Franken und Kronen statt Euro?

[24.06.2011] Jedes Mal, wenn Griechen­land einen Schritt näher an die Pleite rückt, fällt der Euro gegen­über dem Dollar. Sieht es so aus, als ob die Rettung doch noch klappt, steigt er wieder. Das Hin und Her zerrt an den Nerven vieler Anleger. Einige fragten bei unserem Leser­service nach, ob sie ihre Euro besser in anderen Währungen in Sicherheit bringen sollen, beispiels­weise in Schweizer Franken oder Norwegische Kronen. test.de sagt, warum die Idee nicht ohne Risiko ist.

Euro­land ist nicht Franken­land

Finanz­krise Special

Wer sein Geld in Schweizer Franken, Norwegische Kronen oder eine andere Währung tauscht, legt sein Geld nicht sicher an, sondern spekuliert. Steigt der Schweizer Franken gegen­über dem Euro, macht er einen Gewinn, fällt er, gibt es Verlust. Dasselbe gilt für die Norwegische Kronen, den amerikanischen Dollar und alle anderen fremden Währungen mit freien Wechsel­kursen. Für hiesige Anleger, die ihr Geld in Euro verdienen und ausgeben, spielt es zunächst keine Rolle, ob der Euro einen hohen oder nied­rigen Außen­wert hat. Für sie ist der Binnen­wert entscheidend, das, was sie inner­halb von Euro­land mit ihrem Geld einkaufen können. Wer Urlaub außer­halb von Euro­land macht oder auswandern will, für den ist der Außen­wert des Euro von Bedeutung.

Problem Inflation

Auf mitt­lere Sicht kann ein schwacher Euro hiesigen Anlegern aber dennoch Probleme bringen, Stich­wort importierte Inflation. Waren, die wir Deutschen aus dem Ausland importieren, werden umso teurer, je schwächer der Euro beispiels­weise gegen­über dem Dollar ist. Das gilt vor allem für die Importe von Erdöl und Erdgas. Steigen die Energiekosten, steigen hier­zulande viele Preise. Das wiederum bedeutet, dass man mit seinen Euro doch nicht mehr so viel kaufen kann. Aber dagegen kann sich der Anleger mit Schweizer Franken oder Norwegischen Kronen auch nicht schützen. Umge­kehrt hilft ein schwacher Euro aber der deutschen Export­wirt­schaft.

Das Timing entscheidet

Ob sich die Wette auf eine andere Währung auszahlt, hängt entscheidend vom Timing ab. Der Schweizer Franken zum Beispiel ist im vergangenen Jahr bereits um mehr als 20 Prozent gestiegen ( siehe Grafik oben). In der Grafik zeigt sich das an einer fallenden Kurve. Das liegt daran, dass der Preis für einen Euro angegeben wird. Vor einem Jahr gab es für 1 Euro noch 1,51 Franken, jetzt nur noch 1,21 Franken. Das heißt im Umkehr­schluss: Der Franken ist jetzt mehr wert, weil man für einen Euro weniger Franken hinlegen muss. Auch die norwegische Krone ist gestiegen, und zwar um 12 Prozent. Wenn die Probleme in Euro­land noch lange anhalten oder sogar schlimmer werden, kann es durch­aus sein, dass beide Währungen weiter steigen. Doch das ist, wie gesagt, Spekulation. Genauso gut kann es eine Gegen­bewegung geben. Auf längere Sicht folgen Währungen in der Regel keinen klaren Trends. Im Gegen­teil: Meistens nähern sich die Wechsel­kurse über kurz oder lang wieder einander an.

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