Finder­lohn Das steht ehrlichen Findern zu

18.10.2017
Finder­lohn - Das steht ehrlichen Findern zu
Handy gefunden. Nutzlos, wenn der Anbieter die Lösung der Sperre dann nicht gestattet. © Shutterstock, Stiftung Warentest (M)

Der Verlust eines Schals lässt sich meist verschmerzen, eine verlorene Brieftasche oder ein liegengelassenes Smartphone kann eine Alltags­katastrophe sein. Auch darum gilt: Wer fremdes Eigentum findet, muss es abgeben. Doch Finder haben auch Rechte. Hier fassen wir zusammen, was ihnen zusteht – und warum sich Apple weigert, gefundene Handys zu entsperren.

Die Bagatell­grenze liegt bei 10 Euro

Dem Gesetz nach müssten die meisten Gegen­stände den Weg zurück zu ihren Eigentümern finden. Alles, das mehr als 10 Euro wert ist, muss dem Bürgerlichen Gesetz­buch (BGB) nach abge­geben werden. Entweder persönlich, im Fundbüro oder bei der Polizei. Den Findern steht fest­gelegter Finder­lohn zu.

3 bis 5 Prozent Finder­lohn

Im Juli 2017 entdeckte ein Berliner eine Tasche mit 3 500 Euro Bargeld und Gold­barren im Wert von 35 000 Euro. Wie hoch der Finder­lohn war, wollte das Fundbüro aus Daten­schutz­gründen nicht sagen. Doch das lässt sich nach­rechnen. Bei Sachen unter einem Wert von 500 Euro gibt es in Deutsch­land 5 Prozent Finder­lohn. Liegt der Wert darüber, sind es 3 Prozent. Dem Mann stehen 1 155 Euro zu.

Unver­zügliche Rück­gabe Pflicht

Fremdes Eigentum unver­züglich abzu­geben, ist Pflicht, sonst lautet der Vorwurf Fund­unter­schlagung. Ein Mann fand in in einem Kölner Kauf­haus ein Handy und behielt es. Weil die Polizei es bei ihm ortete, sollte er 800 Euro Strafe zahlen. Nur weil er vor Gericht beweisen konnte, dass er zu dem Zeit­punkt krank war und den Fund nicht melden konnte, wurde er nicht bestraft.

Nach Ende der Aufbewahrungs­frist

Fundbüros sind verpflichtet, abge­gebene Sachen vier Wochen bis sechs Monate aufzubewahren. Wird ein Gegen­stand nicht in der fest­gelegten Frist abge­holt, bekommt sie der Finder.

Apple weigert sich, iPhone zu entsperren

Wenig Freude hatte ein Mann, der ein iPhone abge­geben hatte. Das Fundbüro händigte ihm das Gerät aus, doch er konnte es nicht benutzen, weil es gesperrt war. Die Firma Apple weigerte sich aus Daten­schutz­gründen, es zu entsperren. Das Münchener Amts­gericht gab dem US-Konzern recht (Az. 213 C 7386/17).

Tipp: Lassen Sie im Fundbüro die abge­gebenen Gegen­stände quittieren und hinterlassen Sie Ihre Adresse. Nur so haben Sie Anspruch auf Finder­lohn. Mehr zum Thema in unserem Special Lost and Found.

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18.10.2017
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