Die Krise im Detail: Unsere Antworten auf Leserfragen

Der Einlagensicherungsfonds soll aus 5 Milliarden Euro bestehen. Ist das genug?

Es gibt keine offiziellen Angaben über die Mittel des Einlagensicherungsfonds deutscher Banken. Der Fonds fußt auf dem Prinzip, dass die anderen Banken einspringen, wenn ein Institut pleite- geht. Das funktioniert, solange es nicht alle Banken auf einmal trifft. Machen Sie sich keine Sorgen: Anfang Oktober hat die Bundesregierung eine staatliche Garantie für Kundeneinlagen gegeben. Das bedeutet höchste Sicherheit.

Ich habe gehört, dass Pfandbriefe jetzt auch von der Krise betroffen sind. Stimmt das?

Während der Börsenturbulenzen sind die Kurse einiger Pfandbriefe gefallen, darunter auch die der Jumbo-Pfandbriefe, die wir in unserer Tabelle im Marktplatz auf Seite 77 abdrucken. Zeitweise wurde der Handel ausgesetzt. Die Kursabschläge sind auf die hohe Nervosität der Marktteilnehmer zurückzuführen. Pfandbriefe sind nach wie vor sicher, sie sind durch erstklassige Hypotheken abgesichert – und diese Sicherheiten bestehen weiter, wenn eine Hypothekenbank pleitegeht.

Was ist mit Geldmarktfonds? Leiden die auch unter der Krise?

Die meisten Geldmarktfonds sind nicht betroffen. Die besten haben in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von über 4 Prozent erwirtschaftet. Anders sieht es bei Geldmarkt- und geldmarktnahen Fonds aus, die in ABS-Papiere investieren. Auch einige Rentenfonds haben ABS-Papiere gekauft, wie der Fidelity Euro Bond A.

Hinter ABS verbergen sich Kredite. ­Solange die Kreditnehmer ihre Kredite zurückzahlen, läuft es gut. Zahlen sie nicht mehr, sinkt der Wert der ABS. Mit amerikanischen Bankkunden, die ihre Hypotheken nicht mehr bedienen konnten, fing die Krise an. Mittlerweile ist der gesamte ABS-Markt betroffen. Es findet kein Handel mehr statt. Die Preise müssen geschätzt werden. Viele ABS seien aber mehr wert als der Preis, der draufsteht, sagt Antje Lerchner, Managerin des DWS ABS-Fonds. „Wenn wir nicht handeln können, behalten wir die ABS bis zur Fälligkeit.“ Die Schuldner, deren Papiere jetzt fällig werden, zahlen pünktlich. „Das Geld kommt derzeit zu hundert Prozent“, sagt Lerchner.

Ich habe 3 000 Euro in dem Fonds Pioneer Euro Geldmarkt Plus. Der Fonds hat seit Beginn der Krise mehr als 11 Prozent an Wert verloren. Was soll ich jetzt tun?

Der Fonds Pioneer Euro Geldmarkt Plus hat über 90 Prozent seines Geldes in ABS-Papiere gesteckt. Das Fondsmanagement schreibt: „Die Aussichten für ABS-Papiere bleiben schwierig.“ Wann mit Besserung zu rechnen sei, könne man derzeit nicht sagen.
Mittlerweile ist der Fonds im Dauertest von Finanztest auf die Bewertung „stark unterdurchschnittlich“ abgerutscht (siehe Produktfinder Investmentfonds). Wenn Sie Ihr Geld nicht langfristig anlegen, sondern nur kurzfristig parken wollen, sind gute Geldmarktfonds oder Tagesgeld (siehe Infodokument: Tagesgeldkonten und Festgelder)die besseren Alternativen.

Soll ich überhaupt noch Geld in ­Zertifikate investieren?

Es wäre völlig verfehlt, Zertifikate jetzt in Bausch und Bogen zu verteufeln. Wichtig ist, dass Sie die Funktionsweise der Papiere verstehen, die Sie kaufen. Das ist unserer Erfahrung nach längst nicht bei allen Käufern der Fall. Wer aber nicht weiß, was er im Depot hat, kann auch nicht richtig reagieren.

Ansonsten gilt wie für Anleihen auch: Sie sollten nicht alles auf eine Karte setzen, sondern Zertifikate verschiedener Emittenten kaufen.

Ich spare monatlich in eine fondsgebundene Rentenversicherung. Muss ich mir Sorgen um meine ­Altersversorgung machen?

Kommt darauf an. Anleger, die eine fondsgebundene Versicherung haben, bekommen oft keinen Garantiezins. Was ihre Versicherung später bringt, hängt davon ab, wie der Fonds sich schlägt, in den ihre Beiträge fließen. Wer Aktienfonds hat, kann durchaus Verlust machen. Problematisch ist die Situation für Anleger, die kurz vor der Rente stehen. Sie sollten das Geld möglichst noch liegen lassen, bis sich die Lage wieder beruhigt hat.

Allen anderen empfehlen wir weiterzusparen – auch in Aktienfonds. Auf keinen Fall sollten Sie Ihren Vertrag überstürzt kündigen. Dabei geht noch mehr Geld verloren.

Muss ich Angst um meinen ­Hypothekenkredit haben?

Nein. Abgeschlossene Kreditverträge laufen weiter. Solange Sie die Kredit­raten pünktlich bezahlen, kann nichts passieren.

Ich möchte 20 000 Euro für ein Jahr bei der Santander Consumer Bank anlegen. Ist das sicher?

Ja. Die Bank gehört dem privaten ­Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken an.

Ein Bekannter hat mir geraten, mein Geld in Gold umzuschichten.

Gold gilt als Krisenwährung schlechthin. Aus unserer Sicht sollten Sie Gold nur beimischen. Der Goldpreis schwankt ähnlich stark wie Aktien­kurse. Weil er in Dollar festgelegt wird, haben Sie außerdem ein Währungs­risiko. Absolut krisenfest ist nur physisches Gold: Münzen oder Barren – die müssen Sie einbruchsicher aufbewahren. Kaufen Sie Gold in Form von Zertifikaten, Goldminenaktien oder -fonds, tragen Sie außerdem die Kurs- oder Ausfallrisiken der Papiere. Auch Gold-ETFs, börsengehandelte Goldfonds, sind in der Regel keine Sondervermögen, sondern Schuldverschreibungen. Es besteht wie bei Anleihen ein Pleiterisiko.

Soll ich eine Immobilie kaufen? Das ist was Solides!

Das stimmt zwar, ist aber dennoch nicht für jeden geeignet. Das Geld ist über Jahre gebunden. Eine Immobilie erfordert zudem hohen Verwaltungsaufwand. Wenn Sie sich ein Eigenheim anschaffen wollen, sollten Sie genügend Ersparnisse mitbringen, damit die ­Finanzierung auf festen Füßen steht.

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