Fleckentferner Test

Von 27 Pulvern, Salzen, Sprays und Gelen ist nur ein Produkt „gut“. Und auch das entfernt Flecken nicht besser als ein normales Vollwaschmittel.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test:Fleckentferner

Sie sind erst seit ein paar Jahren auf dem Markt, haben aber dank massiver Werbeoffensive in kürzester Zeit aus der Nische diverser TV-Shoppingkanäle ins Stammsortiment fast aller großen Anbieter von Wasch- und Reinigungsmitteln gefunden. Ob Rotwein, Make-up oder Motoröl – Oxi-Multifleckentferner helfen immer, so die Botschaft. Doch der Absatz stagniert inzwischen schon wieder. Was auch daran liegen mag, dass die Alleskönner doch nicht so viel können. Wie unser Test zeigt, kann man sich Universalfleckentferner in der Regel sparen. Ein normales Vollwaschmittel ist besser – und billiger.

Marketingerfolg mit „Oxi-Power“

Der Boom der vermeintlichen Wundermittel ist vor allem ein Marketingerfolg. Schlagworte wie „Oxi-Power“, „Oxi-Action“ oder „Oxi-Energy“ haben ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Dabei rührt der Namenszusatz „Oxi“ allein daher, dass diese Mittel während der Anwendung sogenannten Aktivsauerstoff freisetzen, der Farbflecken mittels Oxidation auf chemischem Wege bleichen kann. Neu ist das nicht: Vollwaschmittel enthalten seit langem Bleichmittel auf Basis von Aktivsauerstoff.

Neu ist allerdings, die Bleichwirkung als das A und O moderner Fleckentfernung zu vermarkten. Dabei kann Bleiche allein kaum etwas ausrichten. Denn Flecken bestehen in der Regel nicht nur aus Farbstoffen, sondern aus einem bunten Gemisch von Farbstoffen, Eiweißen, Fetten, Ölen, Pigmenten, Stärke und Verdickungsmitteln. Um solchen Mischflecken beizukommen, müssen vor allem Enzyme ran (siehe „Kleine Fleckenkunde“). Und auch Tenside, die Basiswirkstoffe her­kömmli­cher Waschmittel, sind notwendig: Sie sorgen dafür, dass sich die Fett- und Schmutzreste während der Wäsche überhaupt in Wasser lösen können.

Welches der drei Mittel – Bleiche, Enzyme, Tenside – ein Fleckentferner bereithält, ist unterschiedlich. Die von uns getesteten Produkte bieten je nach Art der Darreichung verschiedene Kombinationen. Universalfleckenmittel gibt es in mehreren Anwendungsformen: Pulver und Salze werden meist einfach zum normalen Waschmittel dazugegeben, Sprays dienen zur Fleckenvorbehandlung vor der Wäsche und Gele sowohl zur Vorbehandlung als auch als Waschzusatz. Sauerstoffbleiche enthalten fast alle Fleckentferner, egal ob Pulver, Spray oder Gel. Daher tragen die meisten auch ihr werbewirksames „Oxi“ im Namen. Tenside sind ebenfalls allen Fleckentfernern beige­fügt. Enzyme dagegen finden sich in der Regel nur in Pulvern und Salzen, in Sprays und Gelen fehlen sie meistens.

Doch ohne Enzyme lassen sich stärkehaltige Flecken wie etwa Tomaten-, Curry- oder Bratensoße sowie eiweißhaltige Flecken wie Kakao, Gras oder Blut kaum richtig entfernen. Das heißt, die meisten Sprays und Gele haben hier von vornherein schlechte Karten. Das hat sich auch im Test bestätigt: Eiweiß- und stärkehaltige Flecken entfernen Sprays und Gele allenfalls „ausreichend“, teilweise „mangelhaft“. Aber auch Pulver und Salze sind mit ihrem Enzymcocktail nicht immer wirksam im Kampf gegen Eiweiß und Stärke. Zwar gab es in dieser Fleckenkategorie etliche „gut“ wirksa­me Pulver, viele aber konnten trotz der Enzyme nur wenig ausrichten (siehe Tabelle).

Sprays und Gele sind nicht „gut“

Auch die Sauerstoffbleiche muss oft passen. Obwohl in fast allen Mitteln enthalten, war sie nur in einigen Pulvern und Salzen kräftig genug, um „gut“ gegen bleichbare Flecken wie Kaffee, Rotwein oder Kirschsaft anzukommen. Die Sprays und Gele waren trotz der Oxi-Komponente auch in dieser Fleckengruppe nicht wirklich erfolgreich – bestenfalls „befriedigend“. Anders gesagt: Sprays und Gele sind in keinem Fall „gut“.

Vollwaschmittel kann es am besten

Fleckentferner Test

Beispiel Lippenstift:Zu sehen ist der unbehandelte Fleck, ein schlechtes, ein mäßiges und ganz rechts ein gutes Reinigungsergebnis.

Fett-, öl- und pigmenthaltige Flecken wie Motoröl, Lippenstift oder Gartenerde bereiteten den Fleckentfernern die größten Schwierigkeiten. Hier versagten auch die meisten Pulver und Salze. Nur ein einziges Produkt schaffte ein „gutes“ Ergebnis: Sil 1-für-Alles Fleckensalz. Damit liegt das Sil Fleckensalz im Test vorn, weil es auch mit eiweiß- und stärkehaltigen sowie bleichba­ren Flecken „gut“ zurechtkam.

Trotzdem ist auch dieses „Gut“ kein unschlagbares Ergebnis. Denn wir haben zum Vergleich alle Flecken auch mit einem normalen Vollwaschmittel bei 40 Grad gewaschen. Und selbst das beste Fleckenmittel im Test entfernt die Flecken nicht so gut wie das Vollwaschmittel. Darüber hinaus kostet das Sil 1-für-Alles Fleckensalz pro Anwendung knapp 50 Cent – plus Waschmittelkosten für die normale Wäsche. Ein Waschgang mit einem Vollwaschmittel schlägt dagegen mit etwa 10 bis 25 Cent zu Buche. Hinzu kommt, dass die meisten der getesteten Fleckentferner die Gewässer zwar nicht mehr als ein normales Waschmittel belasten, so aber doch unnötigerweise, weil sie ja kaum etwas bewirken.

Der einzige Vorteil, den Sil Fleckensalz zusammen mit flüssigem Colorwaschmittel gegenüber dem Vollwaschmittel erkennen lässt, ist eine etwas bessere Farbschonung. Fleckentfernung ist grundsätzlich eine Gratwanderung. Um gegen Farbflecken zu wirken, muss Bleiche ran. Zu starke Bleichmittel aber schädigen auch die Farbe des Textils selbst. Im Test ist gut zu sehen: Je besser die Farbschonung, desto schlechter die Bleichwirkung. Und umgekehrt: Je besser das Fleckenmittel wirkt, desto stärker greift es die Farben an. Vollwaschmittel sind für Weißwäsche gedacht und bleichen daher sehr kräftig: Die Farbschonung wäre im Test mit „ausreichend“ benotet worden – eine Note schlechter als Sil. Wer also häufig Flecken aus Farbtextilien entfernen muss, arbeitet mit Sil Fleckensalz ein wenig schonender. Bei ein- oder zweimaliger Anwendung wird zwischen Vollwaschmittel und Sil aber kaum ein Unterschied zu bemerken sein – außer im Preis.

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