Finanztest-Chefredakteur im Interview Meldung

Mit einer Sicherheitsgarantie will die Bundesregierung die Spareinlagen von Millionen Bundesbürgern schützen. Sollte im schlimmsten Fall das Bankensystem zusammenbrechen, würde der Staat haften. Wie sicher das Geld der Sparer ist, fragte test.de Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest.

„Zusätzliche Sicherung für Privatkunden“

test.de: Die Bundesregierung bürgt für alle privaten Spareinlagen bei deutschen Banken. Welchen Wert hat die politische Garantieerklärung für die privaten Spareinlagen?

Hermann-Josef Tenhagen: Spargelder sind in Deutschland extrem gut abgesichert. Erstens gilt in der gesamten Europäischen Union grundsätzlich eine Einlagensicherung. Sie schreibt vor, dass 90 Prozent der Einlagen pro Konto und Person, maximal 20 000 Euro sicher sein müssen. Zweitens gibt es die freiwillige Verpflichtung unter den Sparkassen, die sich in der Not unbegrenzt gegenseitig unterstützen. Das gilt auch für die Volks- und Genossenschaftsbanken. Drittens haben die Privatbanken einen eigenen Einlagensicherungsfonds. Dessen Sicherungsgrenze entspricht 30 Prozent des maßgeblich haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank. Liegen die gesamten Einlagen eines Kunden nicht über dieser Grenze, sind sie vollständig abgesichert.
Sollte das Finanzsystem so zusammenbrechen, dass die Institute nicht mehr in der Lage sind, sich gegenseitig zu helfen, hat die Bundeskanzlerin nun erklärt, dass der Staat diese Absicherung für Privatkunden übernehmen werde.

„Bisher kein Rechtsanspruch“

test.de: Dabei geht es um unvorstellbar hohe Summen. Können sich die Sparer auf diese Absichtserklärung wirklich verlassen?

Hermann-Josef Tenhagen: Es besteht bisher kein Rechtsanspruch auf die Sicherheitsgarantie. Die politische Absichtserklärung der Bundeskanzlerin und des Finanzministers muss in Gesetzesform gegossen werden und vom Souverän, dem Parlament, verabschiedet werden. Da aber die große Koalition dahinter steht und somit die Mehrheit im Bundestag, hat die Erklärung Gewicht.

„Kleinsparer vernünftiger als Bankmanager“

test.de: Wie soll sich der Bankkunde mit einem Sparbuch, mit Termin- und Giroeinlagen oder mit riskanteren Produkten nun verhalten?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Kleinsparer haben sich bisher deutlich vernünftiger verhalten als die Bankmanager. Mit diesen Garantien im Rücken dürfen sie weiter Ruhe bewahren und müssen nicht um die Sicherheit ihrer Spareinlagen fürchten. Bei risikoreicheren Anlagen wie Aktien, Fonds oder Zertifikate sollten Anleger auf Qualität achten. Sie müssen sich die Frage beantworten, wann sie das Geld brauchen. Wer bald Bares braucht, ist in riskanten Anlageformen derzeit nicht gut aufgehoben. Wer aber zehn Jahre Zeit hat, kann die Renditechancen nutzen, die oft mit höheren Risiken verbunden sind.

„Bei langfristiger Perspektive Einstieg möglich“

test.de: Sollten Anleger jetzt bei günstigen Kursen Aktien oder Fonds kaufen?

Hermann-Josef Tenhagen: Wer eine langfristige Perspektive hat, kann heute prüfen, ob er sich günstig an Firmen mit Aktien beteiligt, an deren Zukunft er glaubt. Oder er steigt in von Finanztest mit „stark überdurchschnittlich“ bewertete Investmentfonds ein. Infos dazu gibts im Produktfinder Investmentfonds.

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