Aktienfonds, die alle Aktien rechtzeitig vor dem Börsencrash verkaufen, sind Anlegers Traum. Die besten flexiblen Mischfonds sind nahe dran.

Werner Dlugosch hat im vergangenen Jahr fast alles richtig gemacht. Der Fondsberater des Multi-Axxion InCapital Taurus erwirtschaftete für seinen Fonds auf Jahressicht trotz des extrem schlechten Börsenumfelds einen kleinen Wertzuwachs. Das schaffte von den knapp 400 Aktienfonds Welt, die Finanztest regelmäßig untersucht, nur noch ein zweiter Fonds: Der M & W Capital legte auf Jahressicht sogar um 8 Prozent zu.

Der InCapital Taurus profitierte von Dlugoschs guter Markteinschätzung. Noch im Frühjahr 2008 hatte er das Risiko drastisch gesenkt, da ihm das Marktgeschehen nicht mehr geheuer war. Zwar hielt er an einigen Aktienpositionen fest, sicherte sie aber durch Gegengeschäfte auf fallende Aktienkurse, sogenannte Short-Positionen, fast vollständig ab. So erzielte der Fonds zwischen Juni und Ende Dezember entgegen dem Markttrend sogar ein deutliches Plus.

Vermögensverwaltung im Kleinen

Mischfonds mit variablem Aktienanteil sind die Gewinner der Börsenkrise. Sie können sich dem wechselhaften Marktgeschehen viel besser anpassen als herkömmliche Aktienfonds. Das klappt aber nur, wenn das Fondsmanagement gut arbeitet oder den richtigen Riecher hat. Finanztest stellt die besten Fonds vor und sagt, für welche Anleger sie sich eignen.

Die flexiblen Mischfonds sind eine Art Vermögensverwaltung für Kleinanleger. Im Idealfall reagiert der Fondsmanager unverzüglich, wenn sich an den Aktienmärkten der Wind dreht und hält entweder 100 Prozent oder gar keine Aktien. Da Fondsmanager nicht hellsehen können, ist das natürlich keine realistische Forderung. Anleger sind schon zufrieden, wenn ein Fonds die unvermeidlichen Kursschwankungen gering hält und langfristig besser läuft, als der Markt, an dem er sich orientiert.

Finanztest hat flexible Mischfonds bei den Aktienfonds Welt eingruppiert, da sie zeitweise vollständig in Aktien anlegen und sich üblicherweise auch an den Renditen der Aktienmärkte messen. Das unterscheidet sie von Mischfonds mit festgelegter Aktien- und Rentenquote, die ein geringeres Risiko eingehen und niedrigere Renditeziele haben (siehe „Klassische Mischfonds“).

Die österreichische Gesellschaft C-Quadrat bezeichnet zwar beispielsweise ihre beiden flexiblen Mischfonds als Total-Return-Fonds, die „in allen Marktphasen einen absoluten Wertzuwachs“ anstreben. Eine ähnliche Zielsetzung findet sich in vielen Fondsbeschreibungen. Doch fast alle waren die meiste Zeit überwiegend an Aktienmärkten engagiert.

Gegen den Markt gewonnen

Die Berater des Dachfonds SMS Ars selecta verließen sich aber nicht nur auf ihre herkömmlichen Aktienfonds. Immer wieder mischten Norbert Malburg und Stefan Wiegelmann Anteile an Short-Fonds auf den Dax oder den Euro Stoxx 50 dazu. Diese Fonds steigen im Wert, wenn der Bezugsindex fällt. Das hilft in schlechten Phasen, die Verluste an anderer Stelle zu begrenzen.

Die Berater des SMS Ars selecta verfolgen generell eine, wie sie sagen, „konservative“ Strategie und federn die Risiken der Aktienfonds in wechselhaften Börsenphasen vor allem durch Geldmarktfonds ab. So konnten Anleger ruhig schlafen. Der höchstmögliche Verlust in den vergangenen fünf Jahren war mit knapp 22 Prozent für einen Aktienfonds sehr moderat.

Hauptsache wenig verloren

Auch die anderen flexiblen Mischfonds aus der Spitzengruppe zeichnen sich vor allem durch ihre relativ geringen Verluste aus. Kaum einer hat mehr als 30 Prozent eingebüßt, viele sind sogar deutlich unter 20 Prozent minus geblieben.

Zum Vergleich: Die meisten klassischen Aktienfonds Welt haben von ihren Höchstständen mindestens 40 bis 50 Prozent verloren. Der wichtigste Vergleichsindex, der MSCI Welt von Morgan Stanley, hat sich seit Ende 2006 im Wert halbiert.

Für globale Aktienfonds ist es wichtiger, eine Börsenkrise glimpflich zu überstehen als in steigenden Märkten von Anfang an dabei zu sein. Oder wie es Werner Dlugosch ausdrückt: „Die größte Gefahr liegt darin, einen Abschwung nicht rechtzeitig zu erkennen. In einen Bullenmarkt findet man immer hinein.“ Als Bullenmärkte bezeichnen Börsenprofis jahrelang anhaltende Aufwärtstrends an den Aktienmärkten.

Die geringsten Wertschwankungen unter den flexiblen Mischfonds hat der Multi Invest OP. Mit einem maximalen Verlust von nur 7,2 Prozent erinnert er eher an einen Renten- als an einen Aktienfonds. Doch seine Rendite in den vergangenen fünf Jahren ist mit durchschnittlich 6 Prozent pro Jahr weitaus besser als die von klassischen Rentenfonds.

Der Multi Invest ist zwar ein Dachfonds, doch er hält seit geraumer Zeit überhaupt keine Fonds mehr, sondern hat das Geld vollständig am Geldmarkt geparkt. Für den Fondsberater Carsten Baukus ist das angesichts der immer noch schwelenden Börsenkrise das beste Konzept: „Wer jetzt investiert, will einen sicheren Fonds“.

Als er das sagte, Mitte April, war die Zeit für seinen Wiedereinstieg in den Aktienmarkt noch nicht reif. Das leitete Baukus aus seiner Analyse ab. Er verlässt sich wie einige andere Fondsstrategen auf sogenannte technische Kaufsignale. Erst wenn sich die Märkte beruhigt haben und einen deutlichen Aufwärtstrend zeigen, gehen seine Ampeln auf Grün.

Beim Multi Invest entscheidet ein Computerprogramm über den Ein- und Ausstieg aus Aktienfonds. Um das Risiko möglichst breit zu streuen, investiert der Fonds in keinen Einzelmarkt mehr als 10 Prozent des Fondsvermögens.

Kleine Gesellschaften dominieren

Der Multi Invest gehört mit einem Volumen von über einer halben Milliarde Euro zu den größeren seiner Art. Die meisten der aktuellen Top-Fonds haben ihren Ursprung in kleinen Vermögensverwaltungen oder Finanzgesellschaften, die dem Normalanleger unbekannt sind.

Die Fondsgesellschaft, die den Fonds offiziell verwaltet, ist übrigens selten auch für seine inhaltliche Ausrichtung zuständig. Die Fähigkeiten der Fondsberater von außen entscheiden letztlich über Erfolg oder Misserfolg des Fonds. So auch bei unserem aktuellen Spitzenreiter, der von Axxion verwaltet und von Werner Dlugoschs Firma InCapital beraten wird.

In der Tabelle auf Seite 30 nennen wir die Fonds- und Beratungsgesellschaften. Anleger, die in einen dieser Fonds investieren wollen, sollten sich vorher gründlich über sein Konzept informieren. Das geht am besten über die in der Tabelle aufgeführten Internetadressen.

Auf die Auswahl kommt es an

Dass Anleger bei der Auswahl eines flexiblen Mischfonds höllisch aufpassen müssen, zeigt die Entwicklung der beiden Flatex-Fonds Vermögensaufbau HAIG I und DAC-Dynamis-Universal. Sie stehen in der Finanztest-Bewertung ganz weit hinten und sind deshalb in der Tabelle der besten nicht aufgeführt.

Dabei verfolgen sie sehr ambitionierte Ziele. So steht im monatlichen Datenblatt (Factsheet) des Vermögensaufbau-Fonds, dass Fondsberater Bernd Förtsch eine durchschnittliche Rendite von 15 (!) Prozent pro Jahr anpeilt. Finanztest hat diese Zielsetzung schon vor Jahren als unrealistisch kritisiert.

Die tatsächliche Wertentwicklung des Fonds spricht seinen Vorgaben Hohn. In den vergangenen fünf Jahren hat er durchschnittlich 14,7 Prozent pro Jahr eingebüßt. Schlechter ist keiner der von uns untersuchten Aktienfonds Welt gelaufen.

Mit seiner teilweise sehr spekulativen Aktienmischung war der Vermögensaufbau-Fonds nur in der steilen Aufwärtsbewegung der Börsen erfolgreich. Als die Kurse einbrachen, zog das Management nicht etwa die Notbremse, sondern ließ die vorher erzielten Gewinne den Bach runtergehen.

Eine vergleichbare Katastrophe wie mit dem Vermögensaufbau-Fonds erlebten Anleger mit dem DAC-Dynamis-Universal.

Kein vollwertiger Ersatz

Unabhängig von ihrer Qualität sind flexible Mischfonds kein vollwertiger Ersatz für herkömmliche Aktienfonds. Anleger, die ein Depot nach ihren eigenen Risikovorstellungen aufbauen wollen, tun das besser mit klassischen Aktienfonds Welt. Je mehr Zinsprodukte sie dazumischen, desto sicherer wird das Depot.

Investmentfonds, die selbst eine Vermögensverwaltung im Kleinen sind und zeitweise zu 100 Prozent in festverzinsliche Papiere anlegen, lassen sich in dieses Konzept schlecht einbauen.

Anleger können natürlich hoffen, dass ihr flexibler Mischfonds im Börsenboom wieder vollständig in Aktien investiert, aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Klassische Aktienfonds sind berechenbarer. In jeder Hinsicht: Wenn die Aktienkurse wieder einmal einbrechen, sind die Anleger voll mit dabei.

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