Finanztest-Chefredakteur im Interview Meldung

Euro-Krise, Griechenland, Staats­verschuldung und Inflationsangst – jeden Tag neue schlechte Nachrichten. Menschen sorgen sich um Ihr Geld. Ist es bei der Bank noch sicher oder soll ich es lieber unter dem Kopf­kissen aufbewahren? Gibt es angesichts der andauernden Krise einen Masterplan, um sein Geld zu schützen? Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztest, beantwortet die drängendsten Fragen.

Schulden abbauen bringt ordentlich Rendite

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Hermann-Josef Tenhagen ist leicht
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test.de: Herr Tenhagen, wo soll ich denn jetzt mein Geld anlegen, wenn ich davon ausgehen muss, dass Deutschland als Land und auch unsere Banken bald bankrott sind?

Hermann-Josef Tenhagen: Erstens brauchen Sie nicht davon auszugehen, dass Deutschland als Land bankrott ist. Zweitens, wenn Sie jetzt Geld übrig haben, machen Sie zunächst mal das, was immer vernünftig ist, nämlich Ihre Schulden abbauen: Dispo glatt ziehen, Autokredit abbezahlen, Sondertilgung für den Hauskredit vereinbaren. Das alles bringt ordentliche Rendite. Wenn Sie dann noch Geld übrig haben, können sie 100 000 Euro auf einem Bankkonto in Deutschland lassen, wofür Vater Staat garantiert, dass dies nicht wegkommt. Ein gutes Angebot finden Sie bei Finanztest!

Volksbanken können nicht pleite gehen

test.de: Die Volksbanken werben zum Teil mit Sicherheiten bis zu einer Million Euro. Kann man denen das glauben?

Hermann-Josef Tenhagen: Volksbanken haben ein eigenes Sicherungssystem, bevor der Gesetzgeber eingreifen muss. Das eigene Sicherungssystem funktioniert so: Bevor eine Volksbank pleitegeht, wird sie von den anderen Volksbanken aufgekauft und übernommen, so dass sie nicht pleitegehen kann. Wenn Sie also bei einer Volksbank eine Million auf dem Tagesgeldkonto haben, bekämen Sie die Million auch zurück. Wenn der allerschlimmste Fall einträte, und alle Banken zusammenbrächen, könnten die Volksbanken sich nicht mehr untereinander helfen. Dann sind Anleger auf die 100 000 Euro zurückgeworfen, die der Gesetzgeber ihnen garantiert. Aber das ist eigentlich nicht abzusehen. Denn Deutschland geht es wirtschaftlich gut. Alle Welt trägt das Geld nach Deutschland, weil es hier besonders sicher ist!

Geld im Ausland bis zu 100 000 Euro gesichert

test.de: Manche Anleger haben ihr Geld auch bei einer Bank im Ausland angelegt. Was passiert denn, wenn eine spanische Bank, bei der ich mein Geld angelegt habe, pleitegeht? Wie komme ich dann an mein Geld?

Hermann-Josef Tenhagen: In allen Ländern der EU sind 100 000 Euro pro Anleger und Bank garantiert. Das gilt auch in Spanien! In Spanien ist es allerdings für Anleger ein bisschen komplizierter, Ihr Geld im Fall einer Pleite zurück zu bekommen. Sie müssen sich dann mit der spanischen Einlagensicherung auseinandersetzen und möglicherweise auch noch auf spanisch korrespondieren.

Aktienanleger sollten zehn Jahre Zeit haben

test.de: Gut, so viel zur Sicherheit in Spanien mit dem Konto, aber wie ist es denn bei Aktien? Was für eine Sicherheit habe ich denn da?

Hermann-Josef Tenhagen: Wenn Sie Aktionär sind, sind Sie Anteilseigner einer Firma. Wie gut eine Geldanlage bei einer Firma ist, steht und fällt mit der Frage, ob die Firma erfolgreich ist. Auf mittlere und lange Sicht muss eine Firma erfolgreich wirtschaften, damit das für Sie ein gutes Investment ist. Kurzfristig kann der Kurs einer Aktie stark schwanken. Deshalb sind kurzfristige Anlagen in Aktien nicht sinnvoll. Wenn Anleger nicht spekulieren wollen, sollten sie das Auf und Ab der Börsen nicht mitmachen.

Aktien von erfolgreichen Firmen sollte man halten

test.de: Viele sind jetzt wegen der Griechenlandkrise in Panikstimmung. Sollen solche Anleger ihre Aktien jetzt angesichts der Turbulenzen an der Börse lieber verkaufen? Oder soll man die Papiere eher halten?

Hermann-Josef Tenhagen: Ich würde das von folgenden Kriterien abhängig machen: Aktien kaufe ich nur, wenn ich sie zehn Jahre halten kann. Wenn ich Aktien einer Firma kaufe, von deren wirtschaftlichem Erfolg ich überzeugt bin, dann bleibe ich dabei. Da habe ich auch kein Problem mit kurzfristigen Kursstürzen. Alles andere ist Spekulation, dann verhalten sich Anleger wie bei einer Pferdewette auf der Rennbahn. Sie versuchen dann durch Kauf- und Verkauf das Auf und Ab an den Börsen auszunutzen und Kursgewinne zu machen. Da Anleger jedoch nicht wissen können, wann der richtige Ein- oder Ausstiegszeitpunkt ist, gehen Sie ein hohes Risiko ein. Wer beispielsweise 50 000 Euro am 1. Dezember braucht und derzeit noch 52 000 Euro im Depot hat, sollte jetzt verkaufen, wenn er nicht das Risiko eingehen will, am 1. Dezember weniger als 50 000 Euro zu haben. Wenn ich dieses Problem aber nicht habe, wenn ich Zeit habe, dann würde ich jetzt nicht verkaufen.

Goldkauf keine sichere Alternative zum Sparbuch

test.de: Welche Alternative habe ich, wenn mir die Risiken an den Aktienmärkten zu hoch sind? Soll ich Gold kaufen?

Hermann-Josef Tenhagen: Wenn Anleger Gold kaufen, haben sie dabei zwar in den letzten drei Jahre meist Gewinne gemacht. Anfang September ist der Goldpreis aber auch mal gefallen. Da hätten Anleger dann beim Verkauf 10 bis 15 Prozent verloren. Das heißt, der Kauf von Gold ist keine sichere Alternative zu einem Sparkonto. Denn Anleger, die jetzt Gold kaufen, wissen nicht, wie viel sie von ihrem Geld wiederbekommen, wenn sie es in einem halben Jahr wieder verkaufen. Wenn sie allerdings sagen: Die ganz große Krise kommt und deswegen will ich das Gold haben, dann können sie Gold kaufen, weil Gold nie völlig wertlos wird. Ob das aber die beste Idee ist oder ob es nicht besser wäre, eine Immobilie, Aktien oder einen Schrebergarten zu kaufen, ist fraglich. In der ganz großen Krise ist der Schrebergarten, in dem man Kartoffeln anbauen kann, wahrscheinlich am besten.

Tagesgeld und Festgeld besser als Sparbuch

test.de: Sie haben es schon angesprochen. Sparbuch ist eine ganz andere Anlageklasse, aber gerade da kommen doch Experten oft und sagen: „Da kriegst Du so wenig Zinsen, die Inflation frisst dir das weg!“ Ist das überhaupt noch eine zeitgemäße Anlageform?

Hermann-Josef Tenhagen: Sie können bei Finanztest immer nachgucken, welche Anlageformen die beste Verzinsung bringen. Einige sichere Anlagen liegen in der Nähe der Inflationsrate, wenige darüber. Im Augenblick gibt es 2,7 Prozent für Tagesgeld. Damit sind Sie auf Inflationsniveau, das heißt: Sie verlieren eigentlich erst mal nichts. Es sei denn, Sie legen soviel an, dass Sie auch noch Abgeltungssteuer zahlen müssen. Wenn Sie länger anlegen, können Sie heute auch vier Prozent für Festgeld bekommen, da haben sie sogar eine gewisse Rendite, die sie realisieren können, vorausgesetzt die Inflationsrate steigt nicht noch weiter.

Immobilie kann gute Anlage sein

test.de: Sind Immobilien, also die Flucht in Sachwerte, eine Alternative?

Hermann-Josef Tenhagen: Eine Immobilie kann eine richtig gute Anlage sein. Entweder kaufe ich sie, um selber darin zu wohnen oder ich kaufe sie als Kapitalanlage, um sie zu vermieten. Möchte ich eine Kapitalanlage, muss ich mich fragen, was die Immobilie kosten darf und wie viel Miete ich bekommen muss, damit sich die Wohnung rechnet. Die Faustregel lautet: Die Immobilie sollte nicht mehr als das fünfzehn bis zwanzigfache der Jahresnettokaltmiete kosten, dann rechnet sich sich wahrscheinlich. Wenn Sie beispielsweise 700 Euro Miete für die Immobilie bekommen, sind das 500 Euro Nettokaltmiete über den Daumen gepeilt. Macht im Jahr 6 000 Euro, macht über zwanzig Jahre 120 000 Euro, mehr auf keinen Fall zahlen!

test.de: Was passiert eigentlich mit meiner 300 000 Euro-Immobilie, in die ich 100 000 Euro investiert habe, wenn der Euro kaputt geht. Wem gehört denn eigentlich die Immobilie und was wird dann aus meinen Schulden?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Immobilie gehört Ihnen. Sie haben dann bei einer Bank einen Kreditvertrag, wonach sie die 200 000 Euro Schulden in den nächsten zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren zurückzahlen müssen. Der Vertrag bleibt gültig. Wie sich dann in dem Vertrag die Zahlen umtauschen, also ob Sie künftig statt Euro Mark zahlen, oder ob Sie britische Pfund zahlen müssen oder polnische Zloty, das kann sich ändern. Nur der Vertrag ändert sich in seiner Struktur nicht. Ob Sie Ihre Kreditraten dann noch zahlen können, hängt von Ihrem Einkommen und nicht von der Währung ab.

Bundesschatzbriefe bringen nur mickrige Zinsen

test.de: Bundesschatzbriefe gelten als die sicherste Anlageform, weil die Bundesrepublik Deutschland dafür haftet. Was passiert denn, wenn die Bundesrepublik pleite geht, weil sie ihr ganzes Geld für Rettungsschirme rausgeschmissen hat?

Hermann-Josef Tenhagen: Bisher hat die Bundesrepublik Deutschland ihre Schulden stets zurückbezahlt. Das Problem mit den Bundesschatzbriefen ist eher ein anderes: Die Verzinsung, die Sie bekommen ist niedriger als die Inflationsrate. Anleger machen deshalb auf lange Sicht einen realen Verlust.

Umtausch in neue Währung möglich

test.de: Was passiert überhaupt mit meinen Ersparnissen, wenn diese Währungsunion zerbricht und der Euro kaputt geht?

Hermann-Josef Tenhagen: Ich glaube daran zwar nicht, aber wenn das eintreten sollte, dann müssten diese Anlagen in die dann gültige Währung umgetauscht werden. Das haben wir ja schon mal gehabt. Nicht nur in der Vorzeit, sondern auch 1990 mit Ostdeutschland und Westdeutschland und im Jahr 2000/2001 mit dem Euro. Das heißt, da gibt es dann einen Umtauschkurs wie die alte Währung in die neue umgetauscht wird. Und dann arbeiten wir mit der neuen Währung weiter und auf ihrem Bankkonto steht dann eben eine andere Währung, vermutlich eher Mark als Drachme.

Ausstieg aus Rentenversicherung nicht sinnvoll

test.de: Vielleicht noch zwei Sätze zum Thema Altersvorsorge und zwar einmal im Hinblick auf eine mögliche aufkommende Inflation: Was passiert dann eigentlich mit der Rente ? Wird die angepasst oder wird die immer weniger? Und was wird eigentlich aus meiner Lebensversicherung, gerade jetzt vor dem Hintergrund der Euro-Unsicherheiten? Sollte man da vielleicht rausgehen und sagen: Ich nehme jetzt den Restwert mit und nach mir die Sintflut?

Hermann-Josef Tenhagen: Die klassische staatlich gesteuerte Rentenversicherung funktioniert nach dem Umlageprinzip. Das heißt, die Leute, die heute arbeiten, bezahlen Beiträge für die Leute, die heute Rente bekommen. Die Frage, was die im nächsten Jahr als Rente bekommen, hängt davon ab, was in diesem Jahr verdient wird. Wenn die Inflation steigt und die Löhne auch mit steigen, steigen diese Zahlen und die Renten werden im nächsten Jahr auch steigen. Ob das so schnell geht wie die Inflation steigt oder ein bisschen hinterher hinkt? Wahrscheinlich hinkt es ein bisschen hinterher und Sie werden trotzdem einen gewissen Verlust haben. Wenn es eine ganz große Inflation gibt, dann haben sie ganz andere Probleme: Dann ist nämlich die Frage, ob die Arbeitsplätze erhalten bleiben, von den Leuten, die ins Rentensystem einzahlen sollen. Das aber ist sehr, sehr unwahrscheinlich! Was die private Rentenversicherung oder die privaten Lebensversicherung angeht, gilt erst mal, dass ein solcher Vertrag für viele Leute nicht günstig ist. Wenn Sie aber einen Vertrag abgeschlossen haben, sollten sie nach Möglichkeit dabei bleiben. Denn in den ersten fünf Jahren gehen ihre Beiträge vor allem für die Provision des Vermittlers drauf. Erst danach ist eine solche Versicherung attraktiv. Wenn jetzt die Inflation steigt, dann betrifft das auch alle anderen Geldanlagen. Ohnehin können Versicherte das nicht so genau steuern, ob sie denn nachher bei der Inflation tatsächlich mit Verlusten rausgehen, mit größeren Verlusten, oder mit praktisch keinen Verlusten, das weiß man nicht! In den achtziger Jahren haben die Leute dann sieben oder acht Prozent von ihrer Lebensversicherung gekriegt, die Inflation war auch bei fünf Prozent. Heute kriegen sie vier Prozent von der Lebensversicherung und die Inflation ist bei zweieinhalb Prozent. Der Unterschied ist in Wahrheit gar nicht so groß. Das ist das eigentliche Problem, aber Sie sollten auf keinen Fall jetzt eine Lebensversicherung verkaufen, sonst hat nur der Versicherer verdient und Sie haben nichts davon gehabt!

Es gibt keinen Königsweg bei der Geldanlage

test.de: Zum Schluss: Gibt es einen Masterplan, einen Königsweg für Sparer und Anleger um auf der sicheren Seite zu bleiben?

Hermann-Josef Tenhagen: Einen Königsweg gibt es ganz sicher nicht. Anleger sollten aber prüfen, ob ihre Anlagen für den vorgesehenen Zweck noch taugen! Also: Sind die Aktien gut? Brauche ich das Geld wirklich zehn Jahre nicht, kann ich das da stehen lassen? Habe ich meine Schulden überall getilgt? Weil das ist die beste Rendite, die ich überhaupt bekommen kann und die ist immer steuerfrei. Und dann bedeutet das Ganze: Immer Ruhe bewahren! Und wenn man dann Ruhe bewahrt hat, dann sieht man gut aus, und dann kann man den ganzen Krisengeschichten einigermaßen gelassen entgegensehen, weil das große Problem der Krise ist dann nachher nicht Ihre Sparanlage, sondern im Zweifel ein Arbeitsplatz oder sonst was, aber nicht die Geldanlage!

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