Fieber messen wie in alten Zeiten oder mit Hightech? Die „Alten“ messen sehr genau, moderne Geräte nicht immer. Sie sind aber schneller. Ein „sehr gutes“ Thermometer gibt es für 5 oder für 50 Euro.

Meist gibt es in jedem Haushalt gleich mehrere Fieberthermometer, die für den Ernst- und Notfall in Schubladen und Badezimmerschränkchen bereitgehalten werden.

Wann haben Sie das letzte Mal Fieber gemessen? Wenn Kleinkinder im Haus sind, geschieht das laut Statistik relativ häufig: Bei ihnen müssen Eltern im Jahr mit bis zu zwölf Infekten rechnen. Im Schnitt sind es sieben fiebrige Erkrankungen, die eine Kontrolle der Körpertempe­ratur nahe legen. Schulkinder leiden pro Jahr an etwa drei fiebrigen Infektionen, Erwachsene an zwei. Fieber ist an sich keine Krankheit, aber das häufigste Signal für krankhafte Prozesse. Sie werden von typischen Veränderungen der Körpertemperatur begleitet. Ihr Verlauf lässt sich per Fieberthermometer überwachen. Fieberkurven sind Diagnosehilfen. Arzt und Patient können feststellen, ob die Krankheit ihren Höhepunkt erreicht hat oder die Behandlung „greift“. Beim Temperaturmessen geht es also darum, eine Krankheit zu erkennen, zu kontrollieren, aber auch darum, Fieberfreiheit festzustellen. Ab etwa 40 Grad Celsius sollte der Verlauf kontinuierlich kontrolliert werden.

Das Fieberthermometer – wohl das am weitesten verbreitete medizinische Gerät in Haushalten – ist in den letzten Jahren elektronisch aufgerüstet worden, nun meist mit Digitalanzeige, akustischem Signal, Fie­beralarm und Messwertspeicher ausgestattet. Man kann wählen zwischen herkömmlichen Glasthermome­tern mit Quecksilber oder Ersatzfüllung, batteriebetriebenen Kontaktthermometern und solchen, die per Infrarotsensor die Körpertemperatur im Gehörgang an der Trommelfellmembran in ein bis zwei Sekunden messen. Thermometer für Stirn und Schläfe ermitteln die Körpertemperatur auf der Haut. Für Säuglinge werden auch spezielle Schnullerthermome­ter angeboten.

Messen: Nach der alten Art

Im Gustavianum-Museum von Uppsala ist ein Originalthermometer aus dem Jahr 1745 zu besichtigen. Es besteht, wie heute, aus einem gläsernen Quecksilberreservoir mit angesetzter Kapillare. Der Schwede Anders Celsius (1701–1744), Astronom, Mathematiker, Physiker, teilte den Tempe­ra­turbereich zwischen Gefrier- und Siedepunkt des Wassers linear in hundert Grade ein. Er gab der heute neben Kelvin naturwissenschaftlich gängigen Temperaturskala den Namen. Das kurze Thermome­ter zum Tempe­ra­turmessen am Patienten führte der englische Arzt Sir Thomas Allbutt 1866 ein. Quecksilberthermometer sind simpel, praktisch, gut – bis heute.

Vor 20 Jahren wurde das Infrarotohrthermometer entwickelt. Inzwischen ist es bereits in fast jedem zweiten Haushalt mit Kindern unter sechs Jahren verfügbar. Am meisten werden für den Hausge­brauch aber digitale Kontaktthermo­me­ter gekauft. Das Messergebnis taucht im Display auf, die Messdauer ist erträglich: in der Regel 60 Sekunden, bei Digitemp 90 Sekunden. Die Thermometer geben zum Teil akustische Signale. Lässt die Batterie nach, zeigen einige auch das an. Scala ST 50 TM ist sogar ein „sprechendes“ Fieberthermometer: Die Körpertemperatur wird von einer freundlichen Frauenstimme angesagt.

Die Zeit bis zum Messergebnis wird heute lieber in Sekunden als in Minuten gezählt. Bei Säuglingen ist Schnelligkeit sinnvoll, denn Fieber kann sich rasch entwickeln. Es könnte Lebensgefahr bestehen. Auch im medizinischen Berufsalltag zählt ein schnelles Ergebnis – zur ersten Orientierung. Die traditionelle rektale Temperaturnahme ist wegen ihrer Genauigkeit beim Arzt Standard geblieben.

Digitale Fieberthermometer sind in der Drogerie ab 5 Euro und und als Aktionsware bereits ab 2,60 Euro zu haben (wie Lidl). Komfortable Ohrthermometer, die die Temperatur am Trommelfell mit Infrarotsensoren ermitteln und auf die Körperkerntemperatur umrechnen, kosten ein Vielfaches. Für das von Braun – das einzige „sehr gute“ Ohrthermometer im Test – müssen sogar 50 Euro bezahlt werden.

Im Test wichtig: Praxisnähe

Im Test ging es vor allem um folgende Fragen: Wie zutreffend ist der ermittelte Temperaturwert? Sind die Thermometer leicht zu handhaben? Treten im Vergleich zur Kontrollmessung Messunterschiede auf? Unter Laborbedingungen haben alle Geräte gut gemessen. Das darf als Folge des Zulassungsverfahrens auch vorausgesetzt werden. Wir haben beim Test größeren Wert auf die Praxisnähe gelegt: Sind auch verlässliche Ergebnisse zu erwarten, wenn Laien ihre Tempe­ratur messen oder Eltern bei ihren Kindern?

Messgenauigkeit: Fünfmal sehr gut

Die größte Genauigkeit erreichten das digitale Kontaktthermometer Thermoval classic und die beiden Kontaktthermometer aus Glas. Bei den Ohrthermome­tern wurden größere Ungenauigkeiten festgestellt – manchmal mehr als 1 Grad Celsius zu niedrige Werte im Vergleich zur Kontrollmessung. Beurer FT 25 erhielt im Punkt Temperaturgenauigkeit und als test-Qualitätsurteil sogar ein „Mangelhaft“. Die Anwendungshinweise müssen bei Ohrthermometern stets beachtet werden. Der Messort, das Trommelfell, muss korrekt anvisiert werden. Nur das Braun-Ohrthermometer schnitt „sehr gut“ ab. Es erreichte die Messqualität von Kontaktthermometern, sowohl bei der Selbstmessung als auch der Messung der Eltern bei ihren Kindern.

Messdauer: Sekunden oder Minuten

Am schnellsten liegen Messergebnisse bei den Infrarot-Ohrthermometern und bei Stirnthermometern vor – innerhalb von einer bis drei Sekunden. Kontaktthermometer messen meist eine Minute. Bei herkömmlichen Glasthermometern muss man sich auf eine Messzeit von einigen Minuten einstellen, bei Schnullerthermometern bis 5 Minuten.

Handhabung: Meist einfach

Alle Kontaktthermometer sind „gut“ zu handhaben. Ob man mit kleinen oder besser mit größeren Displays zum Temperaturablesen zurechtkommt, sollte man beim Kauf prüfen. Ohr- und Stirnther­mo­­meter schnitten in der Handhabung sogar meist „sehr gut“ ab. Dem steht allerdings das schlechte Messergebnis bei den meisten Ohrthermometern gegenüber. Laute Signaltöne zum Ende des Mess­vorgangs wurden besser eingestuft als leisere. Minuspunkt bei den Glasthermometern ist eine relativ lange Messdauer, die ihnen nur ein „Befriedigend“ im Prüfpunkt Handhabung bescherte. Dafür ist hier das Messergebnis exakt.

Information: Von mangelhaft bis gut

Die Gebrauchsinformationen der Ohr- und Stirnthermometer sind ausführlich und „gut“. Ansonsten gilt: Etliche Hersteller liefern kaum oder nur unzureichende Hinweise, wie Messergebnisse zu bewerten sind und was nach dem Fiebermessen zu tun ist. Informationen darüber, dass bei hohem Fieber oder unklaren Messergebnissen ein Arzt hinzugezogen werden sollte, sind aber wichtig.

Zu knapp sind die Informationen beim Uebe Quecksilberfieberthermometer. Hinweise zu den geeigneten Körperstellen für die Messung und die jeweils zu erzielende Genauigkeit fehlen. Auch sollte es für den Fall von Bruch – es besteht immerhin aus Glas – Hinweise auf das richtige Entsorgen der Quecksilberfüllung geben. Urteil für die Kennzeichnung: „mangelhaft“. Wäre das nicht der Fall, hätte das Uebe-Thermometer zu den Spitzenreitern zählen können. Seine Messge­nauigkeit war im Praxistest die beste.

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