Filmfonds Meldung

Geprellte Anleger von Filmfonds können Schadenersatz für Verluste statt von den Initiatoren auch von Banken und sogar von Wirtschaftsprüfern fordern. Das steht in Urteilen, die Rechtsanwälte der Kanzlei Mattil & Kollegen aus München erstritten haben.

Das Oberlandesgericht München hat per Musterentscheid festgestellt: Der Prospekt des VIP-4-Filmfonds war in mehreren Punkten falsch (Az. KAP 1/07). Verantwortlich ist außer dem Initiator Andreas Schmid auch die UniCreditbank, über die der Fonds seine Geschäfte abgewickelt hat.

Damit setzen sich erstmals Anleger in einem Kapitalanlegermusterverfahren durch. Der Musterentscheid gilt bundesweit für alle Klagen wegen VIP-4-Filmfonds. Alle Kläger sind zu entschädigen, wenn der Bundesgerichtshof die Entscheidung nicht wieder aufhebt.

Noch eine Premiere: Erstmals muss eine der vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die PricewaterhouseCoopers (PwC), Anleger für Verluste aus Filmfonds entschädigen. Das Landgericht München I hat die Wirtschaftsprüfer in zwei Verfahren verurteilt, Schadenersatz zu zahlen (Az.28 O 17339/10 und 28 O 17340/10, nicht rechtskräftig).

Die Kläger hatten sich 2001 und 2002 an dem Fonds MBP NY 121 beteiligt, der wie zwei weitere Fonds in Spielfilme und Serien investierte. In allen drei Fonds fungierte PwC als Mittelverwendungskontrolleur.

Die Initiatoren der Fonds warben mit der externen Kontrolle durch die Wirtschaftsprüfer. Sie sollten vor Freigabe von Fondsgeldern Unterlagen im Detail prüfen. Das taten sie aber oft nicht. Darüber hätte die PwC vor Vertragsabschluss aufklären müssen, urteilte das Gericht.

[Update 07.02.2012] Jetzt hat auch das Oberlandesgericht München PwC zu Schadenersatz wegen Verlusten bei MBP-Fonds verurteilt. Die Richter haben keine Revision zugelassen. Die Wirtschaftsprüfer können sich wegen der Verweigerung der Revisionszulassung aber noch beim Bundesgerichtshof beschweren.

Oberlandesgericht München, Urteil vom 19.12.2011
Aktenzeichen: 19 U 2542/11

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