Fiebersaft für Kinder Darum ist Paracetamol-Saft knapp

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Fiebersaft für Kinder - Darum ist Paracetamol-Saft knapp
Genau abmessen. Für eine sichere Behand­lung sollten Eltern Fiebersaft mit der beiliegenden Mess­hilfe nach Beipack­zettel dosieren. © Getty Images

„Einmal Fiebersaft mit Paracetamol bitte“ – das bestellen Eltern derzeit in Apotheken oft vergebens. Das Angebot ist knapp. Wir erklären weshalb und nennen Alternativen.

Flüssiges Paracetamol für Kinder und bei Schluck­störungen

Wenn Kinder fiebern oder leichte Schmerzen wie Kopfweh haben, können Eltern ihnen Paracetamol-Saft geben. Auch für Patienten mit Schluck­störungen kommt das flüssige Schmerz­mittel infrage. In den vergangenen Wochen mussten Apotheker und Apotheke­rinnen bei flüssigem Paracetamol aber oft passen: Es ist zur Zeit nur einge­schränkt oder gar nicht liefer­bar.

Weniger Anbieter, höhere Nach­frage

Der Liefer­engpass hat zwei Gründe. Laut der Fach­zeit­schrift arznei-telegramm sind von den elf Anbietern, die es noch vor zwölf Jahren gab, heute nur zwei übrig: Ratiopharm und Bene-Arznei­mittel.

Zudem ist die Nach­frage kurz­fristig gestiegen: Ratiopharm teilte test.de gegen­über mit, aufgrund der Erkältungs- und Grippewelle Ende 2021 und Anfang 2022 sei der Bedarf an Paracetamol-Saft erhöht gewesen: „Auf eine solch hohe Nach­frage waren wir nicht vorbereitet und unsere Produktion konnte aufgrund entsprechender Vorlauf­zeiten auch nicht kurz­fristig reagieren“, sagte eine Unter­nehmens­sprecherin.

Paracetamol-Zäpf­chen für Säuglinge ab 3 Kilo

Solange Eltern keinen Paracetamol-Saft bekommen, können vor allem für kleine Kinder Paracetamol-Zäpf­chen eine Alternative sein. Die Dosierung richtet sich nach dem Gewicht des Kindes: Die geringste Dosierung von 75 Milligramm ist zur kurz­zeitigen Anwendung gegen Fieber und leichte Schmerzen bei Säuglingen mit einem Körpergewicht von 3 bis 6 Kilogramm geeignet.

Allerdings haben Zäpf­chen einen Nachteil: Die Wirkung kann unsicher sein, weil der Arznei­stoff nicht komplett ins Blut über­tritt und das Einführen Stuhlgang auslösen kann.

Wichtig: Babys unter drei Monaten sollten schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel nur nach ärzt­licher Anweisung erhalten. Geben Sie Kindern, die weniger als 33 Kilogramm wiegen, keine Paracetamol-Tabletten: Sie enthalten in der Regel zu viel Paracetamol. Bei einer Über­dosierung kann es zu einer Paracetamol-Vergiftung kommen.

Ibuprofen-Saft ab dem 4. Lebens­monat

Bei Kindern ab dem vierten Lebens­monat lassen sich Fieber und Schmerzen statt mit Paracetamol auch mit Ibuprofen behandeln. Laut Studien wirkt Ibuprofen bei unter Zweijährigen sogar etwas besser und schneller als Paracetamol. Bei der Verträglich­keit gab es beim kurz­zeitigen Einsatz der beiden Mittel keine Unterschiede. Ibuprofen in flüssiger Form als Saft oder Sirup gibt es von verschiedenen Anbietern und in unterschiedlichen Dosierungen.

Tipp: Sehen Sie im Beipack­zettel nach, welche Dosis für das Körpergewicht Ihres Kindes angegeben ist. Messen Sie für eine sichere Behand­lung diese genau ab – mit dem Mess­löffel oder der Applikations­spritze aus der Packung. Mit Ess- oder Teelöffeln ist keine genaue Dosierung möglich.

Krankes Kind: Passende Mittel und Bestell­wege finden

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  • Wenn Sie Medikamente im Internet bestellen wollen, finden Sie in unserem Test von Online-Apotheken Bewertungen für elf Versand­apotheken. Nur eine schneidet gut ab.

Paracetamol-Saft soll bald wieder liefer­bar sein

Ratiopharm plant, seine Paracetamol-Lösung in der Woche ab dem 23. Mai 2022 wieder auszuliefern. Weitere Ware soll dann ab Anfang Juli und im August folgen. Auch der kleinere Anbieter Bene-Arznei­mittel will den Saft künftig weiter anbieten und arbeitet nach eigenen Angaben mit Hoch­druck daran.

Tipp: Wenn Sie Ihrem Kind Paracetamol geben, tritt die fiebersenkende Wirkung erst gut eine Stunde später ein. Geben Sie frühestens nach sechs Stunden eine weitere Dosis.

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CSpenke am 22.05.2022 um 01:33 Uhr
Alternative

Gegen Fieber helfen übrigens auch kalte Wadenwickel - preiswert, leicht zu beschaffen und nebenwirkungsarm…

GuessWhat am 20.05.2022 um 20:52 Uhr
Der Grund

Ich möchte hier ergänzend noch den Grund dafür nennen, warum es nur noch zwei Anbieter für den Saft gibt. Ursache dafür sind unsere Politiker. Die wenigsten Menschen wissen nämlich, dass bei Medikamenten, die über ein Kassenrezept verschrieben werden, unsere Politiker Preise festlegen. Die sogenannte Festbetragsregelung. Bei den genannten Säften dürfte dieser Festbetrag meines Wissens bei etwas über einem Euro liegen. Für solche Kosten ist die Herstellung schlicht nicht mehr wirtschaftlich. Gesetzliche Krankenkassen erstatten die Kosten für Medikamente nur bis zu diesen Festbeträgen. Wird ein Medikament verschrieben, was teurer ist, muss der Patient selbst die Differenz zahlen. Unter bestimmten Umständen ist dann auch überhaupt gar keine Abgabe möglich. Wenn also Eltern sich nun berechtigterweise Sorgen machen, sollten sie ihren Unmut oder ihre Wut mit ihrem Wahlkreisabgeordneten teilen. Er oder sie ist letztlich dafür verantwortlich.