Finanz­krise

Böse, aber nicht ungewöhnlich

05.04.2012

[12.08.2011] Dass die Börse crasht, kommt alle paar Jahre vor. Mal sind die Abstände länger, mal kürzer. Anleger sollten sich das vor Augen halten, ehe sie in Angst geraten und ihre Aktien und Fonds zu Tiefst­kursen verkaufen. test.de hat sich die Märkte über vier Jahr­zehnte hinweg angeschaut und fest­gestellt: Auf lange Sicht geht es fast immer aufwärts.

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Ein Fünftel in zehn Tagen

Dieses Mal war der Absturz besonders böse: 1 546 Punkte hat der Dax binnen zehn Tagen verloren, das entspricht 21,6 Prozent. Dem amerikanischen Dow Jones erging es kaum besser. 1 423 Punkte weniger, das sind dort zwar „nur“ 11,8 Prozent, aber auch das ist kein wirk­licher Trost. Grund für den Kurs­sturz ist die Schuldenkrise in der Eurozone und den USA. Besonders die Herab­stufung der amerikanischen Kreditwürdig­keit hat die Börsen böse erwischt. Seit dem 5. August sind die USA aus Sicht der Rating­agentur Stan­dard & Poor’s kein erst­klassiger Schuldner mehr. Aus der Bestnote AAA wurde AA+. Mitt­lerweile haben sich die Börsen wieder ein wenig beruhigt, doch die Nerven der Händler liegen nach wie vor blank. Selbst kleinste Gerücht sind in solchen Situationen gefähr­lich und können weitere Kurs­einbrüche auslösen. Beispiel: die Diskussion um die Kreditwürdig­keit Frank­reichs vor wenigen Tagen.

Lang­fristig ging es bislang immer aufwärts

Doch bei Betrachtung der lang­fristigen Entwick­lung von Aktienmärkten relati­viert sich die jetzige Lage wieder. Es zeigt sich zweierlei:

Finanz­krise - Das müssen Sie wissen
© Stiftung Warentest
  1. Der lang­fristige Trend der Aktienmärkte war eindeutig ein Aufwärts­trend. Die Crashs von früher sind längst Vergangenheit. Nur wenn die Unternehmen mehr wachsen und Gewinne erwirt­schaften, funk­tioniert unser Wirt­schafts­system.
  2. Es dauerte jeweils nur kurze Zeit, bis die Talsohle durch­schritten war und die Kurse sich wieder auf den Weg nach oben machten (siehe Grafik).

Kleine Historie der Crashs

Der Kurs­sturz vom schwarzen Montag im Oktober 1987 – der Dow Jones verlor damals an einem einzigen Tag 500 Punkte und damit rund ein Fünftel seines Wertes – war eineinhalb Jahre später schon wieder Geschichte. Nach dem Zusammenbruch der New Economy zur Jahr­tausend­wende dauerte es länger, bis die Indizes ihre Verluste wieder voll­ständig aufgeholt hatten: Der Dax über­schritt erst im Früh­jahr 2007 wieder die historische 8 000-Punkte-Marke. Seine fürchterlichen Tiefst­stände unter 4 000 und zeit­weise sogar 3 000 Punkten hat der deutsche Leit­index aber ebenfalls nach eineinhalb Jahren hinter sich gelassen. Nach der Lehman-Pleite im September 2008 stürzte der Dax abermals ab und fiel binnen weniger Wochen auf 3 666 Punkte. Doch schon ein halbes Jahr später, im Früh­jahr 2009, setzte er zu einer erneuten Kurs­rallye an, die ihn im Juli 2011 auf 7 471 Punkte trieb.

Gute Nerven helfen Verluste vermeiden

Ob es dieses Mal auch so rasch wieder nach oben geht, wagt derzeit niemand voraus­zusagen. Die Schulden drücken dramatisch, die Aussichten für die Konjunktur sind düster, und solange die Panik nicht vom Tisch ist, kann es auch weiter abwärts gehen. Für lang­fristig orientierte Anleger muss die aktuelle schlechte Stimmung aber kein Grund sein, an ihrer Anla­gestrategie zu zweifeln. Aus der Analyse unserer Leser­zuschriften wissen wir, dass viele private Anleger häufig nach folgendem Muster handeln: Zunächst lassen sie sich von Angst und Hektik nicht anste­cken und behalten ihre Fonds im Depot. Dauert die Krise aber länger an, werden sie doch noch nervös und verkaufen – und das dann nicht selten tatsäch­lich zu Tiefst­kursen.

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