Die Aktien von Banken und Versicherungen sind am Boden. Vorsichtige Anleger sollten sie weiterhin meiden, Optimisten können gezielt auf eine Erholung der Branche setzen.

Finanzaktien Test

Europas Bankenmetropole London: Die 200 Meter hohen Wolkenkratzer von HSBC und Citigroup zeigen die Macht der Finanzbranche.

Jahr für Jahr sollte die Deutsche Bank eine Rendite von 25 Prozent erwirtschaften – so wollte es der ehemalige Vorstandschef Josef Ackermann. Gemeint war zwar nicht die Rendite der Aktie, aber Anteilseigner hofften dennoch auf eine gute Wertentwicklung, nachdem Ackermann im Jahr 2005 dieses Ziel genannt hatte.

Statt 25 Prozent Plus gab es in den vergangenen fünf Jahren einen durchschnittlichen Verlust von fast 20 Prozent pro Jahr. Andere Großbanken, allen voran die italienische Unicredito, verloren sogar noch mehr.

Welt-Fonds ohne Bankaktien

Finanzaktien Test

Die Hochburg der deutschen Banken ist Frankfurt am Main.

Kein Wunder, dass viele Fondsmanager inzwischen auf Bankaktien verzichten. Einige tun das schon länger und sind gut damit gefahren. So enthalten die beiden Flossbach-von-Storch-Fonds, die zu unseren Empfehlungen unter den Aktienfonds Welt gehören (siehe test.de/fonds) schon seit 2007 keine Finanzaktien mehr. Auch aus dem R + P Universal ist die Branche zurzeit verbannt.

Aber was machen Anleger, die grundsätzlich nur Indexfonds kaufen? In den breiten Indizes sind Finanztitel schließlich stets mit von der Partie.

Zwar gibt es von Morgan Stanley, Stoxx und von der Deutschen Börse Indizes, die Finanzaktien aussparen, aber deutsche Anleger können sie noch nicht als Indexfonds kaufen.

So bleibt für Bankenmuffel nur eine Alternative: Aktienindizes, die sich an islamischen Rechtsvorschriften orientieren. Shariah- oder Islamic-Indizes enthalten in der Regel weder Banken noch Versicherungen.

Neben Alkohol und Tabak, Glücksspiel und Erotik ist für Indizes nach den Regeln des Islam nämlich auch das gewerbliche Verleihen von Geld tabu. Das führt zu einer Aufwertung der verbliebenen Branchen.

Beispiel: Der DJ Islamic Market Titans 100 enthält über 30 Prozent Computer-, Software- und Internetaktien sowie knapp 22 Prozent Aktien aus der Gesundheitsbranche. Das ist deutlich mehr als in herkömmlichen Weltindizes.

Anleger, die sich weniger aus religiösen als aus pragmatischen Gründen für einen Islamic- oder Shariah-Fonds interessieren, sollten abwägen, ob ihnen die Branchengewichtung zusagt. Detailinformationen zur Zusammensetzung finden sie in den Datenblättern (Factsheets) bei den Anbietern (www.etf.db.com und www.ishares.de).

Jetzt erst recht auf Banken setzen

Fast alles spricht zurzeit gegen Finanzaktien. Das bringt manche Anleger ins Grübeln: Wäre es nicht klug, gerade jetzt in diese Branche zu investieren? Tatsache ist, dass viele Finanzaktien nach gängigen Bewertungskriterien inzwischen sehr billig sind und deshalb in sogenannten Value-Indizes eine große Rolle spielen. Unter Value-Aktien verstehen Börsenprofis die Papiere jener Unternehmen, deren innerer Wert sich im Börsenkurs noch nicht angemessen widerspiegelt.

Auf der anderen Seite dürfen sich Anleger keinen Illusionen hingeben. Jede Verschärfung der Euro-Krise, aber auch Finanz- oder Wirtschaftsprobleme in anderen Teilen der Welt können Banken und Versicherungen stark unter Druck bringen.

Breit aufgestellte Finanzindizes

Wer auf Finanzaktien setzt, sollte also viel Optimismus mitbringen. Nur wenn die Probleme im Euro-Raum nicht ausufern und die Weltwirtschaft in Schwung bleibt, könnte die Spekulation aufgehen.

Für Anleger, die das Wagnis eingehen wollen, eignen sich Fonds auf breit aufgestellte Finanzindizes (siehe Tabelle „Indexfonds mit und ohne Finanzaktien“).

Der MSCI World Financials enthält die wichtigsten Bankaktien der entwickelten Börsenplätze. US-Banken sind mit über 40 Prozent im Index vertreten, größte Position ist die amerikanische Wells Fargo. Europa und vor allem die Euro-Zone spielen in dem Index eine untergeordnete Rolle.

Der bei Indexfonds-Anbietern gebräuchlichste europäische Bankenindex, der Stoxx 600 Europe Banks, wird zu mehr als 22 Prozent von der britischen HSBC dominiert. Mit großem Abstand folgen die spanische Banco Santander (knapp 8 Prozent) und die Schweizer UBS (7 Prozent).

Auch die Aktien von Versicherungen könnten profitieren, wenn die Probleme im Euro-Raum zumindest vorübergehend gelöst würden. Der Stoxx 600 Europe Insurance bündelt die wichtigsten europäischen Versicherer. Knapp 14 Prozent entfallen zurzeit auf die Allianz, gut 10 Prozent auf die Zurich Financial und etwa 9 Prozent auf die britische Prudential.

Wie alle Branchenfonds eignen sich Banken- und Versicherungsfonds nur als Beimischung für ein breit gestreutes Depot. Mehr als 10 Prozent sind selbst Risikobereiten nicht zu empfehlen.

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