Feuerlöscher Auf den Inhalt kommt es an. Im Haushalt eignen sich prima Schaum (Foto) und Wasser, Pulver eher nicht.

Keine Panik, wenn der Rauchmelder Alarm schlägt und es brennt. Mit den richtigen Mitteln können Sie Feuer bekämpfen, ohne sich zu gefährden.

Erst züngeln die Flammen schwach, dann immer heftiger. Der ausgetrock­nete Advents­kranz brennt. Das Feuer greift auf den Vorhang über. Schon lodern die Flammen meter­hoch. In diesem Moment greift Jörg G. zum Lösch­spray, reißt die Kappe von der Dose und drückt den Knopf. Ein breiter Strahl schaumiger Tröpf­chen sprüht in Richtung Feuer. Jörg G. zielt genau und meldet kurz darauf: „Feuer aus“. Ein Blick auf die Stopp­uhr zeigt: Die Lösch­aktion hat 22 Sekunden gedauert. Einen Wohnungs­schaden gabs zum Glück nicht. Der Kranz fackelte im Auftrag der Stiftung Warentest auf einem Prüf­stand ab.

Unser Rat

Wenn es zu Hause in der Wohnung lichterloh brennt, lautet der wichtigste Rat: Sich und andere in Sicherheit bringen und die Feuerwehr rufen. Sofern es gefahr­los möglich ist, können Sie ergänzend einen kleinen Brand selbst bekämpfen, aber aus sicherer Distanz. Empfehlens­wert sind dafür vor allem Schaum- und Wasser­löscher mit 6 Liter Inhalt für etwa 50 bis 100 Euro je Stück sowie hand­liche Lösch­sprays mit 0,6 Liter Inhalt für etwa 22 bis 30 Euro.

Wasser und Schaum löschen prima

Lösch­spray Advents­kranz und Vorhang brennen lichterloh. Mit den Sprays ließen sich solche Brände in 11 bis 22 Sekunden löschen.

Prüfer Jörg G. war für uns im Dauer­einsatz. Immer wieder setzten wir Advents­kränze in Brand. Außerdem zündeten wir Elektro-Kabeltrommeln und Speiseöl an, um zu klären: Welche Arten von Lösch­geräten eignen sich, um kleine, entstehende Brände in Wohn­räumen zu bekämpfen? Die Antwort: Praktisch sind die Lösch­sprays mit 0,6 Liter Inhalt, mit denen sich alle Test­brände löschen ließen. Schaum- und Wasser­löscher mit 6 Liter Inhalt machen wegen des größeren Lösch­vermögens das Zuhause noch sicherer. Keine gute Wahl sind Pulverlöscher und Lösch­decken.

Video: Verschiedene Löscher­typen im Praxis­test

Unser Film zeigt unter anderem, warum es keine gute Idee ist, Fett­brände mit Wasser löschen zu wollen.

Oft reichen wenige Sekunden

Jörg G. ist ein erfahrener professioneller Brandbekämpfer. Er warnt: „Jedes Feuer ist anders.“ Flammen verhalten sich tückisch und breiten sich unterschiedlich aus – selbst kleine Luft­bewegungen können den Brand­verlauf beein­flussen. Umso erfreulicher ist das Ergebnis unserer Versuche: Alle drei typischen Haus­halts­brände konnte der Prüfer in kurzer Zeit besiegen. Mit den Schaum- und Wasser­löschern brauchte er dafür maximal 12 Sekunden, mit den Lösch­sprays höchs­tens 26 Sekunden.

Tipp: Achten Sie auf die Inhalts­menge der Sprays. Die 500 Gramm einer Reinold-Max-Dose reichten bei unseren Praxis­tests zum Teil nur knapp. Empfehlens­wert sind eher die größeren Lösch­sprays von Abus und Prymos.

Demons­tration mit Wucht. Der Prüfer kippt einen Viertelliter Wasser, das sich im Töpf­chen am Ende der Stange befindet, in brennendes Speiseöl. In Sekundenbruch­teilen bildet sich eine Flammenwolke aus Fett und Dampf.

Mehr Reserve mit 6-Liter-Löschern

Wie lange versprühen die Lösch­geräte ihr Pulver, Wasser oder ihren Schaum, wenn der Prüfer den Auslöser permanent drückt? Auch das haben wir ausprobiert. Die 6-Liter-Feuerlöscher sprühten etwa eine halbe bis eine Minute lang. Diese großen Feuerlöscher „verschießen“ in dieser Zeit natürlich deutlich mehr Flüssig­keit als die Sprays.

Tipp: Wer auf Nummer sicher gehen will und mehr Lösch­mittel­reserve wünscht, sollte sich einen Wasser- oder Schaum­löscher mit 6 Liter Inhalt kaufen.

Nahkampf mit der Lösch­decke

Lösch­decke. Um damit ein Feuer zu bekämpfen, muss sich der Prüfer gefähr­lich nah an den Brandherd heran­bewegen.

Als Alternative erprobten wir auch zwei Lösch­decken. Mit einer kleinen und einer großen Decke versuchte Jörg G., die Brände zu ersti­cken. „Das Ausbreiten der Flammen konnte ich zwar stoppen, aber die Feuer waren nicht sofort aus“, kritisiert er. Mehr­fach schimmerte noch minuten­lang Feuer­schein durch die Decke hindurch. Auch das Speiseöl brannte weiter oder entflammte von neuem, sobald der Prüfer die Decke zur Seite nahm. Das größte Problem: Wer die Lösch­decke nutzt, muss gefähr­lich nah an den Brandherd heran. Vorsichts­halber verzichteten wir im Praxis­test mit den Lösch­decken auf Versuche mit brennenden Vorhängen. Sie hätten unserem Prüfer auf den Kopf fallen können.

Tipp: Spray oder Löscher sind effektiver und sicherer als eine Decke. Bei brennendem Öl im Topf kann auch helfen: Dicht schließenden Deckel drauf und Wärmezufuhr stoppen.

Oft mangelnde Lösch­wirkung

Lösch­decken galten noch vor einigen Jahren als gute Wahl für den Brand­schutz. Mitt­lerweile sind sie in Verruf geraten – und das bereits mehr­fach. Zum Beispiel kritisierte die schweizerische Verbraucher­zeit­schrift K-Tipp nach einem Test mit brennendem Speiseöl die oft mangelnde Lösch­wirkung. Im schlimmsten Fall schlug das Feuer beim Lösch­versuch sogar durch die Decke hindurch. Die Deutsche Gesetzliche Unfall­versicherung warnt, dass Lösch­decken „zur Bekämpfung von Speiseöl- und Speise­fett­bränden im gewerb­lichen und öffent­lichen Bereich nicht verwendet werden sollten!“ Die Experten empfehlen statt­dessen Feuerlöscher der Brandklasse F.

Falls Kleidung an einer Person in Brand gerät, können durch das Andrü­cken der Decke glühende Stoff­teile auf die Haut gepresst werden, sodass zusätzliche schwere Verletzungen drohen. Fazit der Unfall­versicherer: Unabhängig vom Geräte­typ sind Feuerlöscher „wesentlich effektiver als die Benut­zung einer Lösch­decke“.

Pulver besser nicht im Wohn­raum

Pulverlöscher. Sekunden­schnell trübt die Wolke aus feinem Pulver die Sicht.

Als Schnäpp­chen präsentiert der Handel oft Pulverlöscher mit 6 Kilo Inhalt. So kostet das geprüfte Adler-Modell häufig nur 37 Euro. Jörg G. erprobt es aus gutem Grund nur im Freien: Schon ein kurzer Hebel­druck reicht aus, um eine gewaltige Pulverwolke zu erzeugen. Kurz danach sind Brand und Umge­bung kaum noch zu sehen. Im Zimmer kann der mangelnde Durch­blick gefähr­liche Folgen haben.

Unsere Experten machen oben­drein auf die Verschmut­zungs­gefahr durch das feine Lösch­pulver aufmerk­sam, das sich über­all verteilt und in Fugen und Ritzen dringt. Aus Sorge, es könnte die Mess- und Filmgeräte auf dem Prüf­stand beschädigen, haben wir auf die Praxis­versuche dort im Innenraum verzichtet.

Tipp: Pulver bietet gegen­über Wasser den Vorteil, dass es auch bei Minusgraden löscht. In Wohn­räumen spielt das aber keine Rolle. Wählen Sie besser einen Löscher mit Wasser oder Schaum, damit die Wohnung nicht unnötig verschmutzt und keine hohen Folge­kosten entstehen.

Keine Angst vorm Hebeldrücken

Wer noch nie einen Löscher betätigt hat, könnte sich sorgen, dass es im Ernst­fall miss­lingt. Solche Ängste sind unbe­gründet, zeigt der Test. Oft reicht es, den Sicherungs­stift zu ziehen – und schon kanns losgehen bei Modellen, die dauer­haft unter Druck stehen. Bei einem anderen Funk­tions­prinzip ist zusätzlich zum Beispiel ein Schlag auf den Löscher-„Kopf“ notwendig, um im Innern das Treibgas frei­zusetzen.

Keine Bange: Das Lösch­mittel entweicht nach dem Scharfmachen nicht schlag­artig. Es beginnt erst zu sprühen, wenn der Nutzer den Dosierhebel drückt.

Tipp: Falls nötig, können Sie aufhören zu drücken, den Prozess so unter­brechen und dann wieder starten. Die Kraft des Strahls ähnelt der eines Garten­schlauchs.

Die Bedienungs­hinweise und Piktogramme auf den Lösch­geräten sind in der Regel hilf­reich und leicht verständlich. Ausnahme: Auf dem 2-Liter-Löscher von GEV steht „Sicher­heits­bolzen drücken“. Es gibt dort aber keinen Bolzen, sondern eine Sperr­taste. Ein Miss­verständnis könnte im Ernst­fall wert­volle Zeit kosten.

Tipp: Stellen Sie das Spray oder den Löscher an eine gut erreich­bare zentrale Stelle Ihrer Wohnung, zum Beispiel im Flur – in praktischer Griff­höhe. Im Ideal­fall können Sie dann ein entstehendes Feuer in wenigen Sekunden löschen.

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