Für Jahresbeiträge zwischen 220 und 1 840 Euro bieten Studios gute Geräte, zum Teil auch vielfältige Kurse. Doch im Trainingsalltag werden Kunden häufig alleingelassen.

Schneller, stärker oder schlanker werden – mit fachkundiger Unterstützung und beim Training im Trockenen: Fitnessstudios locken mit Sport für Geübte und Bewegung für Anfänger. Welches ist das Beste im ganzen Land? Unsere Tester hatten keine Zweifel: „Ein absolut empfehlenswertes Studio, es ist ein Bemühen um den Kunden erkennbar“, beschreibt eine 36-jährige Berlinerin ihre Erfahrungen in einem Studio der Kette Meridian Spa. Ein 54-jähriger Hamburger urteilt ähnlich: „Für mich ein Studio der Superlative. Das Ambiente ist toll, man fühlt sich fast wie im Urlaub.“

Die gefühlte Qualität wurde durch die harten Fakten bestätigt. Nachdem wir für jede der acht Fitnessstudioketten im Test über tausend Einzelinformationen zu Geräten, Räumen und den Aussagen von Trainern, Kursleitern und Empfangspersonal ausgewertet hatten, war das Ergebnis eindeutig: Als einziges „gutes“ Studio lag Meridian Spa einsam an der Spitze.

Die Hälfte „ausreichend“

Drei andere Fitnessstudioketten – Injoy, Health City und Kieser – schnitten „befriedigend“ ab, die Hälfte der getesteten Studios – Elixia, Holmes Place, Fitness First und McFit – schafften es nur mit einem „Ausreichend“ ins Ziel (siehe Testtabelle).

Für den Test meldeten sich in unserem Auftrag elf Männer und Frauen zwischen 20 und 54 Jahren in insgesamt 24 Studios acht großer Fitnessketten an, unter anderem in Hamburg und Berlin, Köln und München. Die Studioneulinge suchten sportlichen Ausgleich für den Alltag, wollten Beweglichkeit und Kondition verbessern, Muskeln und Rücken stärken oder Übergewicht reduzieren. Dabei sollten die Fitnessexperten der Studios sie mit einem geeigneten Trainingsplan unterstützen – so unsere Erwartungen – und sie in die Nutzung von Ausdauer- und Kraftgeräten einweisen. Bei wiederholten Testbesuchen, die auf das Einführungstraining folgten, sollten Trainer auch im Studioalltag verfügbar sein und den Fitnesskunden mit Trainingstipps oder Korrekturen zur Seite stehen.

Nur eine „sehr gute“ Einführung

Eine „sehr gute“ Trainingseinführung schaffte nur Testsieger Meridian Spa. Ehe es auf den Geräte-Parcours ging, erkundigten die Trainer sich nach den Trainingszielen der Neulinge, erfassten das Alter, machten sich ein Bild von ihrer Fitness und fragten außerdem nach gesundheitlichen Problemen. Denn wer unter bestimmten Erkrankungen leidet oder Medikamente einnimmt, sollte sein Training darauf einstellen, eventuell sogar manche Geräte oder Trainingsformen meiden.

Im Mittelpunkt der Einführung standen aber die sportlichen Aktivitäten und der Trainingsplan. Die Trainer erklärten die Handhabung von Ausdauer- und Kraftgeräten, demonstrierten das korrekte Training und machten Vorgaben für Trainingsdauer und Gewichte. „Die Trainerin war mit Herz dabei“, berichtet einer unserer Tester von Meridian Spa, „sie war sehr engagiert und für alle Fragen offen.“

An den schriftlichen Trainingsplänen lässt sich erkennen, dass Meridian Spa sich offenbar bemüht, den gründlichen Eingangs-Check und die Angaben der Kunden als nachvollziehbare Grundlage für die Trainingsvorgaben zu nutzen. Eine „gute“ Trainingseinführung boten sonst nur noch Injoy und Health City. Die Injoy-Studios ermittelten teilweise sogar den Blutdruck oder machten einen Ausdauer-Stufentest.

Trainingspläne ohne Grundlage

In den meisten anderen Studios scheinen die Trainingspläne vor allem auf den kreativen Einschätzungen der Trainer zu beruhen, denn es ist kaum zu erkennen, warum welche Empfehlungen gegeben werden. Eingangstests, zum Beispiel Ausdauer- oder Krafttests, die als Grundlage dienen könnten, machten die wenigsten Studios. Teilweise erhoben die Trainer beim Einführungstermin nicht einmal einfache Daten, wie Körpergröße und Gewicht, zum Beispiel bei Holmes Place, Kieser und McFit.

Zwar liegen die Vorgaben für das Krafttraining mit 12 bis 20 Wiederholungen und zwei bis drei Durchgängen („Übungssätzen“) in fast allen Trainingsplänen im erwartbaren Rahmen und sind für Anfänger angemessen. Wie zufällig manche Empfehlungen jedoch sind, zeigt sich vor allem beim Ausdauertraining: Die angegebenen Trainingszeiten reichen von höchstens 15 Minu­ten bei Elixia – zu niedrig für bedeutsame Trainingseffekte – bis 40 Minuten bei McFit oder sogar 60 Minuten in einem Studio von Fitness First – beides sinnvolle Vorgaben. Zudem sind viele Pläne unübersichtlich. Der sonst nur „ausreichende“ Trainingsplan von McFit macht vor, wie es besser geht: ein Computerausdruck gibt Hinweise, welche Muskelgruppen mit einem Gerät trainiert werden und wie der Nutzer alternative Geräte findet.

Im Trainingsalltag alleingelassen

Im laufenden Studioalltag versagte McFit allerdings komplett – die Trainingsbetreuung war „mangelhaft“, ebenso wie bei Holmes Place und Fitness First. Wenn auf der Trainingsfläche Trainer nicht verfügbar sind oder keine regelmäßigen Rundgänge durch den Kraft- und Ausdauerbereich machen, fühlen sich Studioneulinge wie unsere Tester alleingelassen. Deshalb würden sie keines der geprüften McFit-Studios weiterempfehlen. Einhelliges Urteil: „McFit ist für Personen geeignet, die sich mit Fitness gut auskennen und ihr Training ohne Trainer absolvieren können.“

Die kontinuierliche Betreuung der Fitnesskunden war übrigens das größte Problem aller Studios. Doch immerhin erwiesen sich einige Trainer als kompetent, wenn sie direkt um Rat gefragt wurden, so etwa im Meridian Spa, bei Health City und Kieser. „Sehr gut“ reagierten sie sogar bei Injoy auf die Schilderung gesundheitlicher Beschwerden, zum Beispiel Kribbeln oder Krampf im Bein während einer Kraftübung oder Schwindelgefühle beim Ausdauertraining. Sie erkundigten sich ausführlich nach Details, boten Hilfe an oder zeigten Trainingsalternativen auf.

„Mangelhaft“ war dagegen die Trainerkompetenz im Holmes Place, hier wurde beispielsweise nur eine kurze Pause oder unpassenderweise gar ein Raucherentwöhnungsprogramm empfohlen.

Viele gute Geräte

Positiv fiel dagegen bei fast allen Studios die Ausstattung mit zahlreichen und unterschiedlichen Ausdauer- und Kraftgeräten auf. Schautafeln an den Geräten zeigen den Bewegungsablauf der Übungen und welche Muskeln trainiert werden.

In den Kursen – etwa Step-, Pilates-, Langhantel- und Spinning-Kurse – war die Betreuung generell „gut“ oder „befriedigend“. Die Kursleiter erkundigten sich nach der Kondition der Teilnehmer oder schlugen sogar spezielle Anfängerübungen für die Neulinge vor. Die Kursräume kamen bei den Testern aber nicht immer gut an, mal waren während des Entspannungskurses aus dem Nachbarraum laute Nebengeräusche vom Spinning zu hören, mal wurden Spiegelsäulen mitten im Raum als einengend empfunden. Nicht in allen Studios gab es Kursräume mit großen Fenstern, Tageslicht und Frischluft.

Von 17 Euro bis 100 Euro monatlich

Große Unterschiede zwischen den einzelnen Studioketten gibt es bei den Preisen. Bei McFit können Kunden schon für rund 17 Euro im Monat trainieren. Die teuersten Studios im Test verlangen dagegen um 100 Euro. Sie bieten allerdings auch umfangreichere Leistungen, beispielsweise bis zu 150 Kurse pro Woche, einen großen Wellnessbereich – etwa im Meridian Spa – oder Schwimmbecken bei Holmes Place.

Bei mehr als der Hälfte der Studios gab es keine verbindlichen Preislisten. Nur Meridian Spa, Kieser und McFit boten eine „sehr gute“, Elixia eine „gute“ Preistransparenz. „Mangelhafte“ Preispolitik betreibt Holmes Place. Preise werden nicht veröffentlicht, und zum Teil entstand der Eindruck, sie seien frei verhandelbar. Deutliche juristische Mängel fand unser Sachverständiger in den Verträgen von Health City (siehe „Der Vertrag“).

Vertragsdauer

Je kürzer die Laufzeit des Erstvertrags ist, um so besser ist die Möglichkeit, im Alltag auszuprobieren, ob das Fitnessstudio die Erwartungen erfüllt. Die kürzeste reguläre Laufzeit bieten Meridian Spa und Elixia mit einem Monat und Fitness First mit zwei Monaten an. Die Mitgliedsbeiträge sind zwar höher als bei einer längerfristigen Bindung ans Studio. Aber letztlich zahlt es sich aus, erst einmal festzustellen, ob einem das Angebot überhaupt zusagt. Zum Vertragsabschluss drängen lassen sollte sich niemand. In einigen Fitnessstudios gilt eine Rücktrittsfrist von 7 bis 14 Tagen – also in den ersten Wochen intensiv trainieren.

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