Falsch beraten: S & K-Vermittler verurteilt

Finanzberatung Special

Christa S., die unerkannt bleiben möchte, wurden 49 500 Euro Schaden­ersatz plus Zinsen zugesprochen.

Zum Glück hat Christa S. einen Sohn, der vor Gericht genau schildern konnte, wie seine damals 76-jährige Mutter 2012 zu einer als „Immobilienfonds“ bezeichneten Anlage der Deutsche S & K Sach­werte Nr. 2 GmbH & Co KG kam, einer zur Frank­furter Pleitefirma S & K gehörenden Anlagefirma. 50 000 Euro legte die alte Dame in einen geschlossenen Fonds an. Zuvor hatte der Finanzberater in einem Brief den Fonds als nach nur vier Jahren künd­baren „Kurz­läuferfonds“ bezeichnet, der in solide, inflations­sichere Sach­werte investiere. Oben­drein gebe es eine über­durch­schnitt­liche Rendite. Die investierten Gelder seien „grund­buch­recht­lich“ abge­sichert.

Doch die Mitteilungen des Beraters waren falsch, urteilte das Ober­landes­gericht Dresden (Az. 8 U 1335/15). Da der Mann seine Angaben, die nicht im Einklang mit dem Verkaufs­prospekt standen, auch während einer Beratung in der Berliner Wohnung von S. nicht ausdrück­lich richtig­gestellt habe, müsse er Schaden­ersatz in Höhe von 49 500 Euro plus Zinsen zahlen.

Anders als das Empfehlungs­schreiben des Beraters vermuten lasse, investierte der Fonds laut Prospekt nicht in Immobilien, sondern vergab ein Darlehen für Immobilien­investitionen an die S & K-Gruppe. Zudem konnte der Fonds erst nach fünf­einhalb Jahren gekündigt werden. Auch bestehe bei der Fonds­anlage das Risiko des Total­verlustes.

Die Informationen im Verkaufs­prospekt hatten weder Mutter noch Sohn beachtet, nachdem der Berater in seinem Schreiben von einer „intensiven Prüfung“ des Fonds gesprochen hatte. „Das mussten sie auch nicht, weil bei einer persönlichen Beratung keine Pflicht zum Studium des Verkaufs­prospektes besteht“, erklärt Rechts­anwalt Christoph Eggert von der Kanzlei HEE Rechts­anwälte in Berlin.

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