Wege aus der Krise

[14.07.2011] Um Griechen­land ist es zwischen­zeitlich etwas ruhiger geworden. Jetzt richtet sich der Fokus auf die anderen Schuldenländer, allen voran Italien. Die jüngste Hiobs­botschaft kommt allerdings aus Irland. Die Iren sind von der Rating­agentur Moody’s herab­gestuft worden. Irische Staats­anleihen zählen jetzt wie portugiesische zum „Ramsch“, wie die Branche despektierlich sagt. Die Euro-Krise spitzt sich weiter zu, umfang­reichere Rettungs­pakete werden wahr­scheinlich. test.de antwortet auf die Sorge vieler Anleger, die sich fragen, ob das Schuldendesaster über­haupt noch in den Griff zu kriegen ist.

Wäre es nicht besser, dem Schre­cken ein Ende zu setzen und wieder zu den nationalen Währungen zurück­zukehren?

Finanz­krise Special

Die Frage ist, ob das die Lage wirk­lich verbessern würde. Ökonomisch gilt der Euro als ­Erfolg. Der Euroraum als Ganzes gehört zu den größten Wirt­schafts­räumen der Welt. Deutsch­land alleine ist im Vergleich ein kleines Licht (siehe Infografik). Wenn man der Argumentation von Bundes­finanz­minister Wolfgang Schäuble folgt, bietet die gemein­same Währung der deutschen Wirt­schaft sogar Schutz. Denn je schlechter die Nach­richten aus der Peripherie, desto stärker ist die Nach­frage nach Bundes­anleihen. Hätte Deutsch­land noch die Mark, würde diese dadurch aufwerten. Das wiederum würde der Export­wirt­schaft schaden. Die Schweiz versucht gerade, genau dieses Problem einer extrem starken Währung zu bewältigen.

Uneins sind sich Politiker und Ökonomen jedoch, wie die Eurokrise zu bewältigen sei. Zunächst müssen die Krisenländer von den hohen Schulden herunter­kommen, was ohne Hilfe nicht funk­tioniert, womöglich auch nicht ohne Schulden­erlass. Ob es aber besser ist, eine Umschuldung auf alle Fälle zu vermeiden oder mit einem solchen Schulden­schnitt einen neuen Anfang zu wagen, darüber streiten sich die Fachleute. Eine Pleite wäre zu gefähr­lich, weil sie einen Domino­effekt auslösen und die anderen hoch verschuldeten Staaten ebenfalls in die Bredouille bringen könnte, sagen die einen. Die anderen sehen in den immer neuen Rettungs­hilfen dieselbe Gefahr.

Eines ist klar, Euro­land braucht Haus­halts­disziplin. Aber nicht nur die ärmeren, auch die reicheren Länder müssen sparen, um die Stabilitäts­kriterien von Maastricht wieder zu erfüllen.

Zudem müssen Rahmenbedingungen für eine einheitliche Wirt­schaft geschaffen werden. Denn die Länder, die nicht wett­bewerbs­fähig sind, können nicht mehr wie früher ihre Währung abwerten. Die Bundes­regierung hat mit ihrem Vorschlag einer Wirt­schafts­regierung für den Euroraum schon eine Weiche in diese Richtung gestellt.
Die Euroländer sollen, so die Idee, darauf achten, dass ihre Wirt­schafts­daten – Produktivitäts­kenn­zahlen, Leistungs­bilanzen, Inflation – nicht so weit voneinander abweichen. Je geringer die Über­einstimmung, desto schwieriger ist es auch für die Euro­päische Zentral­bank, richtig zu handeln und zum Beispiel die richtigen Zins­sätze fest­zulegen.

Wichtig ist zudem eine bessere Regulierung der Banken, von deren Wohl und Wehe die Staats­finanzen in großem Maß abhängen – wie die Finanz­krise gezeigt hat.

Erst werden die Banken gerettet, dann Griechen­land, Irland und Portugal und jetzt vielleicht auch noch Italien. Wer weiß, was als Nächstes kommt. Wie lange hält Deutsch­land das noch durch? Sollte man Staats­anleihen nicht komplett meiden und Unter­nehmens­anleihen kaufen?

Jein. Deutsch­land hat im Moment 2 000 Milliarden Euro Schulden, das entspricht 80 Prozent des Brutto­inlands­produkts (BIP). Aber die Höhe der Schulden allein sagt nicht viel, entscheidend ist, ob sie lang­fristig bezahl­bar sind.
Dass Deutsch­land zahlen kann, daran besteht derzeit kein Zweifel. Im Gegen­teil: Bundes­anleihen zählen zu den sichersten Anlagen der Welt, was man zum einen am guten Rating (AAA) und zum anderen an den nied­rigen Zinsen ablesen kann.
Wer Schulden abbauen will, braucht Geld. Je stärker die Wirt­schaft eines Landes wächst, desto mehr Geld kommt herein, mit dem man die Schulden abzahlen kann – auch wenn das nicht immer geschieht.
Spanien etwa hat weniger Schulden als Deutsch­land, zurzeit rund 67 Prozent des BIP. Seit der Finanz­krise ist die Konjunktur dort jedoch in Schwierig­keiten. In Deutsch­land dagegen läuft es gut. Auch die italienische Wirt­schaft wächst.
Unter­nehmens­anleihen sind als Alternative nur bedingt geeignet. Sie sind nur dann lukrativ, wenn die Firmen ein gutes Umfeld vorfinden, sonst verdienen sie kein Geld und können ihre Schulden genauso wenig bezahlen wie der Staat.
Handelt es sich allerdings um interna­tional tätige Unternehmen, stellt sich die Lage anders dar. Sie sind weniger abhängig davon, dass es im eigenen Land gut läuft, solange die Welt­wirt­schaft wächst.

Dieser Artikel ist hilfreich. 8336 Nutzer finden das hilfreich.