Interview: Ethisch essen

Fleisch und Skandale Meldung

Georg Schweisfurth ist der Sohn des ehemaligen Herta-Produzenten Karl-Ludwig Schweisfurth. Der gelernte Metzger studierte BWL und gründete Basic Bio.

Ökologische Landwirtschaft schont nicht nur Tiere und Umwelt, sondern sorgt auch für bessere Fleischqualität.

Ihr Vater hat 1984 die größte Wurstfabrik Europas verkauft. Warum wollten Sie und Ihre Geschwister das Unternehmen Herta nicht übernehmen?

Es gab damals heftige Diskussionen in der Familie. Wir haben kritisiert, wie die Tiere in der Massenhaltung leben: eingepfercht in engen, stinkenden Ställen, auf Spaltenböden, durch die Kot und Urin in eine Grube fallen. Natürlich gab es da viele Krankheiten. Dann musste man Medikamente spritzen, oft auch Antibiotika.

Ihre Familie hat später einen Hof nach ökologischen Kriterien aufgebaut. Was machen Sie anders? 

Die Tiere leben bei uns so, wie es ihrer Natur entspricht. Sie haben ausreichend Platz im Stall, Auslauf im Freien, können sich wälzen und scharren, wie sie wollen. Sie haben Zeit zu wachsen. Wir füttern hauptsächlich Gras und Getreide, das wir auf unserem Hof anbauen. Genfutter und Wachstumsspritzen sind tabu. Wir züchten robuste Rassen, die das Leben draußen aushalten und wenig Medikamente brauchen.

Was hat der Verbraucher davon?

Zunächst einmal die Garantie, dass das Tier auf seinem Teller ethisch anständig gehalten wurde. Wenn ich ein Tier in den Tod befördere, um es zu essen, dann muss ich ihm doch vorher ein würdevolles und vernünftiges, also artgerechtes Leben bieten. Außerdem hat das Fleisch von Bio-Tieren eine höhere Qualität. Die Muskeln enthalten hochwertigeres, intramusku­läres Fett. Dadurch schmeckt das Steak besser und liefert dem Körper auch noch mehr gesunde, ungesättigte Fettsäuren als konventionelles Fleisch. Außerdem braucht der Mensch keine Angst vor Rückständen von Medikamenten zu haben.

Fleisch wird immer günstiger. Warum ist Biofleisch so teuer?

Die Tiere leben länger, nehmen mehr Platz weg, machen mehr Arbeit und kriegen besseres Futter. Das kostet. Bei dem Preisdruck, der auf dem konventionellen Fleischmarkt herrscht, lohnt es sich gar nicht, diese Qualität zu produzieren. Und wir müssen ja auch nicht jeden Tag Fleisch essen. Unser Fleischkonsum ist zu hoch. Wenn wir weniger, aber besseres Fleisch essen würden, könnten wir die Haltungsbedingungen für die Tiere verbessern und durch schonende Landwirtschaft die Erde wieder fruchtbarer machen.

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