Flexible Misch­fonds Test

Flexible Misch­fonds gehören zu den beliebtesten Fonds­produkten.

Von flexiblen Misch­fonds erhoffen sich viele Anleger Wunderdinge: hohe Renditen in guten Börsen­phasen, aber auch perfekten Krisen­schutz, wenn die Märkte crashen. Wie unser Test zeigt, bleibt das ein unerfüll­barer Traum. Doch ein paar flexible Misch­fonds schaffen immerhin einen guten Kompromiss zwischen Sicherheit und Risiko. Wir zeigen, welche Fonds sich schon seit Jahren gut geschlagen und selbst die globale Finanz­krise glimpf­lich über­standen haben.

Flexible Misch­fonds als Black­box für Anleger

Misch­fonds sind bei Anlegern beliebter denn je. Die Kombination aus Aktien und Zins­papieren scheint vielen ein idealer Ausweg aus der Null­zins­falle. Doch Misch­fonds ist nicht gleich Misch­fonds. Finanztest stuft sie gemäß ihres Aktien­anteils als defensiv (bis etwa 40 Prozent Aktien), als ausgewogen (etwa 40 bis 60 Prozent Aktien) oder als offensiv (mehr als 60 Prozent Aktien) ein. Oder eben als flexibel. Solche Misch­fonds können ihre Aktienquote sehr stark variieren, manchmal sogar zwischen 0 und 100 Prozent. Sie bilden inner­halb der 380 von uns betrachteten Misch­fonds die mit Abstand größte Gruppe. Die Flexiblen sind am reiz­vollsten, aber auch am riskantesten. Anleger stehen vor einer Black­box und müssen den Fähig­keiten des Fonds­managers vertrauen.

Erwartungen wurden selten erfüllt

Finanztest hat analysiert, wie sich jene flexiblen Misch­fonds, die schon mindestens seit Februar 2007 auf dem Markt sind, in der Finanz­krise und danach geschlagen haben. Von diesen mehr als 140 Fonds gelang es nicht einmal der Hälfte, die herben Verluste während der Finanz­krise abzu­dämpfen. Noch trüber sieht das Ergebnis aus, wenn man zusätzlich die Berg-und-Tal-Fahrten der folgenden Jahre berück­sichtigt. Nicht einmal jeder fünfte flexible Misch­fonds kam auch bei „kleineren“ Kurs­einbrüchen, vor allem während der Griechen­land­krise 2011, besser davon als die Richt­schnur.

Nur wenige Misch­fonds schlagen die Benchmark

Nur ein halbes Dutzend Fonds hat auf Zehn­jahres­sicht eine bessere Wert­entwick­lung als die ausgewogene Aktien-Anleihen-Mischung. Als Maßstab („Benchmark“) diente uns dabei eine 50-50-Mischung aus dem breiten Aktien- und Anleihenmarkt. Diese Unter­suchung ist eine Ergän­zung zu unserer bewährten Fonds­bewertung, die sich auf einen Zeitraum von fünf Jahren bezieht. Welche Fonds über die vergangenen fünf Jahre am besten abge­schnitten haben, zeigt unser Produktfinder Fonds. Das PDF mit den Test­ergeb­nissen zu unserer aktuellen Misch­fonds-Unter­suchung erhalten Sie, wenn Sie den Produktfinder frei­schalten.

Deutsche Multi Opportunities FC: Gut durch die Finanz­krise

Der Deutsche Multi Opportunities FC wurde den Ansprüchen an einen flexiblen Misch­fonds in der Finanz­krise voll gerecht. Seine höchsten Verluste waren nicht annähernd so hoch wie die der Index­mischung. Bei den kleineren Börsen­einbrüchen der Jahre 2015 und 2016 war das Ergebnis allerdings nicht so über­zeugend. In den ersten Monaten 2016 hatte der Misch­fonds ähnlich hohe Verluste wie ein reiner Aktienfonds. Zum Zeit­punkt der Unter­suchung gehörte er zu den Top-Fonds, im Produktfinder Fonds können Anleger die aktuelle Bewertung des Deutsche Multi Opportunities FC abrufen.

Flexible Misch­fonds Test

Der Deutsche Multi Opportunities FC wurde den Ansprüchen an einen flexiblen Misch­fonds in der Finanz­krise voll gerecht. Seine höchsten Verluste waren nicht annähernd so hoch wie die der Index­mischung. Bei den kleineren Börsen­einbrüchen der Jahre 2015 und 2016 war das Ergebnis nicht so über­zeugend. In den ersten Monaten 2016 hatte der Misch­fonds ähnlich hohe Verluste wie ein reiner Aktienfonds.

DWS Concept ARTS Balanced: Happige Verwaltungs­kosten

Als recht verläss­licher Krisen­begleiter erwies sich auch der DWS Concept ARTS Balanced. Seine Verluste waren vor allem während der Finanz­krise geringer als die der Index­mischung. Allerdings hat der Fonds mit 2,51 Prozent ziemlich happige Verwaltungs­kosten und nimmt außerdem noch eine Erfolgs­gebühr. Zurzeit steht er auch nicht unter den absoluten Top-Fonds unseres Dauer­tests. Uneinge­schränkt empfehlen würden wir ihn deshalb nicht.

Tipp: Im Produktfinder Fonds finden Sie alle flexiblen Mischfonds mit Top-Bewertungen.

UBS Key Selection Global Alloc: Absturz wie bei Aktienfonds

Die meisten Misch­fonds­anleger wären schon froh gewesen, wenn sich ihre Verluste während der Finanz­krise halb­wegs in Grenzen gehalten hätten. Beim UBS Key Selection Global Alloc (EUR) P acc war das zum Beispiel nicht der Fall. Der Fonds stürzte im Jahr 2009 um fast 50 Prozent ab und verlor damit beinahe doppelt so viel wie die Aktien-Renten-Mischung, die wir als Vergleichs­maßstab heran­ziehen. Im Klar­text: Dieser flexible Misch­fonds war keinen Deut weniger riskant als eine reine Aktienfonds­anlage. Wenn Anleger aber volles Risiko wollen, dann kaufen sie besser gleich einen börsen­gehandelten Indexfonds (ETF) auf den Welt­aktien­index MSCI World. Damit hätten sie in den vergangenen zehn Jahren eine höhere Rendite erzielt als mit fast allen Misch­fonds.

Schroder ISF Global Div Growth: Wenig Risiko, wenig Rendite

Manche Anbieter machen sehr konkrete Angaben zu den Zielen ihrer Misch­fonds. So hieß es noch im vergangenen Jahr in den Anleger­informationen zum Schroder ISF Global Div Growth A Acc: „Der Fonds ist darauf ausgerichtet, über ( ... ) einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren (…) eine Rendite zu erzielen, die der von globalen Aktien ähnlich ist, gleich­zeitig jedoch nur zwei Drittel des ( ... ) Risikos von globalen Aktien aufweist.” Tatsäch­lich hatte der Fonds relativ geringe Wert­schwankungen, aber das ging zulasten der Rendite. Mitt­lerweile hat die Fonds­gesell­schaft das Renditeziel in den Anleger­informationen geändert. Der Fonds hat eine Finanztest-Bewertung von drei Punkten (Stand der Daten 28. Februar 2017).

Multi Invest OP R: Aufschwung verpasst

Nur einen Punkt in der Finanztest-Bewertung hat der Multi Invest OP R, der damit zu den schlechtesten flexiblen Misch­fonds unseres Tests gehört. Dabei hatte der 1999 aufgelegte Fonds die Finanz­krise noch glänzend gemeistert. Doch dann verpasste er komplett den Aufschwung. Auf Zehn­jahres­sicht steht eine miserable Wert­entwick­lung von durch­schnitt­lich minus 2,3 Prozent pro Jahr zu Buche. Eine breit gestreute Fifty-fifty-Mischung aus Aktien und Anleihen brachte dagegen im Schnitt plus 6,2 Prozent pro Jahr.

Extrem unterschiedliche Entwick­lung

Bei flexiblen Misch­fonds haben Fonds­manager viel Spielraum. Einer der besten, der Deutsche Multi Opportunities, lief ähnlich gut wie die Index­mischung. Der auf Edel­metalle fixierte M&W Privat entwickelte sich völlig anders.

Flexible Misch­fonds Test

M&W Privat: Spezial­anlage statt Mischung

Anti­zyklisch investieren. Unter dem Etikett Misch­fonds segeln nicht nur klassische Finanz­produkte, in denen vor allem Aktien und Renten­papiere stecken, sondern auch Spezial­konzepte, die völlig andere Ziele verfolgen. So passt der M&W Privat nur seinem grund­sätzlichen Profil nach in diese Gruppe – als „vermögens­verwaltender alternativer Investmentfonds, der ohne Quoten­zwänge oder Benchmark­orientierung an den globalen Finanzmärkten – bevor­zugt anti­zyklisch – investiert“, wie es bei Mack & Weise auf der Internetseite heißt. Dahinter verbirgt sich seit geraumer Zeit aber ein verkappter Gold-und-Silber-Fonds. Aktuell stecken rund 55 Prozent des Fonds­vermögens direkt oder über Fonds in Gold und Silber, der Rest größ­tenteils in Gold- und Silber­minen­aktien. Entsprechend spiegelt der länger­fristige Fonds­verlauf vor allem die Entwick­lung des Gold­preises.

Versicherung für Pessi­misten. Die Fonds­ver­antwort­lichen Martin Mack und Herwig Weise sehen den Fonds vor allem als Versicherung vor schweren Verwerfungen an den Kapitalmärkten, die aus ihrer Sicht bevor­stehen. Bisher haben sich ihre pessi­mistischen Prognosen nicht erfüllt. Als klassischer flexibler Misch­fonds ist der M&W Privat nicht geeignet. In unserer Bewertung liegt er mit nur einem Punkt in der schlechtesten Gruppe. Für Anleger, die die Auffassung von Mack und Weise teilen, stellt sich die Frage, ob nicht der Kauf von echten Gold­barren oder -münzen folge­richtiger ist als die Anlage in einen Luxemburger Fonds. Der M&W Privat ist mit jähr­lichen Kosten von 1,84 Prozent und einer eventuellen Erfolgs­gebühr nicht gerade billig. Außerdem gehören Aktien von Gold­minen zu den am wenigsten berechen­baren Investments, die der Markt zu bieten hat.

ASVK Substanz & Wachs­tum: Nur für Zocker

Ein weiteres Beispiel für einen sehr speziellen Misch­fonds ist der ASVK Substanz & Wachstum (Monega), der derzeit in Fonds­hitlisten, die sich auf kurze Bewertungs­zeiträume stützen, auf vorderen Plätzen auftaucht. In unserer Bewertung hat er null Punkte, da sein Fonds­volumen weniger als fünf Millionen Euro beträgt. Unsere Mindest­grenze für die Bewertung des Chance-Risiko-Verhält­nisses liegt bei 50 Millionen Euro. Sehr kleine Fonds lassen sich kaum rentabel verwalten. Die aktuelle Zusammenset­zung des Fonds, der in den vergangenen fünf Jahren mit durch­schnitt­lich minus 0,7 Prozent pro Jahr schlecht abge­schnitten hat, ist mit speziellen Gold­minen­investments und Anlagen in Schwellenländern hoch­spekulativ. Für Zocker kann das durch­aus reizvoll sein, denn mit Fonds wie diesem lässt sich mitunter kurz­fristig viel Geld verdienen. Im Jahr 2016 lag sein Wert­zuwachs bei fast 70 Prozent. Anleger, die einen Misch­fonds mit klassischem Anlage­konzept suchen, sind hier dagegen definitiv falsch.

Auf die Kosten achten

Wie bei anderen Investmentfonds gibt es auch bei flexiblen Misch­fonds einen Zusammen­hang zwischen jähr­lichen Kosten und Qualität (siehe Diagramm). Die Fonds mit nur einem Punkt sind nicht nur schlechter, sondern auch noch teurer als die Fünf-Punkte-Fonds. Viele flexible Misch­fonds erheben zudem eine erfolgs­abhängige Gebühr. Das kann Fonds­manager dazu verleiten, höhere Risiken einzugehen. Unfair ist unter anderem, wenn die Gebühr auch erhoben wird, solange der Fonds noch keinen neuen Höchst­stand erreicht hat.

Flexible Misch­fonds Test

Schlechter und teurer: Im Direkt­vergleich der jähr­lichen Kosten schneiden die flexiblen Misch­fonds mit fünf Punkten deutlich besser ab als die Fonds mit nur einem Punkt.

Ampega Balanced: Eine Über­legung wert

Wie es besser geht, zeigt der Ampega Balanced 3 I (t): Seine jähr­lichen Kosten liegen bei 0,45 Prozent und damit kaum höher als die von ETF. Das liegt nicht zuletzt daran, dass diese Fond­stranche für institutionelle Kunden gedacht ist. Profianleger erhalten üblicher­weise güns­tigere Konditionen als Privat­anleger. Über einige Banken können aber auch sie diesen Fonds kaufen. Für Anleger, die nach einem aussichts­reichen Misch­fonds suchen, ist er auf jeden Fall eine Über­legung wert.

Güns­tige Alternative aus ETF: Das Pantoffel-Portfolio von Finanztest

Selbst hervorragend gemanagte Misch­fonds schaffen auf Dauer selten eine bessere Wert­entwick­lung als eine Index­mischung, die ihrem durch­schnitt­lichen Risiko entspricht. Das haben unsere Tests im Laufe der Jahre immer wieder gezeigt. Für Anleger, die es sich zutrauen, ihre Geld­anlage in die eigenen Hände zu nehmen, hat Finanztest ein Anlage­konzept entworfen: das Pantoffel-Portfolio. Es ist bequem, macht wenig Aufwand und ist günstig. Ähnlich wie bei den Misch­fonds gibt es auch hier verschiedene Varianten für Anleger mit unterschiedlicher Risiko­bereitschaft. Wie die Idee funk­tioniert, lesen Sie in dem Beitrag Pantoffel-Portfolio: Bequem und pfiffig anlegen mit der Finanztest-Methode. Finanztest hat ETF-Depots angeschaut als Einmal­anlage, Sparplan und Auszahl­plan, Finanztest 6/2017.

Alle Finanztest-Artikel zu Fonds­themen im Produktfinder Fonds

Wenn Sie den Produktfinder Fonds frei­schalten, bekommen Sie nicht nur die Bewertungen von rund 6 000 Fonds. Sie können außerdem kostenlos alle Finanztest-Artikel zu Fonds­themen als PDF herunter­laden, darunter auch den ausführ­lichen Test über Misch­fonds aus Finanztest 5/2017. Dieser enthält außer den Test­ergeb­nissen auch noch Portraits dreier empfehlens­werter Fonds.

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