Leer­verkäufe – Wette ohne Einsatz

[16.08.2011] Mit Leer­verkäufen spekulieren Anleger auf fallende Aktien­kurse. Das ist riskant, verspricht hohe Gewinne und verschärft Börsenkrisen zusätzlich. Einige Länder haben deshalb Leer­verkäufe von Finanz­aktien vorüber­gehend verboten. Doch was genau sind Leer­verkäufe eigentlich?

Spekulation auf fallende Kurse

Spekulanten können auch in Börsenkrisen gut verdienen. Ein beliebtes Mittel dazu ist der Leer­verkauf von Aktien, bekannter unter dem eng­lischen Begriff „Short Selling“. Wenn ein Börsianer „short“ geht, wettet er auf fallende Kurse. Das kann er mit Options­scheinen oder Hebelzertifikaten und neuerdings sogar mit Fonds tun – oder aber mit einem Leer­verkauf. Dafür verkauft er über die Börse Aktien, die er gar nicht besitzt. Beim sogenannten gedeckten Leer­verkauf hat sich der Spekulant die Aktien zumindest geliehen, beim unge­deckten Leer­verkauf ist nicht einmal das der Fall.

Je stärker der Kurs­sturz, desto höher der Gewinn

Finanz­krise Special

Die Idee des Leer­verkaufs ist einfach: Aktien werden zu einem hohen Preis verkauft und nach dem erwarteten Kurs­sturz billiger zurück­gekauft. Je größer die Differenz zwischen den beiden Preisen, desto höher der Gewinn. Da der spekulative Anleger für diese Art von Geschäft nur sehr wenig Kapital bereit­stellen muss, sind in kurzer Zeit fantastische Renditen möglich.

Gerüchte helfen Spekulanten

Es drohen aber auch ruinöse Verluste, falls die Wette schief­geht. Es keimt deshalb immer wieder der Verdacht auf, dass interes­sierte Anleger einem Kurs­verfall durch die Streuung von Gerüchten nach­helfen. So auch in der zweiten August-Woche, als die Aktie der französischen Groß­bank Société Générale inner­halb weniger Stunden mehr als 20 Prozent verlor. Das kurz darauf widerlegte Gerücht, die Bank stecke in Schwierig­keiten, hatte den Absturz in der ohnehin fragilen Börsensituation beschleunigt.

Leer­verkäufe von Finanz­aktien gestoppt

Belgien, Frank­reich, Italien und Spanien haben Leer­verkäufe von fast 50 Finanz­aktien kürzlich vorüber­gehend untersagt. Das soll die angespannte Börsenlage ein Stück weit beruhigen. Außerdem wird der Vorfall um die Societe Generale nun von der französischen Börsen­aufsicht untersucht.

Short-Dax auch für Privat­anleger interes­sant

Die Wette auf fallende Kurse ist für sich genommen nicht unredlich und auch Privat­anleger können auf seriöse Art an fallenden Börsen­kursen verdienen. Das geht mit börsen­gehandelten Indexfonds, sogenannten ETFs. Solche Fonds gibt es nämlich auch auf Short-Indizes wie den Short-Dax. Sie eignen sich vor allem zur Absicherung größerer Wert­papierdepots. Index und Fonds entwickeln sich genau umge­kehrt zum Dax: Wenn der deutsche Leit­index 10 Prozent an Wert verliert, ist der Short-Index mit 10 Prozent im Plus. Short-Dax-ETFs gibt es von den Anbietern Coms­tage (Isin: LU 060 394 09 6) und db-xtra­ckers (Isin: LU 029 210 624 1). Auch andere Indizes, wie den Euro Stoxx 50 oder den europäischen Banken­index Stoxx Europe 600 Banks gibt es in Short-Varianten, für die ETFs erhältlich sind.

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