Feuchte Wohnungen Meldung

Hochwasser, Grundwasser, Baufehler, Kondensat ­ unter deutschen Dächern gibts immer mehr Ärger mit feuchten Wänden, Böden und Decken. Wer gefährlichem Schimmel vorbeugen will, muss der Feuchtigkeit den Kampf ansagen.

Neckar und Schwarzbach fließen über weite Strecken durch schöne Landschaften und hübsche Orte. Als Carl L. vor fünf Jahren in den Ruhestand ging, wollte er "raus aufs Land" und siedelte in ein kleines Schwarzbach-Städtchen um. Zusammen mit der Familie bezog er ein altes Bauernhaus. Innen war es renoviert ­ die Wände zum Teil mit Gipskartonplatten verkleidet und der Keller frisch getüncht. Doch die Farbe blätterte bald ab. Und auch sonst wurde Carl L. dort nicht glücklich. Allergien und diverse Atemwegserkrankungen machten ihm zu schaffen. Nach längerer Leidenszeit hatte der HNO-Arzt einen Verdacht: Feuchte im Haus. Tat- sächlich ergab die Untersuchung der Stiftung Warentest eine starke Belastung mit Schimmel. Carl L. entdeckte Schimmelflecken im Keller und hinter Verkleidungen. Und er fand heraus, dass das Haus 1994 bis zur halben Höhe vom Hochwasser überflutet war. Vermutlich ist es seitdem nie richtig ausgetrocknet.

Mehr als 1.700 Wohnungen haben wir im Rahmen der test-Leseraktion "Schimmel im Haus" untersucht. Sehr oft bestätigte sich der Verdacht der Bewohner: Egal ob Neubau oder Altbau ­ Schimmelpilze nisten sich immer häufiger als unerwünschte Untermieter ein. Damit sie sich im Haus wohlfühlen und vermehren, muss eine Grund- voraussetzung erfüllt sein: zu viel Feuchtigkeit. Alle betroffenen Haushalte haben ein gemeinsames Problem: zu viel Wasser dort, wo es nicht hingehört ­ in Luft, Dach, Wand oder Boden.

Die Ursachen sind vielfältig: Am spektakulärsten sind zweifellos die Hochwasserschäden, die viele Flussanrainer in Angst und Schrecken versetzen ­ als Rache zunehmend zubetonierter oder asphaltierter Flächen. Vergleichsweise harmlose Überschwemmungen drohen, wenn die Waschmaschine ausläuft, das Aquarium undicht wird oder ein Heizkörper zu tropfen beginnt.

Quellen für feuchte Wände

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Opfern von Schimmel steht das Wasser keineswegs nur dann bis zum Hals, wenn der Keller absäuft. Mindestens ebenso gefährlich können auf Dauer scheinbare Kleinigkeiten wirken. Und da diese Risiken oft unterschätzt werden, ist die Gefahr besonders heimtückisch.

Wenn 2.000 bis 3.000 Liter Regenwasser (so viel wie 200 beziehungsweise 300 normale Wassereimer fassen) in einen Keller laufen, kommt die Feuerwehr, und die Lokalzeitung berichtet. Kaum jemand weiß aber, dass mindestens die gleiche Wassermenge jedes Jahr jeden Mehrpersonenhaushalt belastet ­ und zwar beim ganz normalen Bewohnen durch verdunstende Feuchtigkeit. Sie entsteht beim Atmen, Schwitzen, Duschen, Kochen, Putzen, Wäsche waschen oder Trocknen nasser Schuhe und Kleidungsstücke; sie stammt von Zimmerpflanzen, Schnittblumen, Zierfischen und Haustieren. Pro Tag ist das oft mehr als ein 10-Liter-Eimer voll Wasser. Die Folgen sind erhöhte Luftfeuchtigkeit und ­ wenn der Wasserdampf kondensiert ­ feuchte Wandoberflächen.

Physik hilft Lüften

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Einrammen von Edelstahlblechen in eine Mauerwerksfuge, um auf-steigende Feuchtigkeit zu stoppen.

Egal ob Überschwemmung oder normale Verdunstung ­ das Wasser muss raus. Bei einer Überschwemmung lässt sich zwar ein Großteil des Wassers abpumpen und mit einem Profi-Trocknungsgerät reduzieren, doch Lüften ist in jedem Fall wichtig. Was viele nicht wissen: Gerade in der kalten Jahreszeit sind die Chancen gut, Problembereiche trockenzulegen ­ durch eine Kombination aus richtigem Lüften und Heizen .

Oft bleiben diese Chancen ungenutzt. Unter vielen Dächern gilt das Motto "Winterzeit ­ Schimmelzeit". Verantwortlich dafür ist ein unglückliches Zusammentreffen verschiedener Effekte, die den Schimmel immer mehr verbreiten ­ quasi als neue Volksseuche:

- Der Einbau moderner, energiesparender Fenster und dichter Haustüren stoppt zwar unangenehmen Zug, verhindert aber auch unkontrollierte "Zwangslüftung" durch Fugen und Ritzen.

- In vielen Haushalten öffnen sich die Fenster seltener als früher. Im morgendlichen Stress ist keine Zeit fürs Lüften, tagsüber ist niemand zu Hause, und abends sitzt man lieber gemütlich vorm Fernseher, als sich kalte Luft um die Ohren wehen zu lassen.

- Nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene sind zu wenig darüber informiert, wie wichtig das Lüften fürs Wohlbefinden ist. Diejenigen, die es wissen müssten ­ vom Fensterbauer bis zum Vermieter ­, fühlen sich nicht zuständig.

- Steigende Öl- und Gaspreise fördern das Energiesparen. Im Prinzip gut, aber mitunter an der falschen Stelle. Wer aufs Lüften verzichtet, zahlt am Ende drauf.

Wird die Feuchte nicht zum Fenster hinausgelüftet, geht sie ihren eigenen Weg. Gelangt feuchtwarme Luft zum Beispiel hinter einen Schrank vor einer kalten Außenwand, sitzt sie dort in der Kältefalle, und die Physik schlägt unbarmherzig zu: Die Wand kühlt die Luft ab, der Taupunkt wird unterschritten, überflüssiger Wasserdampf kondensiert an der Oberfläche.

Der Hintergrund: Kalte Luft kann viel weniger Wasserdampf aufnehmen als warme Luft. So können 100 Kubikmeter Luft (das ist die Luftmenge in 40 Quadratmeter großen und 2,5 Meter hohen Räumen) bei 25 Grad Celsius annähernd zwei Liter Wasser aufnehmen, 10 Grad kalte Luft hingegen weniger als die Hälfte. Wird feuchtwarme Luft abgekühlt, kondensiert das überflüssige Wasser an der Wand. Die wird im Laufe der Zeit immer feuchter und ihr Wärmeschutz immer schlechter. Wie im Teufelskreis kühlt sie noch stärker aus, wird noch feuchter ...

Kältefalle Schlafzimmer

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Schäden durch undichtes Fallrohr und fehlende Horizontalabdichtung.

Auffällig viele Teilnehmer der test-Leseraktion vermuteten Schimmelprobleme in ihrem Schlafzimmer. Zu Recht, wie unsere Auswertung zeigt. Bei den belasteten Räumen handelte es sich fast zur Hälfte um Schlafzimmer. Viele leiden unter geradezu stiefmütterlicher Behandlung. Nach dem Motto "Die Bettdecke tuts auch" wird die Heizung im Schlafraum völlig abgedreht. Und Lüften findet höchstens am Wochenende statt. Wer so handelt, wird im Schlafzimmer nie allein sein. Denn Schimmelpilze fühlen sich in einer solchen Le- bensgemeinschaft wie zu Hause und vermehren sich reichlich. Der Grund ist Feuchte, die mindestens auf zwei Wegen in den Raum gelangt. Erstens, weil Schläfer bekanntlich zwar nicht sündigen, aber viel schwitzen und atmen (ungefähr ein Liter Wasser pro Nacht). Und zweitens kommt Feuchtigkeit auch durch die Tür herein. Immer wenn sie geöffnet wird, strömt feuchtwarme Luft aus anderen Teilen der Wohnung in den Schlafraum. Am schlimmsten ist es, das Zimmer durch Warmluftzufuhr aus anderen Räumen beheizen zu wollen.

Der Raum, wo man rund ein Drittel seines Lebens verbringt, beherbergt oft die meisten Schimmelpilze. Zum Beispiel hinterm Schlafzimmerschrank, versteckt unter dem Vorhang oder ­ besonders heimtückisch ­ hinter Tapete oder Wandverkleidung.

Tipp:

Lüften Sie das Schlafzimmer so oft wie den Rest der Wohnung und drehen Sie die Heizung zumindest tagsüber nicht völlig ab. Wer den Schlafraum niedriger temperiert als die übrige Wohnung, darf die Verbindungstür nicht ständig offen lassen.

Früher waren die Fenster mit Abstand die kältesten Flächen in einer Wohnung. Folglich kondensierte hier das meiste Wasser und richtete vergleichsweise wenig Schaden an. Anders bei moderner Wärmeschutzverglasung: Hier konkurrieren kühle Außenwände mit den Fenstern zunehmend um die Position des Feuchtefängers. Besonders problematisch sind so genannte Wärmebrücken. Das sind einzelne Abschnitte in der Außenhülle eines Gebäudes, die im Vergleich zu den übrigen Wänden die Wärme besonders schnell ableiten, also besonders schnell auskühlen.

Schimmel als Pfuschindikator

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In der kalten Jahreszeit liegt das Risiko, sich Feuchte und Schimmel ins Haus zu holen, dicht neben der Chance, sie erfolgreich zu verbannen. Also nur Mut: Lüften mit trockener kalter Winterluft bei weit geöffnetem Fenster tut gut.

Typische Stellen, an denen Planungsfehler oder Pfusch am Bau zu den berüchtigten Wärmebrücken führen, sind zum Beispiel schlecht oder gar nicht gedämmte Fensterstürze, Betondecken, Rollladenkästen und Balkone. Aber auch Nässe von außen ­ zum Beispiel Schlagregen, der in Rissen im Putz versickert ­ kann die Wärmeleitfähigkeit der Wand ungünstig beeinflussen.

Sparsames Lüften und Heizen ist keineswegs die einzige Ursache für Feuchte und Schimmel ­ wie es Vermieter und Baufirmen gern Glauben machen wollen. Oft verstärken sich dadurch nur die eigentlichen Übel. Tatsache ist: So mancher Pfusch am Bau wird durch Schimmelflecken offensichtlich ­ leider oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten. Teilnehmer unserer test-Leseraktion stießen ­ angeregt durch die Untersuchungsergebnisse ­ auf "bislang nicht erkannten Wasserschaden", "eindringende Feuchtigkeit", "undichtes Flachdach", "Leck in Heizungsrohr" oder "fehlerhafte Kellerabdichtung". So lauten viele typische Schadensmeldungen.

Ein Drittel aller Betroffenen nennt "schlechte Wärmedämmung" zumindest als einen Grund für die Schimmelbelastung. Entweder weil das ganze Haus zu wenig gedämmt ist oder weil die Dämmung Lücken aufweist. Gefährlich können sich winzige Undichtigkeiten in der Dach- und Fassadendämmschicht auswirken. So berichtet der Bewohner eines mit Schimmel belasteten Fertighauses (Baujahr 1977) von Steckdosen in der Außenwand, durch die die Luft hindurchpfeifen kann. Das Problem: Entweicht feuchtwarme Luft im Winter durch die eiskalte Dämmschicht, schlägt sich die Feuchtigkeit dort sofort nieder. Das Wasser kann die Wirkung der eigentlich gut gemeinten Dämmung zunichte machen und zu schweren Schäden führen.

Tipp:

Kontrollieren Sie an einem windigen Tag mit Hilfe eines Feuerzeugs, ob es durch Fugen und Ritzen Ihrer Wohnung zieht. Falls sich dahinter eine Dämmschicht befindet, sollten Sie diese auf Feuchteschäden kontrollieren.

Carl L. aus dem schönen Schwarzbachtal hatte von Feuchte und Schimmelpilzen die Nase voll. Als auch noch die einjährige Enkelin an schweren Pseudokrupp-Anfällen erkrankte, entschloss sich die Familie zu einem Wohnungswechsel. Seitdem sind alle Beschwerden wie weggeblasen. Carl L. ist trotzdem nicht ganz zufrieden: Obwohl er die Vermieterin des alten Hauses über den Schimmelpilzbefall informiert hatte, ließ sie nichts sanieren. Stattdessen sucht sie neue Mieter.

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