Festzins, Anleihen und Aktien Schnelltest

Bis zur Fußball-Weltmeisterschaft dauert es noch wenige Monate. Viele Kreditinstitute werben aber schon jetzt mit Festzinsangeboten, Anleihen oder auch Aktien zum Thema. So manches Angebot scheint reichlich bemüht. Für echte WM-Fans sind aber auch originelle Angebote dabei. test.de nennt Vor- und Nachteile von vier ausgewählten Produkten und sagt, wie hoch der WM-Faktor ist.

Postbank: Weltmeister-Zertifikat

Angebot: Anleger können das Weltmeister Zertifikat der Postbank bis zum 28. April 2006 zeichnen. Es läuft bis zum 5. Mai 2012 und garantiert 6 ­Prozent fürs erste Jahr – sogar 7 Prozent, falls Deutschland das Endspiel erreicht. Danach hängt die Verzinsung von der Entwicklung eines Korbs mit 20 Aktien ab. Wenn die Aktien zum jährlichen Stichtag zugelegt oder nur wenig verloren haben, gibt es weiter 6 Prozent pro Jahr. Wenn vier der 20 Aktien über 10 Prozent verlieren, gibt es für das Jahr nur 2 Prozent. Sobald mindestens vier Aktien um mehr als 30 Prozent abstürzen, entfällt die Verzinsung.
Vorteil: Der Anleger kann nichts verlieren und hat 0,5 Prozent Rendite sicher.
Nachteil: Beim Kauf werden 3 Prozent Ausgabeaufschlag fällig. Das bringt den Anleger sofort in die Defensive. In schlechten Börsenphasen ist das Zertifikat keine Verstärkung fürs Depot. Die Gefahr, in solchen Jahren ohne Verzinsung dazustehen, ist groß. Außerdem schießt der Anleger mit den sicheren 6 Prozent für 2007 steuerlich ein Eigentor. Die hohe Ausschüttung fällt mit der Kürzung des Sparerfreibetrags zusammen. Eine Aufsplittung des sicheren Zinses auf mehrere Jahre wäre besser.
WM-Faktor: Mittel. Der 1-prozentige Endspielbonus ist der einzige direkte Bezug zum Sportereignis. Einige der ausgewählten Unternehmen gehören zu den WM-Sponsoren.
Fazit: Nur bei positiver Börsenstimmung landet der Anleger mit dem Zertifikat einen Treffer. Allerdings geht er für diesen Fall besser richtig in die Offensive und setzt auf einen guten Aktienfonds.
Im Internet: www.postbank.de

JP Morgan: Go-getter-Anleihe

Angebot: Die Go-getter-Anleihe von JP Morgan läuft bis zum 17. März 2008 und hat 100 Prozent Kapitalschutz. Die Verzinsung orientiert sich an den Aktien von acht WM-Sponsoren. Maßgeblich ist nicht ihre absolute Kursentwicklung, sondern der Vergleich mit je einer anderen Aktie aus derselben Branche. Die gemittelten Kursdifferenzen der acht Aktienpaarungen an einem Stichtag ergeben den Zins für je ein Jahr. Im ungünstigsten Fall erhält der Anleger keine Zinsen, im besten, aber unwahrscheinlichen Fall bis zu 10 Prozent im ersten und 20 Prozent im zweiten Jahr.
Vorteil: Der Anleger riskiert nicht mehr als den Ausgabeaufschlag (1,5 Prozent) und hat auch bei fallenden Börsen die Chance auf eine Verzinsung.
Nachteil: Anleger gehen mit Handicap ins Spiel, da ein Kursplus der WM-Sponsoren nur bis zu einer prozentualen Obergrenze zählt. Der Anbieter kann beim Aktienvergleich unbegrenzt punkten.
WM-Faktor: Gering. Die thematische Anbindung an die Fußball-WM wirkt reichlich bemüht.
Fazit: Den Fairplay-Pokal gewinnt das Angebot nicht. Es ist zu kompliziert und behindert durch einseitige Spielregeln die Renditechancen.
Im Internet: www.jpmorgan.com

Vereinigte Volksbank: VR-Zinskick

Angebot: Die Vereinigte Volksbank Böblingen / Sindelfingen bietet für fest angelegtes Geld bis zum 1. Februar 2008 pro Jahr 2,65 Prozent. Ein paar Zehntel Bonus für 2006 können Anleger abstauben, wenn das Team, auf das sie setzen, im WM-Turnier weiterkommt. Für Costa Rica oder Togo gibt es mehr Prozente als für Favoriten wie Brasilien. Realistisch sind höchstens 3,5 Prozent Rendite.
Vorteil: Das Angebot ist risikolos, die Grundverzinsung fair.
Nachteil: Anleger müssen 5 000 Euro mitbringen. Der Basiszins von 2,65 Prozent wird von anderen Anbietern getoppt (Einmalanlagen mit Festzins).
WM-Faktor: Hoch. Die Aufteilung der WM-Teams in drei Gruppen und der gestaffelte Zinsbonus ab dem Achtelfinale bieten risikofreien Wettspaß.
Fazit: Wenn Holland oder Tschechien die Favoriten das Fürchten lehren, könnte das Angebot an den Spitzenreitern unseres Zinstests vorbeiziehen. Den Sonderpreis für die originellste Idee hat es allemal verdient.
Im Internet: www.diebank.de

Dresdner Bank: Weltmeister-Bonus

Angebot: Die Dresdner Bank bietet auf ihrem Geldmarktkonto für neu angelegte Beträge 3 Prozent Basiszins plus einen Weltmeisterbonus von 0,75 Prozent.
Vorteil: Der Anleger geht kein Risiko ein. Unabhängig vom Ausgang der Weltmeisterschaft kann er bis zum 31. August 2006 zu einem Zinssatz von guten 3 Prozent anlegen.
Nachteil: Die attraktive Verzinsung gibt es für höchstens 20 000 Euro. Außerdem ist sie befristet. Ab September gilt wieder die magere Standardverzinsung. Sie beträgt zurzeit 0,5 bis 1,1 Prozent pro Jahr.
WM-Faktor: Mittel. Fußballfans haben einen Grund mehr, die Daumen für Deutschland zu drücken. Originell ist die Idee aber nicht gerade.
Fazit: Für Kurzpassspieler, die Zinsschnäppchen hinterherjagen, ist das Angebot attraktiv. Wegen der engen zeitlichen Befristung ist Euphorie fehl am Platze.
Im Internet: www.dresdner-bank.de

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