insolvenz­antrag. Wenige Tage später folgten die Tochterfirmen Optimal Grün und Löwenzahn Energie. Weil die Flex­strom-Firmen jetzt keinen Strom mehr liefern, sind die Kunden auto­matisch in die Ersatz­versorgung bei ihrem örtlichem Stadt­werk gerutscht. Viele Kunden haben Angst, Geld zu verlieren, denn sie haben ihren geschätzten Jahres­strom­verbrauch bei Flex­strom schon im Voraus bezahlt. Der Stromanbieter hatte güns­tige Vorkassetarife angeboten. Die Voraus­zahlungen sind jetzt Teil der Insolvenzmasse.

Flex­strom hätte Bonus zahlen müssen

Von der Insolvenz betroffen sind auch tausende Kunden, die noch auf ihren Neukundenbonus warten. Flex­strom verweigerte ihnen den Bonus, wenn sie zum Ende der Mindest­vertrags­lauf­zeit gekündigt hatten. Die Firma argumentierte: Der Bonus stehe nur Kunden zu, die ein zweites Vertrags­jahr dabeiblieben. Der Streit ging durch die Instanzen. Kurz nach dem Insolvenz­antrag entschied der Bundes­gerichts­hof (BGH) – nun für die Kunden (Az. VIII ZR 246/12 und VIII ZR 225/12). Für die Betroffenen dürfte diese späte Klar­stellung nur ein schwacher Trost sein. Sie können aber – wie alle anderen Geschädigten auch – ihre Forderungen beim Insolvenz­verwalter anmelden. Das Verfahren wird voraus­sicht­lich am 1. Juli eröffnet. Der vorläufige Verwalter ist Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case in Berlin.

Tipp. Wie und wann Sie als Kunde Ihre Forderungen anmelden können, erfahren Sie auf der Internetseite des vorläufigen Insolvenz­verwalters (www.whitecase.com/de/flexstromag). Tipps zur Suche eines neuen Stromanbieters gibt es im kostenlosen Special Strom auf test.de und im Special Strompreise – so klappt der Wechsel.

Endkunden im Insolvenz­verfahren am Ende der Schlange

Wie viel Geld Flex­strom-Kunden wieder­sehen, ist völlig offen. Denn bei einem Insolvenz­verfahren rangieren die einfachen Kunden mit ihren Ansprüchen weit hinten. Vorrangig werden andere Gläubiger wie etwa das Finanz­amt bedient und die Kosten für die Insolvenz­verwaltung bezahlt. Erst anschließend kommen die Strom­kunden zum Zug. Sie werden vermutlich nicht ihr gesamtes Geld zurück­bekommen, bestenfalls einen kleinen Teil.

Geschäfts­modell mit Risiken

Flex­strom hatte die Risiken des Geschäfts­modells selbst publik gemacht, als das Unternehmen sich im November 2012 mit einer Anleihe am Kapitalmarkt frisches Geld besorgen wollte. Im Emissions­prospekt schreibt es, dass das Geschäfts­modell „stark von der Gewinnung neuer Kunden abhängig“ sei. Im Jahr 2011 verlor Flex­strom jedoch viele Kunden: 240 000 sprangen ab. Zwar konnte die Firma auch 370 000 neue Kunden gewinnen. Die Neukunden­tarife waren aber so kalkuliert, dass Flex­strom mit ihnen im ersten Jahr keinen Gewinn erzielen konnte. Profitabel waren die Kunden erst ab dem zweiten Vertrags­jahr.

Flex­strom wertet Bonus als Risiko

Als weiteres Risiko führte die Firma im Anleihe­prospekt die strittigen Bonus­ansprüche an. Sollte Flex­strom verpflichtet werden, diese Ansprüche zu erfüllen, könne dies „erhebliche nach­teilige Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertrags­lage“ der Firma haben. Zum Zeit­punkt des BGH-Urteils war Flex­strom schon pleite. Haben auch die Geschäfte der Brüder Thomas und Robert Mundt bei der Insolvenz eine Rolle gespielt? Den Brüdern gehört Flex­strom jeweils zu rund 45 Prozent. Auch die im Jahr 2010 gegründete Optimal Grün GmbH gehörte den Brüdern zu jeweils 45 Prozent. Im Jahr 2011 über­nahm Flex­strom alle Anteile von Optimal Grün für 20 Millionen Euro. Viel Geld für eine junge Firma mit einem Jahres­fehl­betrag von mehr als 850 000 Euro. Fazit: Flex­strom ist insolvent. Bei den Brüdern Mundt weiß man es nicht.

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