„Wir sind kein Strukturvertrieb.“ Auf diese Feststellung legt MLP wert. Der Heidelberger Finanzdienstleister MLP hat sich auf die Beratung von „Akademikern und anderer anspruchsvoller Kunden“ spezialisiert. Der Name MLP geht auf die Unternehmensgründer Eicke Marschollek, Manfred Lautenschläger und deren Partner zurück. Seit 1971 bietet die Aktiengesellschaft Allfinanz-Dienstleistungen an. Damit die Akademiker als Hauptzielgruppe genau erreicht werden, versucht MLP gezielt, junge Ingenieure, junge Mediziner, Juristen und Wirtschaftswissenschaftler als Berater zu gewinnen. Das Motto: „Sie wissen viel über ihre potenziellen Kunden – schon vor dem ersten Treffen“.

Kein Werbung um weitere Mitarbeiter

Die Berater von MLP arbeiten zwar auf Provisionsbasis. Einen Strukturvertrieb ist MLP aber nicht. Denn die Mitarbeiter werden nicht dazu aufgefordert, weitere Mitarbeiter zu werben, an deren Vertragsabschlüssen sie dann mitverdienen. MLP hat deshalb eine andere Struktur als die klassischen Strukturvertriebe. Bis Jahresmitte 2005 war MLP auch im Besitz eigener Versicherungstöchter. Die MLP Versicherung AG, ein Schaden und Unfallversicherer, ging an den Kölner Gothaer-Konzern. Die Lebensversicherungssparte hat die HBOS-Tochter Clerical Medical übernommen. Dahinter steht unter anderem die Bank of Scotland.

Geschäfte mit Versicherungen

Der Verkauf der Versicherungstochter bedeutet allerdings nicht, dass MLP keine Versicherungsprodukte mehr anbietet. Im Gegenteil: Es ist zu erwarten, dass die rund 2 600 Berater von MLP in die Offensive gehen, um verstärkt britische Lebensversicherungen und Rentenprodukte der Clerical Medical anzubieten. Der Grund: Wenn deren Prämienaufkommen in den kommenden drei Jahren eine vertraglich fixierte Grenze nicht erreicht, darf die Clerical Medical 40 Millionen Euro vom Kaufpreis abziehen. „Die Vereinbarung umfasst ein sehr begrenztes Vertriebsvolumen und beeinträchtigt uns daher nicht in unserer Unabhängigkeit“, meint dagegen Christian Maertin, Pressesprecher von MLP. Weitere 15 Millionen Euro sind an die Entwicklung der bestehenden Verträge gebunden. Sie erhält MLP zusätzlich zum Kaufpreis, wenn die Kündigungsquote auf einem vorab definiertem niedrigen Niveau bleibt.

Mit betrieblicher Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge hat ein weiteres Geschäftsfeld eröffnet. MLP geht Vertriebspartnerschaften ein, um bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte oder Apotheker und deren Angestellte für betriebliche Altersvorsorgeprodukte zu gewinnen. Gemeinsam mit der Proba V-Pensionskasse des Axa-Konzerns und dem Deutschen Hausärzteverband versucht MLP, diese Berufsgruppe für die so genannte „Gesundheitsrente“ zu begeistern. Da die Arbeitgeber in die Finanzierung der Betriebsrente mit einbezogen sind, haben die MLP-Berater durch diese Vereinbarung mit einem Schlag Zugang zu rund 30 000 angeschlossene Arztpraxen. Genauso soll der gesamte Mittelstand bearbeitet werden.

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