Festverzinsliche Wertpapiere Meldung

Fast alle Anleihen notieren an der Börse. Doch nur die wenigsten gibt es dort zu einem günstigen Preis zu ­kaufen. Banken bieten ihren Kunden deshalb Anleihen zu Festpreisen an.

Zinspapiere sollen zwar sicher, aber auch rentabel sein. Anleger wollen deshalb nicht nur Bundeswertpapiere und Pfandbriefe kaufen, sondern schielen auch nach Unternehmens-, Länder- und Währungsanleihen.

Vielleicht käme die mit 11 Prozent verzinste Staatsanleihe der Türkei infrage? Sie lautet auf Euro, läuft bis 2005 und bringt laut Kursteil der Frankfurter Allgemeinen (FAZ) vom 13. Februar eine Rendite von 3,9 Prozent.

Da wäre auch noch die Schuldverschreibung der Europäischen Investitionsbank (EIB) aus der Rubrik „Neue Anleihen“ im Handelsblatt vom 25. Februar, die auf ungarische Forint lautet und mit einem Kupon von 6,25 Prozent ausgestattet ist.

„Es kommt öfter vor, dass die Kunden mit dem Kursteil der Zeitung in die Bank kommen und sich bereits eine bestimmte Anleihe ausgesucht haben“, sagt Sigrid Krepper, die viele Jahre als Anlageberaterin bei der Südwestbank Freiburg tätig war. „Aber meistens sind diese Papiere gar nicht aufzutreiben.“ Die Anleihe der Türkei, zum Beispiel, notiert in der FAZ mit dem Kurszusatz „G“. Es bestand zwar Nachfrage, aber keiner hat die Anleihe verkauft.

An der Börse Flaute

Festverzinsliche Wertpapiere Meldung

Dieses Beispiel ist kein Einzelfall. Der Börsenhandel mit Anleihen ist allgemein schwach. „Das Gros der Umsätze findet im außerbörslichen Handel statt“, sagt Robert Kelvin von der Commerzbank. Frank Baumann von der Deutschen Bank schätzt, dass nur ungefähr ein Zehntel des Anleihehandels über die Börse läuft.

Die Banken handeln untereinander Anleihen in großen Paketen, um sie dann in kleinen Portionen an private Kunden weiterzugeben. Dabei haben sie deren Bedürfnisse bereits im Blick. „Wir kaufen gezielt Anleihen, um sie dem Privatanleger anbieten zu können“, sagt Frank Baumann.

„Private Anleger bevorzugen Anleihen, die unter pari notieren“, sagt Jens Spaniol von der Dresdner Bank. Unter pari heißt unter dem Nennwert. Der Anleger darf die Differenz bei Fälligkeit unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei einstreichen (siehe „Zins und Rendite“).

Die Wünsche der Kunden

Privatanleger wollen eine gute Rendite, aber auch ein überschaubares Risiko. Bundesanleihen sind zwar sicher, bringen aber wenig ein.

Rentabler sind Unternehmensanleihen. Über ihr Risiko gibt das Rating Auskunft. Es beschreibt die Kreditwürdigkeit der Emittenten. Eine Anleihe ist nichts anderes als ein Kredit, den der Anleger einem Staat oder Unternehmen gibt. Je besser das Rating, desto sicherer kann er sein, dass er die Zinsen und am Ende der Laufzeit sein Geld wieder bekommt.

„Zurzeit laufen Unternehmensanleihen mit einem BBB-Rating gut“, sagt Spaniol. Er nennt als Beispiele die Deutsche Telekom und DaimlerChrysler. Die Renditeaufschläge für BBB-Anleihen sind derzeit attraktiv. „Das Risiko ist kaum höher als bei A-, die Rendite aber schon“, sagt Spaniol.

Bestände aus Neuemissionen

Oft behalten die Banken bereits bei der Emission, der Ausgabe einer Anleihe, einen Teil der Papiere im Haus. Das bietet sich an, wenn die Banken im Konsortium sind, in der Gruppe von Kreditinstituten, die ein Unternehmen bei der Platzierung der Anleihe unterstützen. Zum Beispiel führte die Deutsche Bank das Emissionskonsortium für die Ausgabe der eingangs genannten EIB-Forint-Anleihe an, gemeinsam mit dem Finanzdienstleister TD Securities.

Außerdem geben die Banken selbst Anleihen heraus, die sie an ihre Kunden verkaufen, bekannt als Inhaberschuldverschreibungen, kurz IHS.

Anleihen zum Festpreis

Die Banken verkaufen die Anleihen aus ihren Beständen dann zum Festpreis. Das heißt, die Bank rechnet nicht nur den Kaufkurs, sondern auch die üblichen Kaufkosten in die Rendite ein und bucht die Anleihe direkt in das Depot des Kunden.

Extraspesen fallen keine an, weshalb auch von einem Nettogeschäft die Rede ist. Der Anleger muss in der Regel allerdings Depotgebühren bezahlen.

Die Vorzüge der Festpreise liegen auf der Hand: „Die Rendite ist von vornherein bekannt“, sagt Jens Spaniol von der Dresdner Bank. „Der Anleger sieht das Angebot, und wenn es seinen Vorstellungen entspricht, kann er es kaufen. Dagegen weiß der Anleger, der über die Börse geht, erst im Nachhinein, was für einen Preis er bekommen hat.“ Der kann, je nachdem wie stark die Anleihe gehandelt wird, von seinen Erwartungen erheblich abweichen.

„Es besteht außerdem die Gefahr, dass die Order gar nicht oder nur teilweise ausgeführt wird“, ergänzt Frank Baumann. Teilausführungen treiben die Kaufkosten. Beim Börsenhandel fallen darüber hinaus fremde Spesen an, wie zum Beispiel Maklerkurtage.

Vor allem bequem

Festpreisgeschäfte sind daher die Regel „Die meisten Anleihekäufe werden so abgewickelt“, sagt Sigrid Krepper. Das gilt vor allem für Filialbanken. Die Dresdner Bank wickelt auch Anleihekäufe zum Festpreis ab, die nicht über den eigenen Bestand, sondern einen Broker erfolgen. „Sogar Emerging-Markets-Anleihen, auch wenn wir diese weder empfehlen noch dazu beraten können“, sagt Jens Spaniol. „In letzter Zeit haben wir zum Beispiel Jamaika stark verkauft.“

Die Hypovereinsbank hat eine Empfehlungsliste, die zwischen 50 und 60 Titel enthält. Für Anleger, die dort nichts finden, ordert die Hypovereinsbank in der Regel an der Börse. Auch das ist besser, als wenn der Anleger es auf eigene Faust probiert. Die Banker wissen, welche Kurse sie fairerweise erwarten dürfen und limitieren die Orders entsprechend.

Festpreise im Internet

Auch die DAB Bank, die Direktbanktochter der Hypovereinsbank, wartet mit zahlreichen Festpreisangeboten auf: Pfandbriefe, Anleihen von Ford, General Motors, Henkel, Degussa. Für risikobereite Anleger gibt es Anleihen von Jamaika, der Türkei und Brasilien.

Dazu bietet die DAB Bank Anleihen aus Neuemissionen zur Zeichnung an (siehe Finanztest 3/04).

Auch die Postbank bietet im Internet Anleihen zum Festpreis. Sie hat rund ein Dutzend Unternehmensanleihen im Programm, ebenso Postbank-eigene Papiere, Staatsanleihen und Pfandbriefe.

Bei Cortal Consors gibt es zum Festpreis nur Neuemissionen. Die Festpreisangebote von comdirect kann man im Internet einsehen, aber nur telefonisch ordern. Auch maxblue verkauft Anleihen zum Festpreis nur über das Callcenter. Die Citibank bietet ihren Kunden Festpreisgeschäfte über die Filiale oder per Telefon an.

Verkaufen auf zwei Arten

„Die meisten Privatanleger halten ihre Anleihen bis zur Fälligkeit“, sagt Bernd Kalis von der Hypovereinsbank. Das ist auch die Erfahrung von Sigrid Krepper.

Manchmal kann es jedoch sinnvoll sein, seine Anleihe bereits vor Fälligkeit wieder zu verkaufen, zum Beispiel wenn hohe Kursgewinne aufgelaufen sind.

Bankfremde Anleihen können oft nur über die Börse zurückgegeben werden. „Das würden unsere Kunden nicht verstehen“, sagt Jens Spaniol. Deshalb nimmt die Dresdner Bank Anleihen, die sie zum Festpreis verkauft, auch zum Festpreis zurück. Auch die Deutsche Bank macht das so. Bei bankeigenen Anleihen, den IHS, ist die Rücknahme zum Festpreis ohnehin üblich.

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