Interview: Hantel oder Kraftgerät?

Fitnessstudios Test

Professor Tim Meyer leitet das Institut für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Uni. Seine Spezialgebiete: Konditionstraining, Leistungsdiagnostik, Gesundheitssport und Sporttherapie.

Was ist besser – Muskeltraining an Geräten oder mit Hanteln?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Mit Gerätetraining lassen sich einzelne Muskeln oder Muskelgruppen gezielt ansprechen, und die Führung der Geräte bietet einen gewissen Schutz vor fehlerhafter Ausführung. Für Anfänger sind sie deshalb besser geeignet. Andererseits kommen „freie“ Bewegungen mit der Hantel dem Alltag und der normalen Beteiligung vieler Muskel­gruppen an Alltagsbewegungen näher. Fortgeschrittene werden also vermehrt Hantelübungen im Training verwenden. Dennoch ist eine fachgerechte Einführung durch qualifizierte Trainer wohl in beiden Fällen unentbehrlich.

Reicht ein einzelner Durchgang an jedem Kraftgerät?

Es ist gut dokumentiert, dass auch einzelne Übungssätze zu Kraftzuwächsen führen. Die Zuwächse sind aber geringer als bei mehreren Sätzen. Je trainierter eine Person ist, desto eher wird sie mehrere Sätze für ordentliche Trainings­fortschritte benötigen. Es gibt auch noch die Möglichkeit, dass man zwar mit einzelnen Sätzen arbeitet, sich aber die beanspruchten Muskelgruppen der einzelnen Übungen überlappen. Das ist eine Art Mischform dieser beiden Trainingsorganisationen.

Wie lässt sich das Krafttraining weiter variieren?

Wer gut trainiert ist, kann neben Freihanteltraining auch andere Trainingsformen ohne Geräte hinzunehmen. So können Sprung- und Koordinationsübungen Abwechslung und Trainingsfortschritte bringen.

Wie unterscheiden sich die einzelnen Ausdauergeräte?

Der wesentlichste Unterschied liegt in der angesprochenen Muskulatur. Während alle Arten der Fahrradergometrie vorwiegend die Beinmuskulatur beanspruchen, kommt beim Laufband, Ruderergometer und Crosstrainer in unterschiedlichem Maß die Oberkörpermuskulatur hinzu. Je mehr Muskelmasse im Einsatz ist, desto höher ist die Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems – und das soll ja vorwiegend mit diesen Geräten trainiert werden. Doch auch die eingesetzte Muskulatur legt – wie man sagt: lokal – an Ausdauer zu, wird zum Beispiel besser durchblutet. Will man die lokale Ausdauer der Arme mittrainieren, dürfte das Ruderergometer geeigneter sein als das Fahrrad.

Relativ neu in den Studios sind Armkurbelergometer. Was bringen sie?

Grundsätzlich ist die eingesetzte Muskelmasse bei der Armkurbelergometrie relativ klein, damit auch die Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems. Das beschränkt auch den erreichbaren Grundlagenausdauereffekt. Andererseits kann die Armkurbelergometrie für Personen, die wegen einer Behin­derung oder Verletzung die anderen Geräte nicht oder nur mit Schmerzen benutzen können, durchaus eine Alternative sein. Und die lokale Ausdauer der Arme wird natürlich sehr gezielt gefördert. Das kann für einzelne Sportarten, wie etwa Bogenschießen oder Kanufahren, aber auch im Alltag beim Heben oder Tragen nützlich sein.

Welcher Fitness-Trend der vergangenen Jahre hat Sie überzeugt?

Sinnvoll erscheint mir die gleichzeitige Beanspruchung von Armen und Beinen, wie beim Crosstrainer, im Sinne eines größeren Ausdauertrainingseffekts und der gleichmäßigen Beteiligung vieler Muskelgruppen. Das Core-Training – die gezielte Kräftigung der Rumpfmuskulatur – dürfte ebenfalls ein vernünftiger Ansatz sein.

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