So schützen Sie Ihr Depot

[20.09.2011] Anleger können einem Börsencrash vorbeugen, indem sie das Risiko ihres Fonds­depots mindern. Stop-Loss-Kurse sind dabei selten erste Wahl.

Harte Zeiten für Aktien- und Fonds­anleger. Auf den Japan-Schock im März folgte der Crash im August. Nur wer ganz auf Aktien verzichtet, kann Börsenturbulenzen gelassen zuschauen. Damit entgehen Anlegern aber auch große Rendite­chancen – aus unserer Sicht keine sinn­volle Alternative.

Geduldige Anleger sitzen Krisen aus

Lang­fristig orientierte Anleger müssen einen Börsencrash ohnehin nicht fürchten. Wenn sie sich vor dem Kauf gründlich mit der Depot­struktur beschäftigt und das Risiko ihren Vermögens­verhält­nissen angepasst haben (siehe Special Investmentfonds), können sie jede Krise aussitzen. Wer an sein Geld erst in 20 oder 30 Jahren heran­muss, braucht sich wegen eines Börsencrashs nicht den Kopf zu zer­brechen.

Gemischte Depots, die nur einen geringen Anteil Aktienfonds enthalten, sind von einem Börsencrash ohnehin nicht stark betroffen. Beispiel: Ein 100 000 Euro schweres Depot mit 20 Prozent Aktienfonds würde selbst bei einem Kurs­rutsch von 30 Prozent kaum mehr als 6 000 Euro einbüßen – wahr­scheinliche Kurs­gewinne bei Rentenfonds nicht einmal mitgerechnet.

Reine Aktienfonds­depots werden härter getroffen, aber die sollten sowieso nur Anleger haben, die ihr Vermögen ansonsten breit gestreut haben.

Dennoch werden viele nervös, wenn die Kurse auf Talfahrt gehen. Sie sehnen sich nach einer Art Versicherung, die das Depot vor allzu hohen Verlusten schützt.

Gern werden zu diesem Zweck sogenannte Stop-Loss-Marken empfohlen: Anleger legen bei ihrer Depot­bank eine Kurs­grenze fest. Sobald diese unter­schritten wird, verkauft die Bank die betreffenden Aktien oder Fonds. Die Methode hat aber Tücken.

Setzt der Anleger enge Stop-Loss-Marken, können seine Aktien und Fonds schon bei der nächsten kleinen Börsenturbulenz aus dem Depot fliegen. Entscheidet er sich für einen sehr großen Abstand, bringt der Verkauf einen Riesen­verlust.

Vertret­bar sind Marken von 10 bis 15 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Einem längeren Börsen­abschwung kann der Anleger damit vorbeugen. Seine Wert­papiere würden früh­zeitig verkauft und wären vom weiteren Kurs­verfall nicht mehr betroffen.

Bei Börsenkrisen mit V-förmigem Kurs­verlauf ist die Methode dagegen nicht hilf­reich. Im Gegen­teil: Wenn die Aktienmärkte, wie nach den Terror­anschlägen am 11. September 2001 oder nach dem Japan-Desaster im März 2011, abstürzen und kurz danach wieder hoch­schnellen, ist der Anleger seine Wert­papiere zu einem schlechten Kurs losgeworden und verpasst die Erholung.

Je spezieller und schwankungs­anfäl­liger eine Anlage, desto eher kommen Stop-Loss-Kurse infrage. Für einen Indexfonds auf den MSCI Welt sind sie dagegen kaum geeignet.

Teil­verkauf senkt Risiken

Anleger, die ihr Depot sicherer machen wollen, können vorüber­gehend einen Teil ihrer Aktienfonds verkaufen und das Geld auf einem Tages­geld­konto parken. Das reduziert aber auch die Rendite­chancen, wenn die Märkte steigen sollten. Und es ist Glücks­sache, ob der Anleger einen güns­tigen Zeit­punkt findet, seine Anteile zurück­zukaufen.

Für Anleger, die ihre Fonds bereits vor Einführung der Abgeltung­steuer am 1. Januar 2009 gekauft haben, eignet sich die Methode ohnehin nicht. Durch den Verkauf und späteren Rück­kauf ginge der steuerliche Bestands­schutz verloren.

Für sie kommt eher die Absicherung durch eine sogenannte Short-Position infrage, die bei fallenden Börsen­kursen an Wert gewinnt. Profis kaufen hierfür üblicher­weise Optionen. Für unerfahrene Anleger ist das zu riskant und auch zu kompliziert.

Sie können auf einfache Weise immerhin eine Absicherung im kleinen Stil betreiben, indem sie zum Beispiel auf den Short-Dax setzen. Dieser von der Deutschen Börse täglich berechnete Index entwickelt sich umge­kehrt wie der Dax.

Auf den Index gibt es börsen­gehandelte Fonds (ETF) von Amundi (Isin FR 001 079 117 8), Coms­tage (LU 060 394 091 6) und db-x-trackers (LU 029 210 624 1), die das Depotrisiko ein wenig dämpfen. Für eine voll­ständige Absicherung müsste man aber enorme Summen aufwenden. Das ist weder sinn­voll noch praktikabel. Auch ist es nicht vernünftig, Short-Fonds jahre­lang im Depot zu lassen. Denn wer den Trend an Aktienmärkten grund­sätzlich opti­mistisch sieht, wird nicht dauer­haft auf sinkende Kurse setzen.

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