Grie­chische Staats­anleihen: Umtausch mit Tücken

Anleger mit grie­chischen Staats­anleihen haben nach dem Umtausch 24 verschiedene neue Anleihen im Depot – teil­weise mit nur zwei­stel­ligem Nenn­wert. Sie haben durch den Schulden­schnitt nicht nur rund die Hälfte ­ihres Geldes verloren. Jetzt kommen auch noch Gebühren­probleme auf sie zu. Die meisten Banken verlangen für Kunde­norders Mindest­gebühren. Immerhin: Für Griechen­land­kunden bieten einige Institute Sonder­konditionen an. test.de hat nachgefragt.

Direkt­banken bieten häufig Sonder­regelungen an

Zwar haben die meisten Direkt­banken güns­tige Konditionen. Doch für die neuen grie­chischen Mini-Anleihen sind sie vergleichs­weise hoch. Um jenen Kunden entgegen­zukommen, die sich über die Tausch­aktion ohnehin schon ärgern, haben einige Direkt­banken Sonder­konditionen einge­führt. Die comdirect beispiels­weise verzichtet für Anleihe­verkäufe bis 100 Euro auf eine Provision. „Fremd­kosten wie Maklercourtage fallen allerdings an“, heißt es. Die Aktion läuft erst einmal unbe­fristet. Die DAB-Bank will bis Ende April auf Gebühren für Anleihe­verkäufe verzichten. Das gilt für Anleihen bis 100 Euro über den Handels­platz Lang & Schwarz. Zusätzlich bietet die Bank betrags­unabhängig kostenlose Fest­preis­geschäfte an. Auch dieses Angebot ist zunächst bis Ende April befristet.

Manche Banken ohne Sonder­konditionen

S-Broker sagt: „Wenn der Kunde die Anleihen verkaufen will, fallen grund­sätzlich unsere regulären Entgelte an.“ Bei kleinen Nenn­werten gelte jedoch eine Ausnahme: Sollte der Order­gegen­wert unter der jeweiligen Mindest­provision liegen oder deren Wert haben, dann wird keine Provision in Rechnung gestellt. Die Deutsche-Bank-Tochter Maxblue und die ING-Diba dagegen haben für Griechen­land­anleger keine Extrawurst im Angebot. Die Gebühren sind allerdings auf den Gegen­wert der Anleihe begrenzt. „Eine generelle Gebührenbefreiung gibt es nicht, auch nicht bei Griechen­land­anleihen mit kleinem Nenn­wert“, heißt es bei Cortal Consors. Kleiner Trost: Kundenreklamationen würden jedoch kulant bearbeitet.

Filial­banken setzen auf Kulanz

Augen­scheinlich haben die meisten Kunden, die Griechen­land­anleihen gekauft haben, diese über eine Direkt­bank geordert. Von Filial­banken ist hingegen durch­gängig zu hören: „Der Anteil unserer Kunden, die vom Umtausch betroffen sind, ist so gering, dass wir keine extra Regelung getroffen haben.“ Wen es trotzdem erwischt hat, der kann mit seinem Berater möglicher­weise eine einvernehmliche Lösung finden. Ein Sprecher der Commerz­bank sagt: „Beim Verkauf von umge­tauschten grie­chischen Staats­anleihen können Kunde und Berater eine individuelle Lösung für die Bank­provision vereinbaren. Ein Nach­lass auf Börsen­entgelte und andere Gebühren Dritter ist nicht möglich“.

„Kehr­aus“ für Kleinst­bestände

Die Deutsche Bank und die Hypo­ver­eins­bank haben keine eigene Gebühren­regelung verabschiedet. Die Münchner bieten allerdings regel­mäßig eine „Kehr­aus­aktion für Kleinst­bestände“ an. Zumeist im Februar oder März können ihre Kunden dann kleine Depot­posten günstig loswerden. Allerdings sollte kein Kunde, der neue Griechen­land­papiere hat, jetzt extra auf diese Aktion warten, wenn er die Anleihen lieber loswerden will.

Tipp: Fragen Sie Ihren Berater, ob die Bank Ihnen bei den Gebühren entgegen­kommen kann. Individuelle Rege­lungen sind immer mach­bar. Sonst bleibt Ihnen nichts übrig, als zu zahlen oder die Anleihen bis zur Fälligkeit zu halten.

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