Fitnessstudios Meldung

Das Fitnessstudio ist für manchen Sportler wie ein zweites Zuhause. Doch wer aussteigen will, wird oft mit dubiosen Vertragsklauseln gehindert.

Mein Fitnesscenter hat ausgerechnet den Bauch-Bein-Po-Kurs gestrichen, dabei bin ich nur deswegen dort. Kann ich aus dem Vertrag raus?“ Mit ihrem „BBP-Problem“ ist test-Leserin Kirsten S. nicht allein. Viele binden sich mit einem langfristigen Vertrag an ein Studio. Doch was, wenn sich die Öffnungszeiten ändern, der Gerätepark ausgedünnt wird, das Studio umzieht oder wenn die Kundin schwanger wird? Einen vorzeitigen Ausstieg akzeptieren viele Studios nicht, gern mit Verweis auf mysteriöse Vertragsklauseln – oft zu Unrecht, wie Gerichte feststellen.

Darf ich den Vertrag kündigen, wenn es meinen Kurs nicht mehr gibt?

Im Fall von Kirsten S. ist die Sache klar. Für die Geräte hat sie sich kaum interessiert, sie ging fast nur zum „BBP“ und hat das schon beim Vertragsabschluss so gesagt. Zwar hat sie nichts Schriftliches, aber ihre Freundin kann das bezeugen. Da hilft es dem Studio nicht, dass im Vertrag steht: „Änderungen vorbehalten“. Diese Klausel ist viel zu pauschal, sie würde ja selbst bei wesentlichen Streichungen greifen, zum Beispiel wenn der komplette Wellnessbereich schließt. Deshalb ist sie unwirksam (Landgericht Heidelberg, Az. 5 O 137/98). Der BBP-Kurs war für Kirsten S. wesentlich, also darf sie den Vertrag beenden.

Anders wäre es, wenn sie verschiedene Kurse besucht hätte und „BBP“ für sie nicht entscheidend war. Es kommt immer darauf an, ob die Änderung den Kunden wesentlich beeinträchtigt. Wer immer nur zum Aerobic geht, kann es verschmerzen, wenn irgendwann einer der Bauchtrimmer fehlt.

Um sicherzugehen, kann man schon in den Vertrag schreiben, welcher Kurs, welcher Trainer oder welche Geräte wichtig sind. Falls es dann Streichungen gibt, ist eine Kündigung auf jeden Fall möglich.

Welche Gründe zählen für einen vorzeitigen Ausstieg?

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Schwangere dürfen den Vertrag für ein Jahr unterbrechen.

Für einen vorzeitigen Ausstieg ist ein wichtiger Grund nötig, zum Beispiel Krankheit, Schwangerschaft, Umzug oder Wehrdienst. Dann müssen Sportler nicht einmal eine Kündigungsfrist einhalten. Allerdings müssen sie, sobald sie den Kündigungsgrund kennen, innerhalb von zwei Wochen im Studio Bescheid geben.

Wer dauerhaft sportuntauglich ist, muss also nicht weiter die Studiobeiträge zahlen. Eine ernsthafte Erkrankung gilt als Grund (Oberlandesgericht Frankfurt, Az. 6 U 164/93), allerdings muss sie dauerhaft sein und nicht nur vorübergehend (OLG München, 29 U 4222/94). Das gilt auch, wenn es im Vertrag heißt: „Der Beitrag ist auch zu zahlen, wenn das Mitglied die Einrichtungen nicht nutzt“ (Bundesgerichtshof, Az. XII ZR 55/95) oder das Kündigungsrecht bei Krankheit ausgeschlossen wird, zum Beispiel „Krankheit entbindet nicht von der Zahlungspflicht“ (Amtsgericht Frankfurt/Main, Az. 32 C 3558/96–19).

Allerdings darf das Studio ein nachvollziehbares Attest verlangen, in dem steht, wie lange und inwieweit gesundheitliche Gründe vorliegen (LG Hamburg, Az. 313 S 77/90). Eines vom Hausarzt reicht, es sei denn der Vertrag sieht einen Facharzt vor (AG Rastatt, Az. 1 C 19/02). Ein amtsärztliches Attest darf das Studio nicht fordern.

Schwangerschaft: Hier sind die Gerichte nicht ganz einig, ob die Sportlerin den Vertrag sofort beenden darf (OLG München, Az. 29 U 4222/94), oder ob sie nur für ein Jahr unterbrechen darf, ohne in dieser Zeit zu zahlen – wobei der Vertrag sich aber nicht um diese Unterbrechungszeit verlängert, sondern zum vorgesehenen Termin endet (AG Itzehoe, Az. 56 C 1402/99).

Wehrdienst: Soldaten geht es ähnlich wie Schwangeren, die außerordentliche Kündigung darf nicht verweigert werden (OLG Hamm, Az. 17 U 2/91). Der Vertrag kann ruhen. Ist eine spätere Fortsetzung unzumutbar, kann der Kunde immer noch kündigen.

Umzug: Auch wenn das Studio umzieht, dürfen Sportler außerordentlich kündigen (OLG Hamm, Az. 17 U 109/91), selbst wenn dies im Vertrag ausgeschlossen wird oder wenn das Studio nur im Stadtgebiet umzieht (OLG Frankfurt, Az. 1 U 207/98).

Kunde zieht um: Viele Gerichte sehen das auch so, wenn der Kunde selbst umzieht (AG München, Az. 212 C 15699/08). Ein wenig weitere Anfahrtswege muss er aber in Kauf nehmen (OLG Frankfurt, Az. 6 U 164/ 93). Schwierig wird es, wenn sich der Anfahrtsweg um 20 bis 50 Kilometer verlängert, da gibt es unterschiedliche Urteile von Amtsgerichten. Doch eine Vertragsklausel, die 50 Kilometer für zulässig erklären will, darf der Kunde getrost ignorieren (LG Düsseldorf, Az. 12 O 190/90).

Inhaberwechsel: Wenn Geräte und Kurse bleiben und es keine Qualitätseinbußen gibt, sieht das Landgericht Stuttgart keinen Grund für einen Ausstieg (Az. 5 S 199/ 06).

Zeiten: Die Trainingszeiten sind für Kunden entscheidend. Daher darf das Studio sich nicht vorbehalten, sie zu ändern. „Wesentliche Änderungen der Zeiten, durch die die Trainingsmöglichkeiten eingeschränkt werden, berechtigen zur Kündigung“, erklärt Rechtsanwältin Carolin Uhrig von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Urlaub: Unzulässig ist eine Klausel, nach der Sommerferien des Studios den Vertrag automatisch verlängern (OLG Hamm, 17 U 165/90). Wenn hingegen der Kunde Ferien macht, lassen manche Studios es zu, dass diese Zeit an den Vertrag angehängt wird. Verpflichtet sind sie dazu aber nicht.

Tipp: Dies können Sie in den Preisverhandlungen bei Vertragsabschluss anführen, wenn das Studio keinen Rabatt geben will.

Darf das Studio Verträge mit zwei Jahren Laufzeit anbieten?

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Falls ein Vertrag vorsieht, dass Sportler keine eigenen Getränke mitbringen dürfen, ist das unwirksam.

Sechs Monate Laufzeit sind okay, entschied der Bundesgerichtshof (Az. XII ZR 193/95). Doch wenn es mehr sein sollen, wird es kritisch. Die Obergrenze liegt bei zwei Jahren, mehr lässt das Gesetz nicht zu. Aber sie ist kein Freifahrtschein, sondern juristisch strittig und einigen Gerichten zu lang. Auch eine einjährige Laufzeit kann schon unwirksam sein. Überzieht ein Fitnessstudio die Zweijahresfrist, ist auf jeden Fall Schluss (AG Aachen, Az. 11 C 70/07). Der Vertrag gilt dann als unbefristet und kann mit der üblichen Frist gekündigt werden: ein Monat oder drei Monate, je nachdem ob er eher als Dienstleistungs- oder als Mietvertrag angelegt ist. Oft erkennen Gerichte auf einen typengemischten Vertrag mit einem Monat Frist. Andere wenden auch gegen drei Monate Frist nichts ein. Dann sind aber Klauseln nicht erlaubt, nach denen die Kündigung nur zum Quartalsende erfolgen darf (LG Potsdam, Az. 3 O 509/96). Auch eine Klausel, nach der nur einmal jährlich zu einem bestimmten Termin gekündigt werden darf, ist unwirksam (AG Dortmund, Az. 132 C 10555/98).

Welche Formalien muss ich bei der Kündigung beachten?

Die Anbieter dürfen im Kleingedruckten verlangen, dass die Kündigung schriftlich erfolgt. Mündlich oder per Fax geht dann nicht. Doch wenn es ein Einschreiben sein soll, ist das unwirksam (BGH, Az. IX ZR 92/84). Aus Beweisgründen empfiehlt sich dennoch ein Einschreiben. Alternative: den Brief hinbringen und sich die Abgabe quittieren lassen. Oder einen Freund schicken, der im Streitfall als Zeuge bereitsteht.

Klauseln wie: „Der Vertrag verlängert sich um weitere sechs Monate, wenn er nicht gekündigt wird“ sind übrigens wirksam (BGH, Az. XII ZR 193/95), aber nur maximal für ein Jahr. Soll es mehr sein, ist die Klausel unwirksam, und der Vertrag endet zum ursprünglich vereinbarten Termin.

Und wenn das Studio nicht gefällt?

Wegen Nichtgefallens zu kündigen, geht nicht. Es gibt bei Fitnessstudios kein generelles Rücktrittsrecht wie etwa die 14-tägige Widerrufsmöglichkeit im Internet. Wer unterschrieben hat, bleibt daran gebunden.

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