Fitnessstudios Test

Hightech in historischem Gemäuer – eines der Hamburger Fitnessstudios von Elixia.

Fitness pur zum Sparpreis oder garniert mit Schönheit, Wellness, Luxus? Wir haben Fitnessstudios beider Kategorien getestet. Die sportlichen Unterschiede sind nur gering.

Wenn Wind und Regen sportliche Aktivitäten im Freien bremsen, bieten Fitnessstudios eine gute Alternative. Mehr als 5 000 Studios bemühen sich um das körperliche Wohl der Deutschen, knapp fünf Millionen Sportwillige trainieren dort. Dabei verdrängen die großen Fitnessket­ten nach und nach die kleineren Studios. Die sind zwar noch in der Mehrzahl, aber jeder vierte Fitnesskunde trainiert schon bei den Großanbietern. Die Ketten verzeichnen die größten Zuwächse, vor allem die Billiganbieter mit Monatsbei­trä­gen ab rund 16 Euro. Die luxuriösen Anlagen mit Beiträgen bis zu 100 Euro finden ihr Publikum aber auch.

Die Fitnesszentren locken mit dem Versprechen, sich gleichermaßen um Sportler und Untrainierte zu kümmern, ihnen „optimale und ganzheitliche Betreuung“ zu bieten, „Lebensfreude und Spaß“ oder „Vitalität“. Aber auch eher spartanische Belohnungen werden in Aussicht gestellt, wie „Erfolg statt Vergnügen“ oder „Der Mensch wächst am Widerstand“.

Wie die Studios ihre Versprechen umsetzen, wie qualifiziert Fitnesstrainer und Kursleiter, wie gut Training und Betreuung sind, können die Kunden vor Vertragsabschluss nicht feststellen. Güte- oder Qualitätssiegel für Fitnessstudios haben sich in Deutschland – anders als etwa in der Schweiz – bisher nicht durchgesetzt. Das erschwert die Auswahl eines qualifizierten Studios.

Zwei Drittel der Neulinge brechen ab

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Kurstraining. Entspannende Yogakurse finden Anklang bei Männern und Frauen.

Der Fitnessalltag zeigt, dass mehr als zwei Drittel der Neueinsteiger das Training nach spätestens sechs Monaten wieder einstellen. Mangelnde Motivation spielt dabei sicher manchmal eine Rolle, möglicherweise aber auch die unzureichende Trainingsbetreuung. Wir wollten es genauer wissen und haben getestet, welche Trainingsqualität die großen Fitnessketten bieten. Neun Studioneulinge stemmten in unserem Auftrag Gewichte, schwitzten, hüpften, rannten und entspannten sich in insge­samt 21 Fitnessstudios in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln und München – mit mäßigem Erfolg.

Denn die großen Fitnessstudioketten bieten nur durchschnittliche Qualität: Fünf der sieben getesteten Ketten schnitten „befriedigend“ ab. Nur Kieser erreichte ein knappes „Gut“. Das sportlich „befriedigende“ Holmes Place musste aufgrund „unfairer“ allgemeiner Geschäftsbedingungen einen Punktabzug hinnehmen: test-Qualitätsurteil „ausreichend“.

Trainingseinführung

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Kieser überzeugte mit „guten“ Trainingsbedingungen und „guter“ Trainingseinführung. Ansonsten bot nur noch Elixia eine „gute“ Trainingseinführung. Hier erläuterten die Trainer zum Beispiel ausführlich den Nutzen von Kraft- und Ausdauertraining, erklärten die Handhabung der Geräte und demonstrierten das korrekte Training. Außerdem wiesen sie auf die Risiken zu hoher Gewichte oder zu intensiven Herz-Kreislauf-Trainings hin.

Die anderen Fitnessstudios erfüllten unsere Erwartungen nur zum Teil. Ihre Einführungen in das Kraftgeräte- und Ausdauertraining kamen über ein „Befriedigend“ meist nicht hinaus. Positiv fiel jedoch auf, dass die meisten Studios die Trainingseinführung inzwischen auf mehrere Termine verteilen – so überfordern sie die Neueinsteiger nicht und stärken womöglich die Kundenbindung.

Fitnesstest

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Einen gründlichen Fitnesstest boten dagegen die wenigsten Studios an. Zwar erkundigten sich die Trainer der meisten Studios vor dem Check nach bisherigen sportlichen Aktivitäten und den Trainingszielen der Kunden, nach der Art der beruflichen Tätigkeit und nach gesundheitlichen Problemen. Doch ein gründlicher Test – wir hatten einen standardisierten Ausdauer- und auch einen Krafttest erwartet – fand nur selten statt. Nur das ­Injoy in Berlin bot unseren Probanden einen umfassenden Fitnesstest an. Mit einem apparativen Krafttest überprüften die Trainer Rücken- und Bauchmuskeln sowie Beinbeuger und -strecker. Außerdem fahndeten sie nach Muskelverkürzungen und testeten die Gleichgewichtsfähigkeit der Sporteinsteiger.

Wenn solche Tests fehlen, können muskuläre Unterschiede übersehen werden, zum Beispiel zwischen Bauch- und Rückenmuskulatur oder vorderen und rückseitigen Beinmuskeln. Wird dies beim Krafttraining nicht berücksichtigt, können Dysbalancen verstärkt oder neu aufgebaut werden (siehe „Stark oder schwach?“).

Immerhin boten neun Studios einen Ausdauertest an. Denn nur wenn die Trainer die Kondition der Sportler kennen, können sie daraus konkrete Trainingsempfehlungen ableiten. Doch nicht alle ermittelten die Herzfrequenz mit dem klassischen Pulsmesser im Brustgurt. Handpulssensoren und Ohrclip messen jedoch ungenau, sie zeigen oft niedrigere als die tatsächlichen Werte. Im Extremfall wird der Puls so beim Training unbeabsichtigt zu weit in die Höhe getrieben. Das könnte dann zu einer gesundheitsschädlichen Überlastung führen.

Trainingsplan

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Belastung: Langsam ein­steigen und dann allmählich steigern.

Fast alle Studios erstellten einen „guten“ schriftlichen Trainingsplan für unsere Testpersonen. Überwiegend handelte es sich um Pläne mit einer Auswahl von Kraftgeräten, den geeigneten Gewichten sowie der Anzahl von Sätzen und Wiederholungen. Inhaltlich und gestalterisch gab es jedoch große Unterschiede. Einige nachahmenswerte Beispiele:

Im Trainingsplan von Kieser ist genug Platz, um die Daten – und Fortschritte – jedes Trainingstermins einzutragen, für jedes zehnte Training ist ein Kontrolltermin mit dem Trainer vorgesehen. Bei McFit gibt es neuerdings einen Trainingsplan aus dem Computer mit Angaben zum Aufwärm-, Kraft- und Herz-Kreislauf-Training. Das war der einzige Plan, der außerdem konkrete und vollständige Hinweise auf nützliche Dehnübungen enthielt.

Dass es möglich ist, in Trainingsplänen auch auf Details zu achten, zeigen die Fitness Company in Berlin und das Injoy in Köln: Der empfohlene Trainingspuls variierte je nach Ausdauergerät – niedrigere Werte beim Fahrradergometer, etwas höhere für Crosstrainer und Laufband, da die Geräte das Herz-Kreislauf-System unterschiedlich stark belasten.

Trainingsbetreuung

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Trainingsbetreuung. Einen regel­mä­ßigen Rundgang von Trainern beobachteten unsere Testpersonen nur selten.

Fast alle Fitnessstudios werben mit einem umfassenden und individuellen Trainingsservice. Doch in keinem Studio war die Betreuung der Fitnesskunden im Trainingsalltag besser als „befriedigend“, bei McFit war sie sogar nur „ausreichend“. Die Trainer waren zwar immer an der Kleidung oder per Namensschild zu erkennen. Doch in kaum einem Studio waren sie ständig mit mindestens einer Person auf der Trainingsfläche verfügbar. Einen regelmäßigen Rundgang von Trainern durch den Kraft- und Ausdauerbereich beobachteten unsere Test­per­­sonen nur selten.

Außerdem kritisierten sie, dass kaum Kontaktversuche von den Trainern selbst ausgingen. Man musste meist aktiv auf sie zugehen, um Unterstützung beim Training einzufordern.

In den Kursen war die Betreuung dagegen meist „gut“. Die Tester besuchten Step-, Yoga- und Kräftigungskurse. Meist wurden sie als Neulinge erkannt oder sogar angesprochen, einige Kursleiter gingen auch auf spezielle Anfängerfehler ein. Auch nach dem Training waren sie häufig noch ansprechbar und gaben Tipps bei Problemen. Besonders von den Yogakursen waren unsere Testpersonen angetan – sowohl Frauen als auch Männer. Nur eine Anfängerin war etwas irritiert, dass sie gleich einen Kopfstand machen sollte.

Trainingsbedingungen

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Kinderbetreuung: Vor allem die großen Ketten set­zen auf Zusatz­angebote.

Auch für die Geräteausstattung und Räumlichkeiten vergaben wir durchweg gute Noten. Fast alle Fitnessstudios bieten ihren Kunden vielfältige Trainingsmöglichkeiten an zahlreichen und unterschiedlichen Kraft- und Ausdauergeräten. Neben „geführten“ Kraftmaschinen mit festgelegtem Bewegungsablauf gibt es meist auch Kabelzuggeräte und einen Freihantelbereich – das sind gute Alternativen für geübte Sportler.

Schautafeln an den Geräten zeigen den Bewegungsablauf der Übungen und welche Muskeln trainiert werden. Größte Schwachstelle auf den Trainingsflächen: Sowohl Kraft- als auch Kardiogeräte sind zu dicht nebeneinander platziert. In teuren Studios wie Holmes Place oder Fitness Company ist das nicht besser als beim vielfach billigeren McFit.

Billige und teure Fitnessstudios unterscheiden sich allerdings bei der Preistransparenz. Kieser, Eisenhauer und McFit haben weitgehend feste Preise. Doch in allen anderen Fitnessketten gab es keine verbindlichen Preislisten. Bei den mündlichen Verhandlungen nannten die Berater unterschiedliche Monatsbeiträge je nach Trainingszeiten und Vertragslaufzeit, einmalige Aufnahme- oder Clubge­bühren, die meist künstlich hochge­schraubt und dann wieder reduziert oder ganz gestrichen wurden.

Auch mit zeitlich befristeten Sonderaktionen und Gutscheinen versuchten manche Studios, den Verkaufsdruck zu erhöhen und neue Kunden zu gewinnen. Ein echter Preisvergleich mit dem Abwägen aller Vor- und Nachteile der verschiedenen Studioangebote wird so erschwert.

Trotz großer Preisunterschiede – unsere Jahresverträge sollten 210 bis 1 270 Euro kosten – heben sich die teuren Studios nicht durch besonders hohe Qualität ab. Sie bieten aber meist umfangreichere Leistungen: vielfältige Kurse, einen großen Wellnessbereich, zum Teil mit Schwimmbecken. Wer aber nur an Gerätetraining interessiert ist, kommt auch in einem günstigen Studio auf seine Kosten.

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