Rentenfonds kaufen über­wiegend Qualität

[07.07.2011] Die Kurse von grie­chischen, irischen und portugiesischen Anleihen liegen deutlich unter dem Nenn­betrag. Diese Verluste sind nicht nur für die Käufer der Anleihen problematisch. Auch Anleger, die ihr Geld in Rentenfonds Euro gesteckt haben, hängen unter Umständen mit drin. test.de hat Fonds­manager befragt, was sie im Portfolio haben.

Ein wenig Hoff­nung für die Griechen

Die Kurse von grie­chischen Staats­anleihen sind nach dem Beschluss des Sparpakets wieder ein wenig gestiegen. Trotzdem sind sie – je nach Lauf­zeit – gegen­über dem Nenn­betrag kaum mehr als die Hälfte wert. Das heißt: Anleger befürchten, nur die Hälfte des geliehenen Geldes von Griechen­land wieder­zubekommen. Auch die portugiesischen Anleihen haben nach der Herab­stufung des Ratings durch die Rating­agentur Moody’s deutlich verloren. Notierte eine zehnjäh­rige portugiesische Anleihe Anfang Juli 2011 noch bei rund 60 Prozent des Nenn­betrags, stand sie am 7. Juli 2011 nur noch bei etwas mehr als 50 Prozent. Etwas besser sieht es in Irland aus: Von den Anleihen Irlands, die länger als fünf Jahre laufen, sind zumindest noch zwei Drittel des Nenn­betrags übrig.

Fonds sind unterschiedlich aufgestellt

Rentenfonds Euro legen das Geld der Anleger in verzins­lichen Wert­papieren an. Das können Staats­anleihen sein, aber auch Unter­nehmens­anleihen oder Pfand­briefe. test.de hat bei den Managern der zehn besten Rentenfonds Euro aus dem monatlichen Fonds­dauertest von Finanztest nachgefragt, ob sie Anleihen kritischer Euroländer halten (Stand Ende Mai). Das Ergebnis: Die verschiedenen Fonds sind sehr unterschiedlich aufgestellt. Die meisten haben grie­chische Papiere nicht mehr im Portfolio.

Grie­chische Papiere sind meist schon raus

Die meisten Rentenfonds Euro dürfen nur in sichere Papiere investieren. Als sicher gelten Anleihen, wenn sie von den Rating­agenturen wie Stan­dard & Poor’s, Moody’s oder Fitch Noten von AAA bis BBB beziehungs­weise Aaa bis Baa bekommen (Gut erklärt sind die Noten im Eintrag zu Standard & Poor’s bei Wikipedia). Anleihen mit schlechterer Bewertung dürfen höchs­tens beigemischt werden. Deshalb ist Griechen­land aus den meisten Fonds schon raus. Anleihen des grie­chischen Staates stehen bei Stan­dard & Poor’s auf CCC. Diese Note ist kurz vor D und das bedeutet „default“, also „pleite“. Auch Portugal dürfte aus den meisten Fonds bald heraus­fallen. Portugal ist derzeit mit Ba2 bewertet. Die Agentur Moody’s hat die Note für Portugal gleich um vier Stufen gesenkt. Bis Anfang Juli stand Portugal noch auf Baa1.

BGF Euro Bond Fund hat noch grie­chische Anleihen

Nur der BGF Euro Bond Fund der Gesell­schaft Black­Rock hat noch einen minimalen Anteil grie­chischer Staats­anleihen. „Die sind allerdings durch CDS abge­sichert“, erläutert Fonds­manager Michael Krautz­berger. CDS steht für Credit Default Swap. Das sind Kredit­versicherungen, die einspringen, wenn ein Schuldner nicht mehr bezahlen kann. Der BGF Euro Bond Fund ist zurzeit etwa zur Hälfte in Staats­anleihen investiert. Etwas weniger als ein Fünftel seines Volumens liegt in Unter­nehmens­anleihen, noch mal so viel in Pfand­briefen. Anleihen der sogenannten PIIGS-Länder hat Fonds­manager Michael Krautz­berger in nennens­wertem Umfang nur noch von Spanien und Italien. PIIGS steht für Portugal, Irland, Italien, Griechen­land und Spanien. Der Anteil der Anleihen dieser Länder liegt bei rund 15 Prozent des Fonds­vermögens.

Raiff­eisen Euro Rent glaubt an Portugal und Irland

Auch der Raiff­eisen Euro Rent ist ein Fonds, der verschiedene Arten von Anleihen kauft. Aktuell hat der österrei­chische Fonds rund 58 Prozent in Staats­anleihen – einschließ­lich suprana­tionaler Institutionen – und 44 Prozent in Unter­nehmens­anleihen investiert. Griechen­land ist nicht dabei. Irische Staats­anleihen liegen bei 1 Prozent, portugiesische bei 1,5 Prozent, spanische bei 5,9 Prozent und italienische Anleihen bei knapp 10 Prozent. 7 Prozent der Unter­nehmens­anleihen kommen aus den PIIGS-Ländern, die meisten aus Spanien. „Anders als der Markt haben wir mit Spanien und Italien keine Probleme“, sagt Fonds­manager Andreas Riegler. Portugal und Irland hingegen hat er gegen­über seinem Vergleichs­index ein wenig unterge­wichtet. Allerdings ist er der Ansicht, dass diese beiden Länder es aus eigener Kraft schaffen können, sich aus der Schuldenmisere zu befreien. „Bei Griechen­land sind wir nicht so sicher“, ergänzt Riegler.

LBBW Renten Euro Flex ohne PIIGS-Anleihen

Der Fonds LBBW Renten Euro Flex hält zurzeit keine Staats­anleihen aus den PIIGS-Staaten im Portfolio. Über­haupt beträgt der Anteil an Staats­anleihen in diesem Fonds nur rund 5,5 Prozent. 85 Prozent des Anlegergeldes liegen in Unter­nehmens­anleihen. „Das bringt bei dem derzeit nied­rigen Zins­niveau mehr“, sagt Fonds­manager Thomas Schneider. Zwar werden von schlechten Rahmenbedingungen auch Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen, doch könnten diese flexibler damit umgehen als Staaten. 17,5 Prozent des Vermögens stecken in spanischen Unter­nehmens­anleihen, rund 11 Prozent in italienischen und immerhin noch 7 Prozent in portugiesischen Papieren. Thomas Schneider haben es vor allem interna­tional tätige Unternehmen wie die spanische Telefonica oder der Versorger Iberdrola angetan. „Das welt­weite Wirt­schafts­wachs­tum ist noch intakt“, sagt er. Der LBBW Renten Euro Flex steht im monatlichen Fondsdauertest von Finanztest derzeit auf dem zweiten Platz.

BNY Mellon Euro­land Bond Fonds gibt keine Auskunft

Der Manager des aktuell von Finanztest am besten bewerteten Rentenfonds Euro, des BNY Mellon Euro­land Bond Fonds wollte auf unsere Anfrage nicht antworten. Dem Facts­heet des Fonds vom 31. Mai 2011 ist zu entnehmen, dass der Fonds sowohl in Staats- als auch Unter­nehmens­anleihen investieren kann. Unter den Top-10-Positionen finden sich vor allem italienische und spanische Staats­anleihen. Die anderen Positionen veröffent­licht die Gesell­schaft nur im Jahres- und Halb­jahres­bericht. Vor einem Jahr haben wir bei Recherchen zum Bericht über die Schuldenkrise in Griechenland noch Auskunft bekommen. Damals war der Fonds schon seit Monaten weder in Griechen­land noch in Portugal investiert.

Pimco schon länger draußen

Die zur Allianz gehörende Fonds­gesell­schaft Pimco hat ebenfalls schon seit längerem keine grie­chischen Papiere mehr in ihren Fonds. Portugiesische und irische Anleihen würden ebenfalls gemieden, sagt Marc Savani von Allianz Global Investors. Pimco habe insgesamt den Anteil an lang laufenden Staats­anleihen aus dem Euroraum reduziert. Statt dessen kaufe die Gesell­schaft verstärkt Unter­nehmens­anleihen oder Anleihen von Schwellenländern, sofern sich das mit den Anlage­richt­linien der Fonds verträgt. Das gilt auch für den Fonds Adirenta, der im Fondsdauertest von Finanztest derzeit den dritten Platz belegt. Detaillierte Auskünfte über den Anteil der Fonds an Staats- und Unter­nehmens­anleihen sowie die Aufteilung auf die verschiedenen Länder gibt Allianz allerdings nicht.

UniEuroRenta mit Schwer­punkt auf Staats­anleihen

Der zum Riest­ersparplan UniProfiRente gehörende Fonds UniEuroRenta ist mit knapp zwei Drittel in Staats­anleihen investiert, etwa ein Fünftel liegt in Unter­nehmens­anleihen, der Rest in Pfand­briefen. Zum Stichtag 31. Mai 2011 lagen knapp 20 Prozent des Fonds­vermögens in italienischen und spanischen Staats­anleihen. Das entspricht den Vorgaben des Vergleichs­indexes.

Österreicher auch auf Nummer sicher

Der RT §14 Vorsorge Fonds der österrei­chischen Gesell­schaft Ringturm schließ­lich hat sein Vermögen komplett in Staats­anleihen oder vom Staat garan­tierten Anleihen gesteckt. PIIGS sind keine dabei. Ebenfalls nicht in PIIGS investiert der Klassik Anleihen Fonds der Raiff­eisen Salzburg Invest. Der Kepler Vorsorge Rentenfonds teilt sein Geld auf zwei Drittel Staats­anleihen und ein Drittel Pfand­briefe auf. Auch in diesem Fonds stecken keine Anleihen von PIIGS.

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