Die First Real Estate Grundbesitz GmbH ist offenbar in akuten Schwierigkeiten. Anleger, die demnächst zur Rückzahlung fällige Anleihen des Unternehmens gekauft haben, bittet Geschäftsführerin Anna Cmok in einem Brief, auf die Hälfte des ihnen zustehenden Geldes für bis zu ein Jahr zu verzichten. Als Grund gibt sie Schwierigkeiten mit dem Engagement der First Real Estate bei der Eco-Pack GmbH in Merseburg an. „Völlig überraschend“, so FRE-Geschäftsführerin Cmok, hatten Kunden der Eco-Pack Ende August fällige Zahlungen verweigert. Die Folge: Laut FRE müssen 3 Millionen Euro für die Sanierung der Eco-Pack her. Ansonsten drohen Verluste in Höhe von 7,5 Millionen Euro. FRE-Anleger sind jetzt in der Zwickmühle. Ob ihr Geld noch zu retten ist, erscheint so oder so zweifelhaft. Finanztest hatte bereits im Jahr 2002 vor den verlockend hoch verzinsten Anleihen gewarnt. Betroffen sind nach Schätzungen von Verbraucherschützern rund 8 000 Anleger, die rund 60 Millionen Euro investiert haben.

Warnung schon im August

Bereits im August sah die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZ) Anzeichen für Zahlungschwierigkeiten der FRE. Damals stockte die Rückzahlung von Ende Juli fälligen Inhaberschuldverschreibungen. Auch Zinszahlungen blieben zunächst aus, berichtete die VZ. Jetzt wandte die FRE sich von sich aus an die Anleger und bat darum, auf die Hälfte der jetzt fälligen Rückzahlung zunächst zu verzichten und das Geld der FRE für bis zu ein Jahr zu stunden.

Streit um Eco-Pack-Sanierung

Ob die Stundung des Geldes noch zum Erfolg führt, erscheint zweifelhaft. Laut FRE-Darstellung hatte sich das Unternehmen nicht nur am Kapital der Eco-Pack GmbH beteiligt, sondern in großem Umfang Forderungen des Unternehmens angekauft. Die Eco-Pack sollte mit dem Geld ihren Geschäftsbetrieb finanzieren. Wenn die Kunden der Eco-Pack ihre Rechnungen bezahlen, sollte das Geld der FRE zustehen. Doch die Zahlungen der Kunden blieben aus. Eine Klärung der Schwierigkeiten scheiterte nach FRE-Darstellung am „unverständlichen Verhalten“ der Eco-Pack-Geschäftsführung. Die FRE will mit gerichtlichen Zwangsmaßnahmen die Übernahme der Eco-Pack-Geschäftsführung und einen Sanierungsplan durchsetzen.

Zwickmühle für Anleger

Anleger sind jetzt in der Zwickmühle. Sie laufen Gefahr, ihr bei der FRE investiertes Geld vollständig zu verlieren. Wenn ein Unternehmen insolvent wird, bekommen die Inhaber von Anleihen in der Regel allenfalls noch einen Bruchteil ihres Geldes. Ob der von den Anlegern erbetene Verzicht auf die Hälfte des Geldes für maximal ein Jahr ihre Situation verbessert, lässt sich nicht abschätzen. Volker Pietsch vom Deutschen Institut für Anlegerschutz (DIAS) warnt dringend vor einer solchen Stundung. Das komme einer Vertragsverlängerung gleich, erklärte er. Alternative: Anleger bestehen auf der Auszahlung ihres Geldes und leiten sofort rechtliche Schritte ein, wenn die Zahlung unterbleibt. Doch auch das muss nicht zum Erfolg führen. Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen Betrugsverdachts gegen Verantwortliche der FRE. Die Strafverfolger prüfen noch, ob sie auch Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung einleiten.

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