Fischbestand Meldung

Appetit auf Dorade in Salzkruste oder Lachs im Teigmantel? Fischliebhaber sollten nicht irgendeine Fischart einkaufen: Viele Bestände sind weiterhin bedroht, wie der aktuelle Fischratgeber des WWF belegt. test.de sagt, was noch auf den Tellern landen darf.

Bestände weiter unter Druck

Dass die Meere langsam leer werden, hat sich inzwischen herumgesprochen. Doch wie ernst ist die Lage wirklich? Der World Wide Fund for Nature (WWF) hat die derzeitigen Bestände von 115 Fischarten in den verschiedenen Regionen der Weltmeere bewertet. Kriterien sind unter anderem die Entwicklung des Bestands und die Fangmethoden. Das Fazit der Naturschutzorganisation: Von Entwarnung kann keine Rede sein. Immer mehr Fanggebiete wurden in eine kritischere Kategorie herabgestuft, da dort die befischten Bestände zu stark unter Druck stehen. Auch die Haltungsmethoden mancher Zuchtbetriebe bleiben kritisch.

Schwertfisch und Aal tabu

Der überwiegende Teil der Fischarten findet sich beim WWF in der roten Kategorie „Lieber nicht“ wieder. Gemeint ist: Lieber nicht verzehren. Dazu zählen unter anderem Rotbarsch, Schwertfisch, tropische Garnelen, Aal und Jakobsmuscheln. Deutliche weniger Arten werden in der gelben Kategorie aufgeführt, sie heißt „Zweite Wahl“. Hier geht es um Fische, die – wenn überhaupt – nur selten verzehrt werden sollten. Dazu zählt neben Forelle, Ostsee-Scholle und Sardine auch der Alaska-Seelachs. Letzterer ist mit 23 Prozent Marktanteil der beliebteste Fisch der Deutschen und wird häufig zu Fischstäbchen oder Schlemmerfilet verarbeitet.

Karpfen und Ostsee-Dorsch okay

Noch geringer ist die Anzahl der Fische, die es in die grüne Kategorie „Gute Wahl“ schaffen. Gemeint sind Arten, die Fischliebhaber noch guten Gewissens verspeisen können. Das sind unter anderem Karpfen, Dorsch und Hering aus der östlichen Ostsee, Sprotten aus Nord- und Ostsee sowie Lachs aus dem Ostpazifik. Wichtig zu wissen: Die Empfehlungen des WWF beziehen sich allesamt auf Fische ohne Siegel für nachhaltigen Wildfang oder Aquakultur. Nachhaltige Fischprodukte mit Siegel werden von der Naturschutzorganisation grundsätzlich empfohlen. Zu erkennen sind sie an den Logos des MSC, von Bioland und Naturland.

Alternative 1: Wildfang mit MSC-Siegel

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In puncto Wildfang aus dem Meer ist der Marine Stewardship Council (MSC) Vorreiter. Die unabhängige Organi­sation vergibt ihr Siegel an Fischereien, die nur so viel Fisch fangen, wie auch nachwachsen kann, und die gleichzeitig umweltverträgliche Fangmethoden einsetzen. Hierzulande tragen rund 3 000 Fischpackungen das blaue Siegel des MSC. Der Markt entwickelt sich rasant, denn immer mehr ­Fischereien schließen sich dem Programm an. Auch immer mehr Handelsketten legen Wert darauf, dass der angebotene Tiefkühlfisch zertifiziert ist. Derzeit sind 6 Prozent des Fischs, der weltweit an Land gebracht wird, MSC-zertifiziert. Seit Oktober 2011 lässt selbst Fastfood-Multi McDonald’s nur noch Fisch-Burger mit MSC-Siegel über die Theke gehen. Pro Jahr sind das 100 Millionen Filets in 7 000 Filialen europaweit.

Alternative 2: Zuchtfisch mit Biosiegel

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Was Fische aus Zuchtbetrieben betrifft, gibt es heute Biofisch der Ökoanbauverbände Naturland und Bioland. Naturland hat als erster Verband in den 1990er Jahren Richtlinien für Aquakulturen entwickelt. Sie schreiben unter anderem vor, dass benachbarte Ökosysteme geschützt werden und Fische nicht zu eng leben dürfen. Fast die Hälfte des weltweit verzehrten Fisches stammt heute aus Aquakulturen. Die Massentierhaltung unter Wasser hat eigene Schattenseiten: Nahrungsreste, Kot, Antibiotika und Parasiten gelangen in die benachbarten Gewässer. Zudem zerstören aus dem Boden gestampfte Aquakulturen in den Tropen und Subtropen uralte Ökosysteme.

Fischführer für Hosentasche oder Smartphone

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Trägt eine Fischpackung kein Siegel, bleiben Kaufentscheidungen kompliziert. Bisher müssen auf Packungen nur die Fischart und das Fanggebiet stehen. Letzteres ist oft sehr pauschal benannt. So erstreckt sich beispielsweise der Nordostatlantik von Grönland bis Portugal. Allein hier leben 14 Kabeljaubestände – alle in einem anderen Zustand. Der Fischratgeber des WWF präzisiert die Zustände der Fischgründe, ebenso der von Greenpeace. Für einige Fischarten geben beide Organisationen allerdings unterschiedliche Empfehlungen ab. Die Ratgeber gibt es im Taschenformat, und eignen sich daher als Einkaufsbegleiter im Supermarkt. Der Ratgeber des WWF steht auch als kostenlose App zum Download bereit.

Weiterführende Links:

Fischempfehlungen des WWF
Fischempfehlungen von Greenpeace
Fisch-Informationszentrum

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