Finanztest Chefredakteur im Chat Meldung

Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztest.

Aufregung um die Riester-Rente: Nachdem die ARD-Sendung Monitor berichtete, dass die Riester-Rente Kleinverdienern nichts bringe, sind viele Vorsorgesparer verunsichert. Werden sie im Alter von ihrem Riester-Vertrag profitieren? Andere zögern, ob sie überhaupt riestern sollten. Dabei gilt weiterhin: Die Riester-Rente ist schon fast ein Muss für jeden, der sie bekommen kann. Der Chefredakteur von Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen, beantwortete Fragen zum Thema im Chat.

test.de-Expertenchat mit Hermann-Josef Tenhagen

Moderator: Herzlich willkommen zum test.de-Expertenchat zum Thema Riester-Rente. Von 13 bis 14 Uhr beantwortet Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest, an dieser Stelle live Ihre Fragen rund um das Vorsorgesparen für das Alter.
Liebe Chatter, hier bei der Stiftung Warentest in Berlin ist alles bereit für den Chat. Wie sieht es aus, können wir starten Herr Tenhagen?

Hermann-Josef Tenhagen: Wir können starten!

Das beste ist, zu riestern

Moderator: Die Unsicherheit scheint groß: Nachdem die ARD-Sendung Monitor berichtete, dass die Riester-Rente Kleinverdienern nichts bringe, sind viele Vorsorgesparer verunsichert. Ex-Arbeitsminister Walter Riester und Namensgeber der Rente hat scharf protestiert, in der Politik wird über eine Gesetzesänderung nachgedacht. Bevor wir die Userfragen beantworten, lassen Sie uns deshalb doch vorab klären, was hinter der Aufregung steckt. Herr Tenhagen, was ist dran am Monitor-Bericht und was bedeutet dies für die Sparer?

Hermann-Josef Tenhagen: Grundsätzlich gilt: Wer heute wenig Geld im Arbeitsleben verdient, wird künftig eine kleine Rente haben. Das ist der richtige Kern des Monitor-Berichts. Wer dann in der Rente aber doch zusätzliches Einkommen haben möchte, hat eine Reihe von Möglichkeiten. Die beste Möglichkeit ist, zu riestern.
Gleichzeitig hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass kein Rentner hungern soll. Deswegen hat er eine Grundsicherung eingeführt. Die bekommt man vom Sozialamt. Bevor aber der Staat die Grundsicherung auszahlt, muss der Rentner alle anderen Einkommensanteile, die er hat, nutzen. Dazu gehört die gesetzliche Rente, eine Riester-Rente, eine Lebensversicherung, das Wohnen in einer eigenen Wohnung oder in einem eigenen Haus und auch das Sparkonto. Wenn das alles nicht ausreicht, gibt es Grundsicherung. Das heißt also Monitor berichtet nicht über ein Riester-Problem, sondern über ein Problem möglicher Altersarmut.

Moderator: Eine Frage stellvertretend für viele weitere:

tj: Ist sichergestellt, dass meine gesetzliche Rente nicht gemindert wird, wenn ich zusätzlich eine Riester-Rente beziehen werde?

Hermann-Josef Tenhagen: Es wird gar nichts gemindert, wenn man eine Riester-Rente bezieht – schon gar nicht die gesetzliche Rente. Vielmehr schaut das Sozialamt bei der Grundsicherung erst mal nach, ob es andere Einkommen gibt, bevor Grundsicherung gezahlt wird. Grundsicherung ist nicht gesetzliche Rente.

Riester-Sparen wird gefördert

RSchenk: Warum ist die Riester-Rente Ihrer Meinung nach ein Muss?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Riester-Rente ist die beste Möglichkeit, privat zusätzlich fürs Alter vorzusorgen. Sie ist die beste, weil es eine staatliche Förderung gibt und weil es das Produkt erlaubt sehr flexibel auf verschiedene Lebenssituationen zu reagieren. Wenn das Geld einmal sehr knapp ist, ist man mit fünf Euro im Monat dabei – das entspricht einer Schachtel Zigaretten

Schraubenwelle: Was nützt mir dann die Riester-Rente, wenn sie mir da wieder abgezogen wird?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Riester-Rente wird nicht abgezogen – sie wird angerechnet. Das heißt, Sie bekommen ihre Riester-Rente in jedem Fall – vielleicht bekommen Sie weniger Geld vom Sozialamt.

Altenteil: Was halten Sie von der aktuellen Diskussion um die Anpassung von Riester für Geringverdiener?

Hermann-Josef Tenhagen: Es ist verständlich, dass jemand, der Geld fürs Alter zurücklegt, sicher sein möchte, dass er nicht nur eine Rente bekommt, sondern dass er auch de facto mehr Geld in der Tasche hat als Rentner. Die Politik wird darauf reagieren.

Auch Geringverdiener sollten riestern

Fragensteller: Soll denn nun ein Geringverdiener riestern oder nicht?

Hermann-Josef Tenhagen: Auch ein Geringverdiener sollte riestern. Erstens weiß man ja nicht, ob man in den Jahren bis zur Rente immer wenig verdient – hoffentlich ist das Gegenteil der Fall. Und zweitens wird man in der Rente, bevor man die Grundsicherung beziehen kann, beispielsweise ja auch mit seinem Ehepartner zusammen angeschaut. Die Grundsicherung wird nur gezahlt, wenn die „Bedarfsgemeinschaft“ über zu wenig Einkommen verfügt. Hat der Partner genug Geld, ist die Riester-Rente garantiert ein Zusatzeinkommen im Alter.

Test-Fan: Wenn ich mit 66 sterbe, dann ist das restliche Geld weg – oder?

Hermann-Josef Tenhagen: Nein. Auch bei Riester-Verträgen können Sie ihr Geld vererben. In der Einzahlphase ist das ganz einfach. Das Geld geht an ihren Ehepartner für dessen Altersvorsorge. Gibt es keinen Ehepartner, bekommen etwa die Kinder das Geld, müssen aber die Förderung zurückzahlen. In der Rente selbst ist es ein bisschen komplizierter. Bei Riester-Banksparplänen und Fondssparplänen kann das Vermögen vererbt werden, bei einer Riester-Rentenversicherung ist ein Vererben nicht vorgesehen. Man kann aber eine Rentengarantiezeit vereinbaren, die dafür sorgt, dass der Partner für diese Zeit weiter eine Rente erhält.

Sparanreize müssen da sein!

Moderator: Zwei Nachfragen zur Politik:

Vico: Sehen Sie eine Änderung der gesetzlichen Anrechnung der Riester-Rente auf Mindestrente zeitnah?
Deinhard: Sie sagen, dass die Regierung darauf reagieren wird. Was sollte sie Ihrer Meinung nach tun?

Hermann-Josef Tenhagen: Ich bin kein Politiker. Aber was nachvollziehbar ist, ist das für jeden, der freiwillig Geld für die eigene Altersvorsorge beiseite legt, ein Anreiz vorhanden sein sollte. Das heißt, jeder, der extra spart, sollte auch jenseits der Grundsicherung etwas davon haben.

Moderator: Hier geht es um den laut Monitor-Stichprobe fehlenden Hinweis von Verkäufern, dass die Riester-Rente von der Grundsicherung abgezogen werden kann:

Felix S.: Wie kann ich mich vor Falschberatung durch Banken etc. schützen? Laut Monitor wurde bei Stichproben nie auf die Problematik der Riester-Rente hingewiesen.

Hermann-Josef Tenhagen: Erster Hinweis: Auch zahlreiche Bundestagsabgeordnete hätten wahrscheinlich nicht gewusst, dass diese Anrechnung vorgenommen wird. Zweitens: Wenn Sie sich beraten lassen, gehen Sie immer zu zweit und lassen sie sich ein Protokoll dessen, was der Berater gesagt hat, mitgeben. Damit haben Sie bei späteren Auseinandersetzungen gute Chancen.

Verträge werden auch eingehalten

China: Kann ein Riester-Renten-Vertrag wirklich garantieren, dass die Rente auch tatsächlich ausgezahlt wird? Wird es etwa das beteiligte Versicherungsunternehmen oder die Bank etc. auch in 25 Jahren noch geben?

Hermann-Josef Tenhagen: Alle Riester-Verträge sind von entsprechender staatlicher Stelle zertifiziert worden. Und alle Unternehmen, die diese Riester-Verträge machen, unterliegen der staatlichen Aufsicht. In Deutschland funktioniert es gut, dass solche Verträge auch eingehalten werden – selbst wenn eine Bank oder Versicherung in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sollte.

sualc42: Wenn ich noch ca. 20–25 Jahre Arbeitsleben vor mir habe, welche Riester-Sparform halten Sie für die sinnvollste: „Klassische“ Riester-Rente, Banksparplan oder Fondssparplan?

Hermann-Josef Tenhagen: Das ist nicht ganz einfach zu beantworten, weil für Sie im Prinzip alle drei Formen – auch von ihrem Lebensalter – in Frage kommen.Wer besonders sicherheitsbedürftig ist, wählt dann den Banksparplan, wer auch mit Kursschwankungen an der Börse gut leben kann, der kann mit einem Fondssparplan womöglich mehr Geld für die Rente zur Seite legen. Einzahlung und Förderung sind in jedem Fall zu Rentenbeginn garantiert und mit einer Versicherung macht man auch nichts falsch.

Auch Beamten wird Riester-Rente nicht abgezogen

Moderator: Auch vorab konnte man schon Fragen stellen und dafür abstimmen, welche im Chat gestellt werden soll. Hier die Frage, die unseren Chattern am wichtigsten war:

Firefighter:Ist die Riester- Rente auch für Beamte rentabel? Oder wird die private Zusatzversorgung später von der Pension abgezogen?

Hermann-Josef Tenhagen: Auch bei Beamten gilt: Die Riester-Rente wird nirgendwo abgezogen. Sie ist ein Zusatzeinkommen fürs Alter und Beamte kommen normalerweise nicht in die Situation, dass Sie eine Grundsicherung in Anspruch nehmen müssen.

rul: Stimmt es, dass die Anbieter von Riester-Produkten ihre Kostenstruktur so auslegen, dass die Förderung von ihnen wieder abgeschöpft wird?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Anbieter von Riester-Produkten versuchen dabei auch Geld zu verdienen. Deswegen ist es gescheit, sich mit unseren Vergleichen im Finanztest Spezial kundig zu machen, welcher Anbieter kostengünstig arbeitet. Denn in der Tat soll die staatliche Förderung ja Ihnen für die Rente helfen und nicht in erster Linie die Rendite von Versicherungen, Banken und Fondsgesellschaften stärken.

Zweiter Teil: Fortsetzung des Chat mit Hermann-Josef Tenhagen

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