Finanz­krise

Italien unter Druck

05.04.2012

Die Schuldenkrise im Euro-Raum hat nun auch Italien voll erwischt. Die Zinsen, die das Land für neue Kredite aufbringen muss, sind auf Rekord­niveau gestiegen. Für Anleihen mit zehn Jahren Lauf­zeit müssen die Italiener aktuell deutlich über 7 Prozent zahlen. Damit ist Europas dritt­größte Volks­wirt­schaft de facto vom freien Kapitalmarkt ausgeschlossen.

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Immenser Risiko­aufschlag auf italienische Staats­anleihen

Finanz­krise - Das müssen Sie wissen
© Stiftung Warentest

Mit mehr als 7 Prozent Risiko­aufschlag erreichen zehnjäh­rige italienische Staats­anleihen ein Rekord­hoch. Dieses extrem hohe Niveau – zum Vergleich: Deutsch­land bietet für zehnjäh­rige Anleihen nur noch 1,7 Prozent Zinsen – hat für Italien katastrophale Folgen: Die dritt­größte Volks­wirt­schaft Europas muss jedes Jahr riesige Summen neu finanzieren und hierfür gegen­wärtig einen deutlich höheren Zins bieten. Bei dem aktuellen Zins­niveau wäre die Refinanzierung dauer­haft nicht möglich. Auch Anleger, die italienische Anleihen besitzen, werden hart getroffen. Die Kurse ihrer Papiere sind in den vergangenen Tagen nach unten gerauscht. Italien hat Schuld­titel von etwa 1 600 Milliarden Euro ausstehen und ist damit nach den USA und Japan dritt­größter Anleihee­mittent der Welt.

Hysterie an den Finanzmärkten kann sich legen

Wenn Anleger befürchten, dass sich die Krise ausweitet, sollten sie jetzt ihre italienischen Staats­anleihen verkaufen. Bedenken müssen sie aber: Italiens Schulden­probleme sind zwar ernst, aber nicht annähernd mit denen Griechen­lands vergleich­bar. Die Verschuldung der italienischen Privathaushalte ist im europäischen Vergleich sogar sehr gering. Es gibt also berechtigte Hoff­nung, dass sich die Hysterie an den Finanzmärkten wieder legt. Das käme den Anleihe­kursen zugute.

Wichtig: Welche Anleihen im Rentenfonds stecken

Anleger, die Euro-Rentenfonds als Basis­anlage fürs Depot suchen, sollten aber mehr denn je auf die Zusammenset­zung der Fonds achten. Bei gemanagten Fonds hilft nur der genaue Blick in das monatlich aktualisierte Infodokument (Facts­heet) im Internet. Bei Renten-ETFs, die Rentenindizes nach­bilden, gibt die Zusammenset­zung Aufschluss über das potenzielle Risiko. Fonds mit einem hohen Anteil an italienischen, spanischen, portugiesischen oder irischen Anleihen sind als Basis­anlage problematisch. Besonders in ETFs, die Anleihen mit langer Rest­lauf­zeit abbilden, ist der Anteil Italiens meist sehr hoch. Entsprechend groß sind ihre Kurs­verluste. Zum Beispiel hat der Lyxor ETF EUROMTS 10–15Y, der Euro-Staats­anleihen mit 10 bis 15 Jahren Lauf­zeit enthält, seit Mitte August fast 10 Prozent an Wert verloren. Bei Eurorenten-ETFs mit mittel­fristigem Lauf­zeitenspektrum, wie dem SSGA EMU Government Bond Index sind die Verluste mit nur 3 Prozent vergleichs­weise moderat.

Fonds mit deutschen Anleihen sicher aber wenig Rendite

Auf Nummer Sicher gehen Anleger mit Fonds oder ETFs, die ausschließ­lich in deutsche Staats­anleihen investieren. Allerdings schlu­cken sie damit eine andere Kröte: Das extrem hohe Kurs­niveau hat zur Folge, dass die Anleihen mick­rige Renditen abwerfen. So hat der ETF ishares eb.rexx Government Germany, der deutsche Staats­anleihen abbildet, gerade erst einen neuen historischen Höchst­stand erreicht. Die regel­mäßigen Erträge sind bescheiden, die Chancen auf noch weitere steigende Kurse begrenzt. Anleger, die diesem Dilemma ausweichen wollen, sollten den sicheren Teil ihres Depots nicht mit Rentenfonds, sondern mit Tages­geld oder Fest­geld bestreiten. Ihre Rendite­aussichten werden dadurch kaum geschmälert.
Tipp: Gute Tagesgeld- und Festgeldangebote finden Sie in den aktualisierten Produktfindern.

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